Ein großer Unterschied kann sehr fein sein: von Säulen und Pfeilern

In größeren und großen Kirchenbauten werden Mittel- und Seitenschiffe sehr oft von Säulen oder Pfeilern getrennt. Worin besteht der Unterschied zwischen beidem? Wahrscheinlich könnte man sagen, dass alle Säulen einen runden Querschnitt haben. Dann sind Pfeiler alles, was keinen runden Querschnitt hat. Allerdings gibt es hier im Gebrauch beider Begriffe Überschneidungen.

Gehen wir der Einfachheit einfach davon aus, dass eine Säule um eine Säule genannt zu werden, zusätzlich zum runden Querschnitt auch noch aus den drei klassischen Bestandteilen einer Säule bestehen muss: Unten befindet sich die Basis, die rund, aber auch eckig sein kann. Darüber kommt die eigentliche Säule, hier „Schaft“ genannt. Oben drauf auf dem Schaft sitzt das Kapitell, auf dem wiederum zumeist das lagert, was von der Säule gestützt werden soll.

Der Schaft ist oft nach oben verjüngt. Zudem finden sich nicht selten am Schaft Längsrillen, die Kanneluren genannt werden (oder ‘Kannelüren’). Die Säule ist dann kanneliert.

Das Kapitell, in der Aussprache übrigens auf dem ‚e’ betont, ist in der Baugeschichte sehr offensiv gestaltet worden. In der Romanik wurden Kapitelle sogar als Bildträger verwendet, auf den ganzen Geschichten erzählt wurden.

Es gibt die Unterteilung in dorische, ionische und korinthische Kapitelle. Alle drei Formen sind auf die griechische Antike zurückzuführen. Dorische Kapitelle sind sehr schlicht und unverziert und ionische Kapitelle zeigen eine doppelte Spiralform, so eine Art ‚Locken’ auf zwei Seiten. Die korinthischen Kapitelle sind die aufwendigsten. Sie zeigen einen Blattschmuck, der auf eine Mittelmeerpflanze zurückgeht, die Akanthus (Acanthus mollis L.) genannt wird. Vor allem korinthische Kapitelle finden wir auch im europäischen Kirchenbau.

Auszug aus den “Auer Lehrgängen” ( Vorarlberger Bauschule ) um 1715; Darstellung der "Fünf Orden der Architectur, Vom Vignola

Die Abbildung zeigt von links nach rechts zwei dorische, eine ionische und zwei korinthische Säulen(kapitelle).

Die frühe Romanik – auch Ottonik genannt – erfand eine eigene für die Stilepochesehr charakteristische Kapitellform: das Würfelkapitell.

Doch Säulen und Pfeiler müssen nicht nur als ganze Säulen und Pfeiler vorkommen. Insbesondere Säulen wurden auch oft Pfeilern oder Wandflächen als halbe Säulen einfach vorgestellt. Solche Halbsäulen haben sehr oft nur eine dekorative Funktion. Sie gliedern die Wandflächen optisch. Die gleiche Funktion haben auch die sogenannten Pilaster. Hierbei handelt es sich eine Art abgeflachte Halbsäulen, die über alle Eigenschaften einer Säule verfügen – Basis, Schaft mit Kanneluren, und Kapitell – außer, dass sie einen runden Querschnitt haben. Auch Pilaster haben vor allem dekorative Funktion und unterteilen als vertikale Elemente Wandflächen. Pilaster gab es schon in der Antike. In der Renaissance, die sich ja auf die Antike bezog, wurden sie zu einer der hauptsächlichen Gestaltungselemente.

Es versteht sich von selbst, dass ein Kirchengebäude, welches als Basilika gebaut wurde, einen anderen Raumeindruck hat, als eines, dass als Halle errichtet wurde. Wie der Name ‚Halle’ schon andeutet, ist der Raum einer Hallenkirche wesentlich großzügiger, eben ‚halliger’ und auch lichter. Ebenso verhält es sich bei der Verwendung von Säulen oder Pfeilern. Trennen Pfeiler, vor allem solche, die wie Wandteile aussehen, Mittel- und Seitenschiffe, wirken die einzelnen Schiffe wesentlich einzelräumlicher. Besonders in der Romanik wurde diese Bauform verwendet. Die Baugeschichte von der frühen Romanik zur späten Gotik kann dann auch als eine Entwicklung beochbachtet werden, in der sich die Grenzen zwischen Mittel- und Seitenschiffen immer weiter auflösen bis bei den spätesten Hallen der Eindruck eines einzelnen Raumes entstanden war. Zwar wurden auch in diesen Fällen Pfeiler verwendet, die aber dann rund im Querschnitt und sehr schlank wurden.

In der Romanik kam man irgendwann auf die Idee (die nach der Antike vergessen worden war), dass nicht nur Pfeiler verwendet werden müssten. Auch nur Säulen wären langweilig gewesen. So entwickelten die Baumeister den ‚Stützenwechsel’, wobei sich im wesentlichen zwei Formen finden:

  • die Reihenfolge ist abwechselnd: eine Säule folgt auf einen Pfeiler. Dieser Wechsel wird ‚rheinischer’ Stützenwechsel genannt.
  • Auf einen Pfeiler folgen zwei Säulen, auf die wieder ein Pfeiler folgt. Diese Folge wird ‚sächsischer’ oder ‚westfälischer’ Stützenwechsel genannt.

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