Monatsarchiv für Februar 2007

Die Kuppel Brunelleschis: Santa Maria del Fiore in Florenz

Dienstag, den 27. Februar 2007

Florenz hat viele Baudenkmäler, doch beherrscht wird die Stadtsilhouette von jedem Aussichtspunkt aus vom Dom Santa Maria del Fiore. Und den Dom beherrscht seine Kuppel, die Kuppel Filippo Brunelleschis (sprich: Brunelléski mit kurzen ‚e’s’). Der Florentiner Dom ist heute die viertgrößte Kirche Europas.

450px-firenzeduomo05.JPGObwohl man es der Kirche nicht ansieht, so ist sie doch im Stil der Gotik gebaut. Allerdings im Stil der italienischen Gotik. Eigentlich ging in Italien die Romanik über die Frührenaissance direkt in die Renaissance über, ohne sich lange mit der‚Gotik aufzuhalten.

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St. Gilgen? St. Illgen? St. Gilles? Der hl. Aegidius

Dienstag, den 27. Februar 2007

Aegidius (Hans Memling)Manche Heilige sind in fremden Sprachen nur schwer wiederzuerkennen. Einer von ihnen ist der heilige Aegidius. In Frankreich, dem Zentrum seines Wirkens, wird er St. Gilles genannt. Doch sogar in einigen deutschen Dialekten klingt der Name fremd. So sind die Kirchen St. Gilgen in Österreich und St. Illgen in Baden-Württemberg gleichsam nach dem Heiligen benannt. Allgemein ist Aegidius in Deutschland oft unter dem Namen ‚Gilg’ bekannt.

Aegidius stammt den Legenden zufolge aus einer einflussreichen Athener Familie und wurde vielleicht um 480 geboren. Von Griechenland zog es ihn nach Nîmes. Dort im Süden Frankreichs lebte er als Einsiedler, wobei ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch ernährt haben soll. Die Hirschkuh wurde so zu seinem Attribut.

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Bayerische Perle des Rokoko: Wieskirche

Sonntag, den 25. Februar 2007

„Wegen ihres erbärmlichen Anblicks wurde sie bald nicht mehr benützt und kam auf den Speicher des Klosterwirtshauses. Von dort holte sie Maria Lory in ihr Bauernhaus in der Wies. Hoch verehrt von den Eheleuten Lory, sahen diese am 14. Juni 1738 während des Abendgebetes Tränen in den Augen des Gegeißelten.“ So beschreibt Georg Kirchmeir, (Mit-)Autor der offiziellen Broschüre zur Wieskirche, den wesentlichen Teil der Gründungsgeschichte des Bauwerks.

Die Wieskirche entstand also als Wallfahrtskirche. Sie wurde an der Stelle erbaut, an der eine zuvor von Prämonstratensermönchen nach der Mode der Zeit behelfsweise zusammengebastelte und später aussortierte Figur des gegeißelten Jesus vor zwei gottesfürchtigen Bauersleuten zu weinen begann, nachdem diese sie in ihre gute Stube geholt hatten.

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Abkehr von der Antike: Ottonik

Samstag, den 24. Februar 2007

Wie die karolingische Kunst nach den Karolingern wurde die Ottonik nach den Ottonen benannt, auch wenn das nicht so schön klingt. Die Ottonen selbst nannten sich nach ihrem Stammvater Liudolf Liudolfinger. Die Liudolfinger kamen aus Sachsen und die Kaiser, die aus diesem Geschlecht hervorgingen, werden auch als sächsische Kaiser bezeichnet. Der erste Ottone hieß Heinrich und da noch ein zweiter folgte, nannte ihn die Nachwelt Heinrich II. Auf Heinrich folgen drei Ottos, wobei der erste Otto später der Große genannt wurde. Das von seinem Vater begonnenen Werk der Ungarnbefriedung setzte Otto fort, indem er das kriegerische Nomadenvolk am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend Evangeliar Kaiser Ottos III. - Meister der Reichenauer Schuleschlug. Unter Otto dem Großen gewann das von Karl dem Großen neubegründete Römische Reich neue Stärke. Indem Otto seinen Sohn Otto (den späteren II.) mit einer byzantinschen Prinzessin verheiratete, nämlich der berühmten Theophanu, holte er mit ihr auch byzantinische Einflüsse in die deutschen Lande. Otto II. verstarb früh, sein Sohn war noch ein Kind und so stritten sich Theophanu und ihre Schwiegermutter Adelheid zunächst über die Macht im Reich, bis sie sich zum Wohle ihres Sohnes und Enkels einigen konnten. Otto III. regierte allerdings nur kurz, aber immerhin über die Jahrtausendwende. Sein Nachfolger wurde Heinrich II.

