Paulus war kein Jünger und auch kein Apostel im engeren Sinne. Er begegnete Christus erst nach Pfingsten („Damaskuserlebnis“). Durch die Briefe des Paulus im Neuen Testament ist sehr viel vom Wirken und Denken des Apostel überliefert worden.
Geboren wurde Paulus in Tarsus in einer strengjüdischen Familie. Vom Vater erbte Paulus das römische Bürgerrecht. Ursprünglich hieß Paulus auch Saulus. Beide Namen trug er wohl von Geburt an und brauchte sie nicht, wie das Sprichwort sagt, anlässlich seiner Bekehrung zu wechseln.
Zu Beginn war Paulus gleichfalls strenggläubig. Die Apostelgeschichte berichtetet, dass er als Aufseher sogar an der Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus beteiligt war. Auf dem Weg nach Damaskus, wo er weitere Christenverfolgungen leiten sollte, begegnete Paulus dem auferstandenen Christus. Geblendet musste er nach Damaskus geführt werden, wo ihn Ananias heilte und taufte.
Bald schon begab sich Paulus auf seine erste Missionsreise nach Kleinasien und Zypern. Zurückgekehrt nach Jerusalem bekam Paulus von der Jerusalemer Gemeinde die Genehmigung auch unter den Heiden zu missionieren. Sein Gegenspieler war Simon Petrus, der die Wurzeln des Christentums im Judentum sah und sie dort belassen wollte.
Auf seiner zweiten Missionsreise, wohl um 50 n.Chr. missionierte Paulus dann in Griechenland. Die dritte Missionsreise führte wieder nach Kleinasien. Folge der vielen Missionsreisen des Paulus war eine große Zahl neugegründeter Gemeinden. Einen wesentlichen Anteil am Neuen Testament machen die Briefe aus, die Paulus an die Gemeinden schrieb (von den 14 wohl 7).
Schließlich führte Paulus seine Reisen nach Rom, wo er zwei Jahre gewirkt haben soll. Dort soll er auch unter der Herrschaft des Kaisers Nero im Jahre 64 das Martyrium erlitten haben. Wahrscheinlicher ist aber, folgt man den reichen Legenden, dass er noch eine Missionsreise nach Spanien unternahm und erst 67 n.Chr. in Rom eines natürlichen Todes starb.
Schon im 2. Jahrhundert begann die Legendenbildung um das Martyrium des Paulus. So soll der Apostel mit dem Schwert hingerichtet worden sein, ein Hinweis auf seine römischen Bürgerrechte. Das Schwert war die „ehrenvolle“ Hinrichtungsform, die Bürgern vorbehalten war.
Sein Grab fand Paulus Ende des 4. Jahrhunderts nach einem Umweg über die Katakomben schließlich dort, wo sich heute die Kirche S. Paolo fuori le mura (St. Paul vor den Mauern) erhebt. Der Ostteil der Kirche stammt noch aus frühchristlicher Zeit, der gesamte Westteil wurde nach einem Brand im 19. Jahrhundert komplett neu errichtet. Ein Kreuzgang aus der Romanik zeigt wunderschöne Säulen.
Attribut des Paulus ist das Schwert, mit dem er enthauptet wurde. Doch hat sich seit den frühesten Darstellungen ein Typus durchgesetzt, der Paulus als (lang)bärtigen Mann mit höchstens ein paar Löckchen auf einem sonst kahlen Haupte zeigt.
In Apostelfolgen findet sich Paulus, wie auch Petrus, immer in unmittelbarer Nähe zu Christus. Hin und wieder finden sich in der christlichen Kunst Szenen aus dem Leben des Heiligen.
Patron von Rom, Umbrien, Malta, Kavala in Griechenland und Poznan/Posen in Polen; der Theologen und Seelsorger, Weber, Teppichweber, Zeltwirker, Korbmacher, Seiler, Sattler, Arbeiterinnen; der katholischen Presse; für Regen und Fruchtbarkeit der Felder; gegen Furcht und Angst, Ohrenleiden, Krämpfe, Schlangenbiss, Blitz und Hagel.
Gedenktag ist der 29. Juni (Peter und Paul).
