Die Kuppel Brunelleschis: Santa Maria del Fiore in Florenz
27. Februar 2007Florenz hat viele Baudenkmäler, doch beherrscht wird die Stadtsilhouette von jedem Aussichtspunkt aus vom Dom Santa Maria del Fiore. Und den Dom beherrscht seine Kuppel, die Kuppel Filippo Brunelleschis (sprich: Brunelléski mit kurzen ‚e’s’). Der Florentiner Dom ist heute die viertgrößte Kirche Europas.
Obwohl man es der Kirche nicht ansieht, so ist sie doch im Stil der Gotik gebaut. Allerdings im Stil der italienischen Gotik. Eigentlich ging in Italien die Romanik über die Frührenaissance direkt in die Renaissance über, ohne sich lange mit der‚Gotik aufzuhalten.
Der Florentiner Giorgio Vasari, der das Wort ‚Gotik’ erfunden hatte und es nicht schmeichelhaft meinte, nannte den Stil auch „maniera tedesca“, die deutsche Manier. Und tatsächlich sind fast alle zweifelsfrei gotisch aussehenden Kirchenbauten in Italien auf den Baubetrieb international operierender Mönchsorden zurückzuführen. Ein Beispiel ist San Francesco in Assisi.
Der Dombau in Florenz startete 1294 mit Plänen des berühmten Künstlers Arnolfo di Cambios. Ein paar Jahrzehnte vorher war der Dom in Siena begonnen worden und zu der damaligen Zeit standen die toskanischen Städte in wirtschaftlicher aber auch politischer Konkurrenz zueinander. Der Florentiner Dom sollte also alles bisherige übertreffen. Zunächst musste aber die alte Kirche Santa Reparata abgeräumt werden. Nach Arnolfos Tod kam der Bau zum Erliegen. Erst mit der Berufung eines anderen berühmten Künstlers, Giotto, kam wieder Bewegung in die Sache. Doch Giotto, schon 68 Jahre alt, verausgabte sich beim Turm, dem Campanile, der auch in Florenz - wie so oft in Italien - neben der Kirche als gesondert stehender Bau errichtet wurde. Giotto verstarb über den Turmbauarbeiten. Ab 1330 übernahm die Wollweberzunft den Bau. Es wurde ein verbindlicher Bauplan erstellt, ein Ziegelmodell angefertigt (Maßstab 1:10) und 1379 konnte das Langhaus bereits für Gottesdienste in Betrieb genommen werden.
Es fehlte jedoch noch die Kuppel. 1417 legte Brunelleschi seine Pläne einer gigantischen Kuppel vor. Von 1420 bis 1434 wurde der Bau errichtet. Am 25. März 1436 wurde die Kuppel feierlich eingeweiht. Sie erhebt sich 107 Meter über den Boden (mit Laterne: 114m) und hat einen Durchmesser von 45 Metern. Die Kuppel wurde ohne Lehrgerüst erbaut und gilt auch heute noch, unabhängig von ihrem ästhetischen Wert, als eine sensationelle Ingenieursleistung.
Giorgio Vasari, der eine Zeit lang einer der einflussreichsten Künstler, oder Kunstpolitiker in Florenz war, malte auch die Kuppel von Innen aus, zumindest bis zu seinem Tode. Vasari war zwar ein ambitionierter Künstler, aber kein besonders guter, was sich auf die Qualität seiner Kuppelausmalung durchschlug.
Der Dom verfügt über einige bedeutende Kunstwerke. Eines der schönsten ist sicher das Reiterstandbildgemälde von Paolo Uccello aus dem Jahre 1436. Ursprünglich war es ein Fresko, welches aber abgenommen wurde. Dargestellt ist der Söldnerführer John Hawkwood, ein Engländer und als Heerführer – Condottiere – im Dienste der Stadt Florenz tätig. Das Bild ist ein Werk der Renaissance.
Ein historisch bedeutsames Ereignis im Dom war das Attentat auf Lorenzo de Medici, genannt der Prächtige (il Magnifico). Dabei fand sein Bruder den Tod. Der Überlebende Medici behielt seine Macht und übte an der verantwortlichen Familie der Pazzi fürchterlich Rache. Ironischerweise hatte ausgerechnet Brunelleschi für die Pazzi dereinst eine Kapelle gebaut, die heute neben der Florentiner Kirche St. Croce steht und als eines der frühen Schlüsselwerke der Renaissancearchitektur gilt.
Für den Dom war ursprünglich eine Fassade vorgesehen, die auch zum Teil gebaut worden war. Auch der dafür bestimmte Figurenschmuck war teilweise fertiggestellt. So berühmte Künstler wie Donatello wirkten daran mit. Im 19. Jahrhundert wurde eine neue Fassade an die Westseite gestellt. In ihrem ganzen überlandenden Mamor-Prunk will sie nicht so richtig zum übrigen Dom passen. Die Kunstwerke der aussortierten Fassade befinden sich heute in dem sehr sehenswerten Dommuseum, dem Museo dell’Opera del Duomo. In dem Museum kann man neben vielen anderen bedeutenden Kunstwerken auch eine ursprünglich im Dom aufgestellte Pietà von Michelangelo bewundern.
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