Ottos Lieblingsort war Magdeburg, welches zu der Zeit noch unmittelbar an von Slawen besiedeltes Gebiet grenzte. Unter Otto wurde der sächsische und somit der deutsche Machtbereich weit nach Osten ausgedehnt. Magdeburg und das heutige Sachsen-Anhalt wurden so Zentren der ottonischen aber auch der folgenden romanischen Kunst. Heinrich II. verlegte das Machtzentrum nach Bamberg, wo er Land geerbt hatte und einen Dom stiftete, in dem er heute auch begraben liegt. Er war der einzige deutsche König und Kaiser, der je heilig gesprochen wurde. Auch seine Frau, Kunigunde, wurde heilig gesprochen. Beide starben ohne Kinder, was auch das Ende der Dynastie der Ottonen bedeutete. Heinrich II. soll auf dem Sterbebett gesagt haben, dass er Kunigunde so rein zurück geben würde, wie er sie empfangen hätte.

Die Ottonik wird gelegentlich auch der Frühromanik zugeordnet. Manchmal wird die Frühromanik auch als Ottonik bezeichnet. Festzuhalten bleibt, dass die Ottonik im Gegensatz zur karolingischen Kunst, die auch viele Spuren im heutigen Frankenreich hinterlassen hat, eine beinahe rein ‚deutsche’ Kunstrichtung wurde. In der Ottonik löste sich die mittelalterliche Kunst allmählich von der Antike.

Allgemein wird der Zeitraum von 970 bis 1024 als zur Ottonik gehörend betrachtet. Manchmal gilt die Zeit bis 1056 als ‚Spätottonik’. In diesem Jahr trat Heinrich IV. (ein Salier; bekannt durch seinen Gang nach Canossa) die Herrschaft an.

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Gottesburgen: Baukunst der Ottonik

Samstag, den 24. Februar 2007

961 wurde am Nordabfall des Harzes in Gernrode, ganz in der Nähe von Quedlinburg, mit dem Bau eines Damenstiftes begonnen. Damenstifte waren Erziehungsanstalten für Fräuleins der führende Familien und bereiteten sie auf ihre Funktion als Frau eines Fürsten oder eines ähnlich bedeutenden Funktionsträgers vor. Nur die ihr Leben lang unverheirateten Damen verließen das Stift nicht wieder. Der Bau in Gernrode ist eine der ältesten Kirchen Deutschlands, vor allem eine der ältesten, die noch weitgehend im Urzustand erhalten geblieben ist. Die Bauteile dieser Kirche stehen noch recht unvermittelt nebeneinander, es ist keine rechte Ordnung zu erkennen. Bemerkenswert sind die Emporen in den Seitenschiffwänden. Manche glauben darin einen Einfluss der Byzantinerin Theophanu zu vermuten, doch ist auch für Quedlinburg eine heute nicht mehr bestehende Kirche übnachgewiesen, die solche Emporen besaß, lange bevor die Prinzessin Sachsen erreichte. Vermutlich sind die Emporen eher auf die Funktion der Kirche als Damenstiftskirche zurückzuführen. Die Stiftsdamen mussten dem Gottesdienst von den Emporen folgen. Der Kirchenraum unten war im wesentlichen dem männlichen Klerus vorbehalten.

