Grablege eines berühmten Heiligen: San Nicola in Bari
22. März 2007Kaum ein Heiliger ist so populär, wie Nikolaus, wird er doch zumeist mit Geschenken in Verbindung gebracht. Weniger bekannt ist, dass Nikolaus ursprünglich aus dem Städtchen Myra in der heutigen Türkei stammt, weswegen sein Name auch hl. Nikolaus von Myra lautet. Die katholische Kirche nennt den Heiligen jedoch auch Nikolaus von Bari, womit die Verwirrung komplett wird. Den Zusatz ‚Bari’ erhielt Nikolaus, nachdem Kaufleute der reichen Stadt an der Südostküste Italiens 1087 aus Statusgründen einen berühmten Heiligen für ihren wirtschaftlich aufstrebenden Ort brauchten und sich einfach einen aus Kleinasien heranorganisierten. Man begründete den Raubzug damals damit, dass Nikolaus nach Bari „wollte“ und ihm dieser Gefallen unbedingt getan werden müsste.
Besiedelt wird das Gebiet von Bari seit mehr als 4.000 Jahren. Im 3. Jahrhundert siedelten hier die Griechen, es folgten die Römer und sogar die islamischen Sarazenen für einige Jahre. 1071 schließlich setzten sich die Normen durch. Während ihrer Regentschaft begann auch der Bau der Kirche, die die Reliquien des Nikolaus bewahren sollte. Benannt wurde die Kirche nach ihrem Patron: San Nicola (männliche Vornamen können im Italienischen auf ‚a’ enden, z.B. Nicola und Andrea). Den wahren Aufstieg nahm die Stadt allerdings erst mit den Staufern und den Kreuzzügen: Bari wurde der Ausgangshafen für Fahrten ins Heilige Land.
Selbstverständlich wurde San Nicola zu einer bedeutenden Wallfahrtskirche. Ursprünglich lag die im Stil der Bareser Romanik erbaute Kirche nur von einer Mauer getrennt direkt am Wasser. Geweiht wurde San Nicola 1196.
Besonders am Außenbau ist die Gliederung in hohen Nische mit darüber liegenden Emporen. Die Türmstümpfe haben normannische Vorbilder in Frankreich. Das Eingangsportal wird nicht wie üblich von Löwen, sondern von steinernen Stieren getragen. Das Innere der Kirche wurde im 15. Jahrhundert verändert. Im Westen wurden aus statischen Gründen die Säulen verdoppelt und mit Bögen verbunden. Dadurch wurde der Raumeindruck sehr beeinträchtigt.
Wertvollstes Ausstattungsstück ist ein Bischofsstuhl, den der Künstler Elias um das Jahr 1098 anfertigte. Besonders sind die Trägerfiguren, denen der Betrachter die Schwere ihres Tragwerkes deutlich ansehen kann, wobei eine der hinteren Figuren die Arbeit die anderen machen lässt. Die Pilgerstäbe der Figuren zeigen, dass es sich um Pilger zum Grab des hl. Nikolaus handelt.
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