Gedenkstätte der Reformation: Schlosskirche Wittenberg

Obwohl die Schlosskirche zu Wittenberg als Denkmal der Reformationszeit gilt, ist sie in der Form, in der sie sich heute befindet, vielmehr ein Museum über das Gedenken im 19. Jahrhundert an Martin Luther und die Reformation. So verdankt die Kirche ihr aktuelles Erscheinungsbild – vor allem im Innern – einer so umfangreichen Bautätigkeit inSchlosskirche Wittenberg den Jahren 1883 bis 1892, dass schon beinahe von einem Neubau gesprochen werden könnte. Mehrere Kriege und Brände hatten zuvor von der zur Luthers Zeit bestehende Kirche nicht mehr viel übrig gelassen. So brannten 1760 das Schloss und die Kirche während des Siebenjährigen Krieges erstmals bis auf die Grundmauern nieder. Dabei ging der größte Teil der wertvollen Ausstattung verloren. Zerstört wurde auch die berühmte Kirchentür, an die Martin Luther 1517 seine Ablassthesen geschlagen haben soll, obwohl das Ereignis nach derzeitigem Kenntnisstand wahrscheinlich nur eine Legende ist. Bei der preußischen Erstürmung der Stadt 1814 anlässlich der Befreiungskriege brannte die Kirche dann erneut nieder. Das Schloss wurde zur Kaserne.

Zum 375. Geburtstag Luthers stiftete König Friedrich Wilhelm IV. als Ersatz für die verbrannte Thesentür eine Bronzetür mit den eingegossenen Thesen. Die Weihe war 1858. Wenige Jahrzehnte darauf folgte der Umbau der Schlosskirche zur nationalen Gedenkstätte. Dabei wurde nicht nur das Innere neu gestaltet, sondern auch der Turm wieder aufgebaut und mit seiner neugotischen Haube versehen. Unterhalb der Haube befindet sich ein Mosaik, auf dem einmal um den Turm herum das Luther-Zitat „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ zu lesen ist. Beim Neubau des Inneren orientierte man sich, soweit es ging, am historischen Vorbild, welches als spätgotisches Bauwerk erst 1506, wenige Jahre vor Luthers Wirken, eingeweiht wurde.

Ursprünglich war die Schlosskirche als dritter Schlossflügel an den zwischen 1490 bis 1496 auf den Fundamenten eines alten Askanierschlosses errichteten Schlossbau angefügt worden. Heute liegt das Schloss etwas verborgen ‚hinter’ der Kirche. Der genaue Beobachter wird feststellen, dass der Kirchturm der Schlosskirche ursprünglich einmal ein Turm des Schlosses war. Am Südflügel des Schlosses befindet sich noch ein zweiter Turm mit gleichem Umfang, aber weit geringerer Höhe.

Die heutige Ausstattung der Kirche stammt größtenteils, aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Bemerkenswertestes Ausstattungsstück ist das von Peter Vischer aus Nürnberg 1527 geschaffene Bronzegrabmal für Friedrich den Weisen, den großen Gönner und Beschützer Martin Luthers.

Thesentür der SchlosskircheMartin Luther studierte seit 1508 Theologie in Wittenberg. Die Schlosskirche war 1505 der Wittenberger Universität zugeordnet worden. Promotionen fanden in ihr statt, universitäre Würdenträger fanden hier ihre letzte Ruhestätte. In der Kirche, die gemeinsam mit anderen Gedenkstätten zur Reformation auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht, befinden sich heute auch die Gräber Martin Luthers und Philipp Melanchthons, des engen Freundes Luthers. Er war Autor unter anderem des Augsburger Bekenntnisses und ein wichtiger Vordenker der Reformation.

Schlosskirche Wittenberg

Bildnachweis: 12

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