1010 begann man in Hildesheim mit dem Bau der Kirche, die später als Typus des ottonischen Sakralbaus gelten sollte: St. Michaelis. Die Kirche zeigt alle Merkmale, die gemeinhin mit der Ottonik verbunden werden. St. Michaelis ist eine

  • viertürmige Gottesburg,
  • wurde als Basilika gebaut,
  • hat je einen Chor im Osten wie auch im Westen,
  • die Vierung ist durch Bögen ‚ausgeschieden’,
  • der Rhythmus der Pfeiler folgt dem westfälischen bzw. sächsischen Stützenwechsel: zwei Säulen – ein Pfeiler – zwei Säulen, und so weiter und
  • die ganze Kirche ist nach dem ‚gebundenen System’ errichtet worden, das Maß des Vierungsquadrates wurde Maßgeber für die restliche Kirche.

Ottonisch an dem Bau ist auch die Tatsache, dass er nicht nur über eine Vierung verfügt, sondern über zwei. Die Romanik sollte später einen Chor und eine Vierung abschaffen. Anstatt eines Westchores findet sich oft auch ein Westbau, der von Türmen flankiert wird. Ein überliefertes Beispiel ist die Stiftskirche in Essen.

St. Michael in Hildesheim auf einer Zeichnung von 1662In St. Michael wurde auch ein Bauteil eingeführt, welches die ganze deutsche Romanik beherrschen sollte: das Würfelkapitell. Es verbindet optisch auf ideale Weise die Säule mit der Wand, welche auf der Säule ruht. Das Würfelkapitell war für Deutschland so dominierend, dass sich in der Romanik so gut wie keine Kapitell-Skulptur nachweisen lässt. In anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, war die Kapitell-Skulptur hingegen stilprägend. Die Wandflächen sind zumeist flächig und ungegliedert. Vermutlich waren sie ausgemalt. Deckengewölbe gab es keine, sondern lediglich eine flache Holzdecke, die auch bemalt sein konnte.

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Experimente mit Großskulpturen: ottonische Bildhauerkunst

Samstag, den 24. Februar 2007

Da es keine Traditionen bei großen Skulpturen gab, war die Ottonik in diesem Fach eine Periode des Experimentes. Vieles war möglich. Eine der großartigsten Skulpturen ist das Gerokreuz im Kölner Dom. Diese überlebensgroße Darstellung wurde um 960 angefertigt und ist ein herausragendes Beispiel für die künstlerische Kraft der Ottonik. Gerokreuz (Strahlenkranz von 1683)Der gekreuzigte Christus wird hier im Zeitpunkt seines Todes dargestellt, dem Moment der Erlösung. Im anzusehen sind die Qualen, die er erlitten hat. Das Gerokreuz hat nichts mehr vom triumphierenden Christus byzantinischer Tradition, der den Betrachter offenen Auges und als Weltenherrscher anblickt. Der gebrochene Heiland des Gerokreuzes sollte stilbildend für alle nachfolgenden Epochen werden, auch wenn der triumphierende Christus noch oft dargestellt werden sollte.. Ein weiteres Meisterwerk ottonischer Bildhauerkunst ist die Goldene Madonna (um 980) des Essener Kunstschatzes, welche als älteste bestehende Marienskulptur gilt.

Von einzigartiger Schönheit ist auch die berühmten bronzenen Bernwards-Türen (1015), die einst für St. Michaelis geschaffen wurden, heute aber im Dom zu Hildesheim aufbewahrt werden. Hier gelang es dem Künstler Szenen aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament mit großer emotionaler Eindringlichkeit zu schaffen. In der folgenden romanischen Epoche, während die Salier regierten, wurden die Darstellungen wieder starrer.

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Gebärden, Blicke, Bewegungen: ottonische Malerei

Samstag, den 24. Februar 2007

Anno, Eburnant, Ruodprecht, Kerald, Herbert und der beste von allen: Liuther. Sie allen waren Buchmaler der vorletzten Jahrtausendwende, die ihre Werke namentlich kennzeichneten. Besonders diese Kunstform erlebte in der Ottonik eine große Blüte. Im Gegensatz zur vorangegangen karolingischen Epoche, wurden die Darstellungen nun schematischer, aber auch vergeistigter. Geste und Gebärden entwickelten sich als zentrales Stilmittel für die Bildaussage. Auf Ornamente wurde ganz verzichtet. </p>
Zahlreiche Prachtbände, die in kaiserlichem oder bischöflichem Auftrag entstanden, bis in die Gegenwart erhalten. Die Buchmalerschule auf der Bodenseeinsel Reichenau war die berühmteste. Nur rund 50 Jahre, von 980 bis 1030 währte die große Epoche der Reichenauer Buchmaler. Eines der schönsten Beispiele ist der von Kerald gemalte Codex Egberti, welcher zwischen 980 und 993 auf Reichenau entstand und heute in Trier aufbewahrt wird.

