Das “Stundenbuch des Herzogs von Bedford” in einer Ausstellung in Berlin

Im Allgemeinen ist die Buchmalerei eine schwer zugängliche Kunst. Sind die Malereien doch oft klein und – wie der Name schon sagt – in Büchern gebunden, die auch nicht einfach auseinandergenommen werden können, um die Bilder betrachterfreundlich an die Museumswand zu hängen. Die Besucher in den wertvollen Codices blättern zu lassen, geht auch nicht. In billigen Nachdrucken gehen dafür Details und Farbfreudigkeit teilweise verloren. Umso billiger die Bücher, umso größer der Verlust.

Hier kommen die Faksimile-Verlag ins Spiel. Mit großem Aufwand werden kleine Auflagen (um 1000 Stück) gedruckt, die an Brillianz und Detailgenauigkeit vom Orginal kaum zu unterscheiden sind, auch wenn die Originale zumeist auf Pergament gemalt sind und die Faksimiles auf Papier gedruckt werden. Solche Nachdrucke haben natürlich ihren Preis – im vorliegenden Fall sind es 11.900 Euro – und sind wohl nur etwas für wohlhabende Sammler. Inwieweit die Geschäftsinteressen der Faksimile-Verlage und deren natürliches Bedürfnis, die in die aufwendige Reproduktion getätigten Investitionen refinanzieren zu wollen, eine über diese spezielle, im wahren Sinne des Wortes “exklusive” Verbreitung der Buchmalkunst, dazu beiträgt, dass für die Mehrheit der Kunstinteressenten so wenig von ihr zu sehen ist, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden.

In Berlin hat nun der Faksimile-Verlag aus Luzern in einer Mischung aus Ausstellung und Werbeveranstaltung sein neuestes Werk ausgestellt: das Stundenbuch des Herzogs von Bedford. Aufgehübscht wird die Ausstellung durch weitere Faksimiles aus dem Verlag, einigen Filmchen, museumspädagogischen Angeboten für Schulklassen und, durchaus gelungen, mit einer anschaulichen Darstellung zu Methoden mittelalterlicher Farbherstellung und Pergamentbearbeitung.

Das im Mittelpunkt stehende Werk war ein Hochzeitsgeschenk für Johann von Lancaster Herzog von Bedford (1389 – 1434). Es gilt als die ikonografisch reichste Prachthandschrift des Mittelalters. In 1288 Bildern und Medaillons wird ein kompletter Abriss der biblischen Geschichten vom Alten bis zum Neuen Testament gegeben. Darunter sind viele Szenen, die nur selten außerhalb der Buchmalerei zu sehen sind, da auf den Altar- und Tafelbildern einfach kein Platz für sie ist. Die Beschriftung der Bilder gibt dem Betrachter jedoch die Möglichkeit alle Szenen zu indentifizieren.

Die noch bis zum 31. März 2007 im Pei-Bau des Berliner Deutschen Historischen Museums zu betrachtetende Ausstellung ist tatsächlich zu empfehlen. Sie macht Lust auf mehr Buchmalerei.

Den Besuchern sei angeraten, ausreichend Zeit mitzubringen und die ausgelegte Lupe ausführlich zu benutzen.

Deutsches Historisches Museum

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