Das Maß aller Dinge: die Vierung
7. März 2007Ein wichtiger Ort in Kirchen mit Lang- und Querhäusern ist der Punkt, an dem sich beide Schiffe schneiden. Dabei entsteht ein Joch, welches sowohl zum Lang- als zum Querschiff gehört. Dieses Joch wird ‚Vierung’ genannt. In romanischen Kirchen wird die Vierung gegenüber den übrigen Jochen oft besonders betont, in dem größere, tiefer hinabreichende Bögen das Vierungsjoch von denen im Querschiff, insbesondere aber auch im Langschiff abtrennen. Eine solchermaßen betonte Vierung wird als ‚ausgeschieden’ bezeichnet.
In der Romanik hat die Vierung zusätzlich noch eine besondere Bedeutung. Sie ist das Maß, an dem sich alle anderen Bauteile der Kirche orientieren. Wenn der gesamte Kirchenbau sich an nur einem Maßsystem – der Vierung – orientiert, spricht man vom ‚gebundenen System’. Dieses System ist typisch für den Kirchenbau der Romanik und führte zu herrlich ausgewogenen Symmetrien.
In englischen Kirchen wurde über dem Vierungsquadrat oft ein mächtiger Turm errichtet. Dadurch sind die Pfeiler, die die Vierung begrenzen, wesentlich dicker, als die übrigen Pfeiler der Kirche. In vielen Kirchen erhebt sich über der Vierung auch eine Kuppel, so zum Beispiel über dem Dom in Florenz, oder auch über St. Peter in Rom. Viele gotische Kirchen haben neben den Türmen am Westende auch einen kleinen Vierungsturm über dem Joch der Vierung. Zisterzienserkirchen verfügen zumeist nur über diesen einen kleinen Vierungsturm.
Diesen Beitrag drucken