Mit dem Antichristen auf Augenhöhe

Samstag, den 24. Februar 2007

Der Antichrist und der Feuerzauber
Ein junger Mann nur, zwar von hinten geheimnisvoll beleuchtet, aber eben nur ein junger Mann. Was soll an ihm so gefährlich sein? Das Mittelalter stellte sich den Antichristen, den Christus kurz vor dem Weltenende noch besiegen muss, nicht als einen Dämon mit Hörnern und Fratze vor, sondern als Verführer. Genauso ist er auch im berühmten und einzigartigen Antichristfenster der Marienkirche in Frankfurt/Oder dargestellt. Die Restaurierung der Anfang der 2000er Jahre aus St. Petersburg nach Frankfurt zurückgekehrten Glasmalereien ist vor kurzem abgeschlossen worden. Aus diesem Anlass werden sie in einer Sonderausstellung des Museum Junge Kunst noch bis 29. April 2007 gezeigt. Die Ausstellung findet in der Rathaushalle in direkter Nachbarschaft zur Marienkirche statt. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Bis Juni wird das Fenster wieder an seinen angestammten Platz in der Marienkirche eingebaut. Die Sonderausstellung ist darum eine gute Gelegenheit, die Malereien noch einmal ganz aus der Nähe zu betrachten. Und auch die Anhänger von Hörnern und Reißzähnen kommen nicht zu kurz: auf den Bildern findet sich auch der Teufel.

Museum Junge Kunst

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Unsere Liebe Frau: Notre-Dame de Tournai

Freitag, den 23. Februar 2007

Fünf Türme beherrschen den Bau: der größte auf der Vierung und vier schlankere, aber höhere in allen vier Ecken, die dort entstanden sind, wo das Querhaus das Langschiff durchdringt. Das Querschiff ist auch sonst eines der interessantesten Teile der Kathedrale. Je nach dem, ob der Betrachter – im Querschiff unter der Vierung stehend - noch Osten oder nach Westen schaut, sieht er zwei grundlegend verschiedene Bauten. Nach Westen erstreckt sich das romanische Langschiff, nach Osten der fast genauso ausgedehnte frühgotische Chor. Sogar im Querschiff zeigen die Westwände romanischen Ursprung, die Ostwände frühgotische Gestaltungskraft.

tournai-luftbild.jpgUnter den Römern war Tournai bereits ein wichtiger Verwaltungs- und Militärstützpunkt. Anfang der 4. Jahrhunderts wurde die Stadt wahrscheinlich christianisiert, eventuell unter dem Frankenkönig Childerich. Zu der Zeit war Tournai auch Fürstensitz der Franken. Childerichs Sohn Clodwig verlegte den Fürstensitz zwar nach Paris, wird aber mit einer Kirche in Verbindung gebracht, die im 5. Jahrhundert n.Chr. an der Stelle, an der sich heute die Kathedrale Notre-Dame de Tournai erhebt, entstand. Später wurde der Bau durch eine karolingische Anlage ersetzt, die Mitte des 9. Jahrhundert ausbrannte.

Im 11. Jahrhundert begannen die Bauarbeiten zu der großen Basilika, die heute noch teilweise erhalten ist. Dem sich zu der Zeit ausbreitenden Marienkult gehorchend, wurde die Kirche der Mutter Gottes geweiht.
Das heute noch bestehende Mittelschiff wurde Anfang des 12. Jahrhunderts vollendet, die Wand des Querschiffs wenige Jahrzehnte später. 1191 waren auch die Seitenschiffe, der Chor und die fünf Türme fertig. Besonders am Mittelschiff und einzigartig im Querhaus war die vierte Etage, die Zwerggalerie. Sie wurde Vorbild für viele Kirchen der Bauzeit vor der Kathedrale von Chartres. Sonst waren bis dahin in der Romanik insgesamt nur drei Ebenen üblich.

