Der Blick in den Himmel: das Gewölbe
12. Februar 2007Wenn wir heute eine Kirche betreten und nach oben schauen, sehen wir meistens ein Gewölbe. Viele Besucher sind vor allem von diesen überwölbten Räumen beeindruckt. Allerdings kam die Wölbung erst in der Hochromanik in Mode. Zwar kannten schon die alten Ägypter Prinzip und Kunst des Gewölbes, doch war bin ins späte elfte Jahrhundert die Technik vergessen, wie große Räume überwölbt werden können. Bis dahin war über dem Kirchenraum entweder ein offener Dachstuhl zu bewundern, dass heißt es konnten von unten alle Holzkonstruktionen des eigentlichen Daches gesehen werden. Oder es war eine Holzdecke eingezogen worden, die oft schön bemalt wurde, wie zum Beispiel in St. Michaelis in Hildesheim.
Im Dom zu Speyer gelang Ende des 11. Jahrhunderts die Einwölbung der Seitenschiffe mittels eines ‚Kreuzgratgewölbes’. Bis dahin wurden gelegentlich kleine Räume, wie zum Beispiel Krypten, mittels Tonnengewölbe versehen. In diesem Falle sah das Gewölbe wie eine längshalbierte Tonne aus. Beim Kreuzgratgewölbe werden von vier Lagerpunkten die jeweils diagonal gegebenüberliegenden Punkte mit einem Grat versehen, so dass das Bild eines Kuppelzeltes von Innen entsteht.
Das erste Mittelschiff mit Kreuzgratgewölbe wurde mit der Kathedrale in Durham in Nordengland errichtet. In Cluny, dessen größter Bau Cluny III (drei) genannt wird und heute nur noch in Überresten steht, wurde eine andere Methode erfunden, größere Strecken zu überwölben: die sogenannte Spitztonne. Die Spitztonne war für den romanischen Kirchenbau in Burgund, wo Cluny liegt, so typisch, dass sie auch ‚burgundische Spitztonne’ genannt wird. Mit der Erfindung der Wölbung beginnt kunsthistorisch das Zeitalter der Hochromanik.
Später, in der Gotik, wurde das Kreuzgratgewölbe insofern ergänzt, dass zwei Rippen, oder besser ein Rippenkreuz den Grat ersetzte. Dadurch entstand das ‚Kreuzrippengewölbe’, welches typisch für die Gotik ist und erstmals um 1140 im Chorumgang der Kirche St. Denis in St. Denis bei Paris Anwendung fand.
Das Kreuzrippengewölbe sieht dem Kreuzgratgewölbe zwar ähnlich, hat aber ein völlig anderes Konstruktions- und auch Bauprinzip (siehe Kasten: Gewölbebau). Der Unterschied führt vor allem dazu, dass die Gewölbe zum Bau wesentlich weniger Material brauchten und somit auch wesentlich leichter wurden. Dies entlastete alle tragenden Wände und ermöglichte so, dem gotischen Prinzip folgend, dass diese Wände zunehmend ‚aufgelöst’ werden konnten.
Im weiteren Verlauf der Gotik begannen die Baumeister die Gewölbe immer ausgefeilter und schmucker zu gestalten. Ausgehend vom kontruktiven Prinzip des Rippengewölbes entstanden Typen wie das Sterngewölbe und später das Netzgewölbe. Während der Epoche des Perpendicular Styles schufen englische Künstler die reichsten Gewölbe. Als Beispiel sei die Fächergewölbe in der Abteikirche von Bath genannt.
Die Wölbung einer Kirchendecke, vor allem bei Kreuzgrat- bzw. rippengewölben, aber auch den Sterngewölben, führt oft zu einer Art Parzellierung der Decke durch Gewölbefelder. Diese einzelnen Gewölbefelder werden ‚Joche’ genannt. Dabei werden die Bögen, die in Längsrichtung der Kirche zwei Joche trennen als Gurtbögen bezeichnet, und die Bögen, die zwei Joche zweier angrenzender Schiffe trennen, als Scheitelbögen. Letztere gibt es natürlich nur in Hallenkirchen und an Stelle der schon erwähnten Arkaden.
Gemäß dem Trend den Kirchenraum zu vereinheitlichen, werden die Bögen einander im Laufe der Gotik immer ähnlicher. Das Netzgewölbe, welche schließlich ganze Schiffe durchziehen kann, trägt gleichfalls dazu bei, die Joche als gliederndes Element aufzulösen. Allerdings führt dieser Weg auch dazu, insgesamt die Längsrichtung einer Kirche zu betonen; in der Gotik ein durchaus erwünschter Effekt.
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