Frühe Backstein-Romanik: Klosterkirche in Jerichow
14. März 2007
Betritt der Besucher das Klostergelände wird er schnell überrascht: Kloster und Klosterkirche stehen inmitten einer ehemaligen LPG. Geht der Besucher nach Westen um die Kirche herum, findet er sich plötzlich auf einem Wirtschaftshof wieder. Es entsteht ein wenig der Eindruck eines klösterlichen, landwirtschaftlichen Betriebes.
Gegründet wurde das Kloster als Prämonstratenserstift. 1148 begannen an diesem Orte die Bauarbeiten zu Kloster und Kirche. Die Gebäude wurden komplett in Backstein und im Stil der Romanik ausgeführt. Somit gehört die Klosterkirche in Jerichow zu den ältesten noch bestehenden Zeugnissen des Backsteinbaus in Deutschland. 1175 waren die Kirche und ein Teil des Klosters fertig. Es folgten Winter- und Sommerrefektorium, die beiden Türme und 1220 bis 1230 schließlich der Bau des Kreuzganges. 1250 waren die Bauarbeiten abgeschlossen.
Nach der Reformation wurde das Kloster im 16. Jahrhundert geschlossen und die Mönche weggeschickt. Schwedische und kaiserliche Truppen verwüsteten das Kloster nacheinander im 30jährigen Krieg. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg verfügte 1685 die Instandsetzung und übergab die Kirche der jungen Reformierten Gemeinde. Gleichzeitig wurde das Kloster eine kurfürstliche Domäne, also ein staatlicher, landwirtschaftlicher Betrieb.
1853 bis 1856 restaurierte Ferdinand von Quast, oberster preußischer Denkmalschützer, Kirche und Kloster. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg, wurde die Klosterkirche 1955 in reiner Romanik wieder hergestellt, doch auch in der Gegenwart müssen die Gebäude weiterhin behutsam restauriert werden. Ein Förderverein hat die Betreuung übernommen und schon 1977 ein sehr sehenswertes Museum im Ostflügel des Klosters eröffnet, welches sich mit Geschichte und Architektur des Kloster und dem Wirken der Prämonstratenser in der Altmark beschäftigt. Wie die Zisterzienser waren die Prämonstratenser eine wichtige Stütze für die deutsche Ostkolonisation jenseits der Elbe.
Neben dem Kloster befindet sich heute auch ein sehenswerter Klostergarten, der nach mittelalterlichem Vorbild gestaltet und gepflegt wird.
Stifung Klosterkirche Jerichow
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