Kurz nach der Vollendung der romanischen Kirche wechselte die Mode auch in der Wallonie: Abriss und Neubau der gesamten Kirche im frühgotischen Stil wurden beschlossen. Wie so oft begannen man im Osten. So wurde zuerst der romanische Chor niedergelegt und von 1242 bis 1255 frühgotisch neu errichtet. Zum restlichen Abriss kam es dann nicht mehr.

Grundriss der Kathedrale von TournaiHeute werden Chorraum und Mittelschiff im Innern durch einen in der Renaissance errichteten Lettner abgetrennt. Im Barock wurde vor dem Westportal ein Narthex im ‚Toskanischen Stil’ angefügt.

Die französischen Revolutionäre, die 1797 die Wallonie besetzten, schlossen die Kirche und verkauften viele Stücke der Ausstattung. 1840 begann der Wiederaufbau, nachdem das Gebäude durch Verfall schon fast verloren schien. In den folgenden Jahren wurde nicht nur das Mittelschiff historisierend eingewölbt, sondern auch die große Fensterrose im Westen eingebaut und die Querhausarme mit neoromanischen Apsiden versehen.

Eleutherius und der Marienschrein. Der Schrein des hl. Eleutherius wurde 1247 angefertigt. Der Marienschrein wurde vielleicht zwischen 1200 und 1205 geschaffen. Eine möglicherweise nicht originale Inschrift nennt den berühmten Nicolas von Verdun als Künstler.

Notre-Dame de Tournai (fr/en)

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Der Grund wird gelegt: karolingische Architektur

Donnerstag, den 22. Februar 2007

Für den karolingischen Kirchenbau waren oft frühchristliche Säulenbasiliken wie Alt-St.Peter in Rom, aber auch Zentralbauten byzantinischen Ursprungs Vorbilder, so zum Beispiel San Vitale in Ravenna. So folgte der karolingische Bau der Ratgar-Basilika in Fulda (791 – 819) dem Alt-St. Peter und die Aachener Pfalzkapelle (um 800) dem Vorbild aus Ravenna. Die Kirche in Fulda steht nicht mehr. An ihrer Stelle erhebt sich heute der Dom als barocker Nachfolgebau.

Einhardsbasilika bei MichelstadtErhalten haben sich in Deutschland nur einige kleinere Kirchen, wie die Einhardsbasilika in Steinbach. Häufigster Typ wird die einfache Saalkirche gewesen sein, wie viele ergrabene Reste vermuten lassen.

Trotz allem haben auch die Karolingischen Baumeister ihre eigenen Spuren hinterlassen und einige Neuerungen eingeführt:

  • so wurde das Querhaus einbezogen,
  • die Ringkrypta erweitert,
  • es wurde der Chorumgang mit Kapellenkranz erfunden, was maßgeblich für die weitere Entwicklung in den ostfränkischen Gebieten (vulgo: Frankreich) wurde,
  • der Westteil der Kirche bekam oft einen Westchor oder ein Westwerk (z.B. in Corvey – erbaut zwischen 873 und 885 – burgartig erhalten geblieben) und
  • den Bauten wurden hin und wieder Vierungs- und Treppentürme hinzugefügt.

Torhalle Kloster LorschEines der besterhaltenen Beispiele karolingischer Baukunst in Deutschland ist die Torhalle des Klosters Lorsch. An diesem wunderschönen Gebäude lässt sich auch die Art und Weise der Fassadendekoration dieser Zeit erkennen.

Wesentlich für die Entwicklung der abendländischen Mönchsklöster war der um 820 angefertigte Klosterplan von St. Gallen. Das hochabstrakt abgebildete Modellkloster, dargestellt als Grundriss, wurde grundlegend für viele Bauten der nachfolgenden Jahrhunderte.

Bildnachweis: 1 - 2