Bayerische Perle des Rokoko: Wieskirche

25. Februar 2007

„Wegen ihres erbärmlichen Anblicks wurde sie bald nicht mehr benützt und kam auf den Speicher des Klosterwirtshauses. Von dort holte sie Maria Lory in ihr Bauernhaus in der Wies. Hoch verehrt von den Eheleuten Lory, sahen diese am 14. Juni 1738 während des Abendgebetes Tränen in den Augen des Gegeißelten.“ So beschreibt Georg Kirchmeir, (Mit-)Autor der offiziellen Broschüre zur Wieskirche, den wesentlichen Teil der Gründungsgeschichte des Bauwerks.

Die Wieskirche entstand also als Wallfahrtskirche. Sie wurde an der Stelle erbaut, an der eine zuvor von Prämonstratensermönchen nach der Mode der Zeit behelfsweise zusammengebastelte und später aussortierte Figur des gegeißelten Jesus vor zwei gottesfürchtigen Bauersleuten zu weinen begann, nachdem diese sie in ihre gute Stube geholt hatten.

Schon fünf Jahre nach dem entscheidenden Ereignis wurde der berühmte Architekt Dominikus Zimmermann beauftragt, Entwürfe für eine Wallfahrtskirche ‚zum gegeißelten Heiland’ anzufertigen. 1745 erfolgte die Grundsteinlegung, 1754 die Weihe des fertigen Gotteshauses.

Heute zählt die wie viele Wallfahrtskirchen etwas abgelegene Kirche zu den bedeutendsten Errungenschaften des bayerischen Rokoko. Im Äußeren barocktypisch eher schlicht und sachlich, strahlt die Kirche im Inneren nur so von farbigen Fresken, weißem Stuck und schimmerndem Blattgold.

Im Grundriss zeigt sich ein ovales Schiff mit östlich anschließendem Chorraum. Schauseite der Kirche ist eindeutig die Westseite. Hier liegen auch die Eingangsportale. Der ovale Kirchraum ist von einer Kuppel überspannt, die allerdings nicht echt ist. Vielmehr hängt der flache Teil an einer Holzdecke, die über dem „Gewölbe“ liegt. Wäre ein echtes Gewölbe eingebaut worden, hätten die Fenster in den Außenmauern längst nicht so groß sein können.

Das Kuppelfresko stammt von Johann Baptist Zimmerman, einem Bruder des Architekten. Es zeigt den auferstandenen und zum Himmel gefahrenen Christus auf einem Regenbogen, dem Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen nach der Sintflut, sitzend. Der Heiland ist kurz davor, das Weltgericht zu beginnen. Am Ostende des Freskos wartet schon der noch leere Thron. Am Westende befindet sich dem Thron gegenüber die Himmelspforte. Sie ist noch geschlossen, doch die Zeit, symbolisiert durch eine Art alten Engel mit Sense und einer Sanduhr, hat schon ihre Macht verloren. Die Sanduhr ist der Zeit aus der Hand geglitten und zerbrochen.

St. Hieronymus (von Anton Sturm)Beeindruckend ist die Kanzel, die über und über mit Stuck beladen ist. Interessant sind die Darstellungen der vier antiken Kirchenlehrer, die auf dem Schalldeckel als Kindlein dargestellt sind und zu spielen scheinen.

Die vier Kirchenlehrer beherrschen als lebensgroße Statuen auch den ovalen Kirchenraum. Es sind ausdrucksvolle und beeindruckende Spätwerke des Anton Sturm.

Nach der großen Säkularisierung 1803 sollte die Wieskirche übrigens verkauft und abgerissen werden. Doch die ortsansässigen Bauern konnten den Frevel verhindern und die Wallfahrt hat Bestand.

Wieskirche

Bildnachweis: 1 - 2

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