Inmitten des Weltkulturerbes der Stralsunder Altstadt steht die Kirche. Vom Markt aus gesehen bietet der Bau zusammen mit dem gotischen Rathaus einen prachtvollen Eindruck. Auffällig sind die zwei stämmigen Türme, reich gegliedert durch weißes Blendwerk. Der eine Turm – der Südturm – trägt eine barocke Haube, der Nordturm verfügt nur über ein flaches Pyramidendach. 102 m misst der Südturm vom Boden bis zum Wetterhahn.
Die Kirche ist aller Wahrscheinlichkeit nach bereits der dritte Bau an der selben Stelle. Der erste Bau, vermutlich noch aus Holz, ist nicht gesichert, aber es war üblich, dass Händler, wenn sie einen neuen Ort besiedelten, schon früh eine Kirche errichteten. Die zweite Kirche war nur bis zum Chor fertiggestellt, da riss man sie wieder ab. Genau wie beim Vorbild der Marienkirche in Lübeck war um 1270 eine Hallenkirche für eine Hansestadt nicht mehr modern. Und an Lübeck maß sich Lübeck, da beide Städte in Konkurrenz miteinander standen. Einige Reste des Chores blieben erhalten und Teil der neuen Basilika. Die Nähe zum Rathaus war gewollt. Die Nikolaikirche sollte von Beginn an repräsentative Rats- und Pfarrkirche der Stadt sein. In der Kirche wurden schließlich nicht nur Gottesdienste abgehalten. Das Gebäude diente auch zum Empfang von Gesandtschaften, es wurden Ratssitzungen abgehalten und Geschäfte getätigt.
Das Langhaus der Kirche war wohl in den 1360iger Jahren vollendet. Es sollte aber bis ins 15. Jahrhundert dauern, bis auch beide Türme fertig waren und die für die Region nicht untypischen hoch aufragenden, spitzen Turmhauben bekamen.
1662 zerstörte ein Brand die Turmhauben. Der Südturm wurde daraufhin 1667 barock bekrönt, der Nordturm erhielt ein Notdach, welches er noch heute hat. Auch der Dachreiter kam 1667 hinzu.
Im Innern zeigt die Kirche drei Schiffe mit Langhausseitenkapellen, einem Chorumgang und daran einen Kapellenkranz. Der Bau ist 87m lang. Auffällig ist sofort auch die Ausmalung der Kirche. Sie wurde 1890 freigelegt und danach rekonstruiert. Dabei ist der Obergaden weiß gestrichen worden. Zwischen den Obergaden-Fenstern sind die Pfeiler erstaunlich weit in den Raum hineingezogen worden. Diese nach französischen Vorbildern geschaffene Konstruktion hat den Vorteil, dass die (weißen) Pfeilerflächen das Licht reflektieren, streuen und somit für eine gleichmäßigere Ausleuchtung des Mittelschiffes und des Chores sorgen.
Erhalten geblieben sind auch einige Wandmalereien, so auch der sehr schöne ‚Bunte Pfeiler’ der eine Mutter Gottes zeigt.
Der Chorraum wird durch einen barocken Trennaltar getrennt, den Andreas Schlüter geschaffen hat. 1709 war der Altar fertig, allerdings erst 1735 vergoldet. Dargestellt ist der Dreieinige Gott und das Erlösungswerk seines Sohns. Im Chorraum steht das spätmittelalterliche Chorgestühl.
Die Nikolaikirche hat noch eine reiche Ausstattung vor allem mittelalterlicher Altäre, aber auch an Epitaphen des Barocks und der Renaissance. Einer der schönsten Altäre ist der duch den Ratsmann Junge im 1. Viertel des 15. Jahrhunderts gestiftet Altar. In ihm findet sich eine sogenannte ‚Schöne Madonna’. Sie ist kennzeichnend für den weichen Stil der Spätgotik, wurde aber ursprünglich wohl nicht für diesen Altar geschaffen.
Aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts haben sich die Seitenwangen des Gestühls der Novgorodfahrer erhalten. Zu sehen sind bärtige Russen, die Eichhörnchen jagen oder Wachs sammeln und sich deutlich von den Händlerfiguren unterscheiden. Das Schnitzwerk zeigt noch Teile seiner ursprünglichen Bemalung.
In der kleinen Kapelle, die ‚Taufkapelle’ genannt wird, befinden sich seit wenigen Jahren sehenswerte Fenster des Künstlers Johannes Schreiter. Die Kapelle ist auch von außen sehr hübsch und ein Musterbeispiel für die gestalterische Vielfalt, die auch mit Backsteinen erreicht werden konnte.
Der Hochaltar, 1470 gestiftet, zeigt schwere Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Viele Figuren des zentralen Kalvarienberges wurden vernichtet. 1997 wurde das gleichfalls verloren gegangene Kruzifix durch ein modernes ersetzt, welches sich interessant in das mittelalterliche Kunstwerk einfügt, ohne es zu dominieren.
Eines der bedeutendsten Ausstattungsstücke ist eine übergroße Darstellung der Anna Selbdritt (Anna mit Maria auf dem Schoß, die das Jesuskind auf dem Schoß trägt). Die vor 1270 geschaffene Stuckskulptur bekam 1307 einen Wächter. Das ist auch das Jahr der ältesten erhaltenen Erwähnung des Kunstwerkes.
Die Orgel stammt aus dem Jahr 1841 und hat ein neogotisches Prospekt. Sie wurde von Carl August Buchholz aus Berlin gebaut. In den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderst wurde sie von der Firma Schuke aus Potsdam restauriert. Von Schuke stammt auch die Chororgel.
Besonders sehenswert:
- reiche Ausstattung
- Gestühl der Novgorodfahrer
- Junge-Altar mit ‘Schöner Madonna’
- Skulptur der Anna Selbdritt
