Am Ende des Jakobweges: Kathedrale von Santiago de Compostela
18. März 2007
Nur eine wirklich bedeutende Kirche konnte es auf die Rückseite der spanischen 5-Cent-Münze schaffen. Und tatsächlich erhebt sich eine Kathedrale über dem Grab des Nationalheiligen Spaniens und eines der Lieblingsjünger Christi: Jakobus des Älteren, auf Spanisch Santiago genannt. Gegründet wurde die Stadt, in der die Kathedrale steht, jedoch als Umspannstation der antik-römischen Post. Hier wurden die Pferde gewechselt. Benannt wurde der Ort später nach dem Apostel: Santiago de Compostela (hl. Jakobus des Sternenfeldes). Die Stadt ist heute Hauptstadt der spanischen autonomen Gemeinschaft Galicien.
Die Kathedrale geht auf einen Bau aus dem 8. Jahrhundert zurück (die Legende spricht vom Jahr 816, dem Jahr der Reliquiengrablegung des Apostels). Jener frühe Bau wurde jedoch in den Maurenkriegen zerstört. 1070 begann man unter König Alfons VII. mit einem Neubau im romanischen Stil. Vom Typ her ist die Kirche eine Basilika mit Emporen. Von dieser Kirche hat sich unter anderem im Äußeren auch das romanische Südportal komplett erhalten. Seit 1120 verfügt die Kirche einen Erzbischof, weshalb sie sich Kathedrale nennen darf.
Im Laufe der Zeit wurde die aus Granit errichtete Kirche erheblich erweitert und umgebaut, was vor allem auch dem Reichtum an Ornamentik zu gute kam. Zwischen 1738 und 1750 errichtete man schließlich das Westportal im spanischen Barock und verzierte es reich mit Dekor, wobei die beiden mittelalterlichen Türme einbezogen wurden. Hinter der Westfassade befindet sich noch ein großartiges, romanisches Figurenportal, das Pórtico de la gloria, welches 1188 geschaffen wurde und dem Meister Mateo zugeschrieben werden. Darstellt sind Christus mit Heiligen, sowie Himmel und Hölle.
Die Reliquien des Apostels werden in einem Schrein unter dem barocken Hochaltar im Ostteil der Kathedrale aufbewahrt. In der Mitte der Kirche ist unter der Laterne das berühmte große Weihrauchfass (botafumerio) aufgehängt, welches bisweilen bis beinahe zum Boden herabgelassen und soweit geschwenkt wird, dass es knapp nicht die Decke berührt.
Der Kreuzgang stammt aus dem 16. Jahrhundert. In ihm mischen sich die späte Gotik und die spanische Ausprägung der Renaissance.
In Santiago die Compostela endet der Camino de Santiago, der Jakobsweg, einer der bedeutendsten Pilgerwege des Mittelalters, aber auch noch in der Neuzeit bis hinein die Gegenwart.
Kathedrale von Santiago de Compostela (galizisch/englisch/spanisch - sehr gut gemachte Website!)