Ein Meister der Spannungsliteratur: Jacobus de Voragine

6. März 2007

In einem Zeitalter, in dem nicht viele Menschen lesen konnten, war sein Buch ein Bestseller. Nach der Bibel war es sogar das meistgelesene Buch des Mittelalters: die Buchmalerei aus: Jacobus de Voragine: Legenda aurea, übersetzt von Jean de Vignay, Paris, 14. Jahrhundert: Jacobus de Voragine predigt. Bibliothèque Nationale de France in Paris, Richelieu ManuscritsLegenda aurea, die ‚Goldene Legende’. Auch heute noch kann der aufmerksame Kirchenbesucher überall auf die Folgen der Legenda aurea stoßen: ein großer Teil der Heiligenlegenden, die heute auf Altarbildern zu finden sind, haben ihre Quelle in dem berühmten Buch. Dabei hat der Autor des 900 Seiten umfassenden und in Latein geschriebenen Werkes nur wenig erfunden. Die meisten Legenden hat Jacobus de Voragine wie der Gebrüder Grimm nur gesammelt und aufgeschrieben. Sie waren in den 1000 Jahren zuvor entstanden, ergänzt, ausgeschmückt und weitergetragen worden.


Doch die Legenda aurea wäre im Mittelalter nicht so berühmt geworden und hätte nicht die Wirkung bis in die Gegenwart gehabt, wenn der Autor ein anderer gewesen wäre. Jacobus de Voragine (oder: Jakob von Vorago, wie die Deutschen sagen) war ein meisterlicher Schriftsteller .Die Heiligenlegenden sind auf so spannende und lesbare Weise geschrieben, worden, dass auch für den ungeduldigen Leser der Gegenwart das Werk noch ein wahrer Lesegenuss ist.

Doch wer war Jacobus de Voragine? Wie bei so vielen Gestalten des Mittelalters, bleibt auch von diesem Leben vieles im Dunklen. Er wurde um 1230 in dem Städtchen Varezze bei Genua in Italien geboren (weswegen er von den Italienern auch Jacopo da Varezze genannt wird). 1244 trat Jacobus dem Dominikanerorden bei. 1266 wurde er zum Professor für Theologie ernannt. Die Überlieferung nennt ihn einen überragenden Redner und Ordenslehrer. 1286 schlichtete er im Auftrag des Papstes Honorius IV. einen der häufigen Streitereien zwischen Ghibbellinen (Anhänger des Kaisers) und Guelfen (Anhängern des Papstes). 1288 erlangte der Dominikaner die Ernennung zum Bischof von Genua, wobei Jacobus das Amt erst 1292 antrat.

Die Legenda aurea verfasste Jacobus de Voragine zwischen 1263 und 1273. Für jeden Tag im Kirchenjahr beschrieb er die Legende eines Heiligen. Zusätzlich enthält die Legenda auch noch Geschichten zu den christlichen Festen wie Weihnachten und Ostern. Jacobus war ein fleißiger Autor. Neben vielen anderen Schriften verfasste er sogar noch eine Chronik der Stadt Genua.

Am 14. Juli 1289 starb Jacobus de Voragine in Genua. Begraben ist er unter dem Altar der Dominikanerkirche in seinem Heimatort Varezze. 1816 wurde der große Schriftsteller von Papst Pius VII. als Friedensstifter selig gesprochen.

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