Monumentale Gliederung: Baukunst der Romanik

23. März 2007

Die Unterschiede zwischen Romanik und vorhergehender Ottonik betreffen zunächst vor allem den Zug der Romanik zur Monumentalität. Die Kirchenbauten speyererdomlangschiff.jpgwurden entscheidend größer. Der Typ der Basilika blieb aber bestimmend. Ein weiterer Trend war die wesentlich klarere Gliederung der Baumassen. Das Prinzip der Gliederung gab es zwar schon seit der karolingischen Kunstepoche. Doch die Romanik gestaltete die Kirchenbauten aus den verschiedenartige Baukörpern - rechteckigen und runden, längs- und quergerichteten, lagernden und aufstrebenden –nun zu einem einheitlichen, vielgliederigen Ganzen. Deutlich wurden Schiffe, Vierung, Querhaus, Chorpartien und Türme von einander abgesetzt. Bestes Beispiel ist die Klosterkirche Maria Laach. Und obwohl sich der Begriff Romanik auf die Antike bezieht, kannten oder nutzten die Römer dieses Gliederungsprinzip nicht.

Der im Gegensatz zur Ottonik größere plastische Wille der Romanik machte sich bereits in der salischen Epoche bemerkbar. Im Innern gliedern Pfeilervorlagen die Wände. Im Äußern werden die Querhäuser insgesamt ausladender und mit Kapellen versehen. Es gibt erste Vorformen von 2-Turm-Fassaden. Die Krypta aus der vorromanischen Zeit wird zu einem ‚echten’ Raum erweitert, die Hallenkrypta entsteht. In der salischen Romanik waren auch noch zwei Chöre üblich – einer im Osten und einer im Westen. Auch zwei Querschiffe, die von je zwei Türmen flankiert werden, sind typisch für die Zeit. Die Doppelchörigkeit zog sich sogar bis in die Stauferzeit, als sich frühgotische Einflüsse allmählich in Deutschland bemerkbar machten (Bamberger Dom).

Die bemerkenswerteste Entwicklung der Romanik war jedoch die Wölbung. Gab es während der Ottonik nur flache Holzdecken, wurde in der frühen Romanik die Wölbung beinahe gleichzeitig in Italien, Frankreich und Deutschland entwickelt. Frühestes Beispiel in Deutschland sind die Seitenschiffe des Doms in Speyer, den die Salier als ihre Hauptkirche und Grablege errichten ließen. Die Bauarbeiten begannen um 1030 und endeten erstmals 1061 (Speyer I). Die Einwölbung der Seitenschiffe erfolgte mittels Kreuzgratgewölben. bambergdom.jpgDie ‚Erfindung’ der Gewölbe blieb für den Kirchenbau nicht folgenlos. Nun war es möglich, Kirchenbauten konsequent nach dem Gebundenen System zu errichten, mit der Vierung als Maß für das gesamte Gebäude. In Speyer finden sich als Gliederungsprinzip der Innenwände auch erstmals Pfeilervorlagen im Mittelschiff. Ab 1082 wurde schließlich in Speyer auch das Mittelschiff gewölbt (Speyer II).

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der salischen und der staufischen Romanik ist die immer umfangreichere Gliederung der Flächen, sowohl im Inneren als auch am Äußeren. Viele der Elemente wurde zwar schon in der salischen Zeit entwickelt. So finden sich zum Beispiel im Mittelschiff des Speyerer Doms bereits Pfeilervorlagen, die die Wand gliedern. Doch erst in der Stauferzeit wurden die architektonischen Mittel konsequent genutzt. Es wurden Lisenen, Pilaster und andere Ornamentformen verwandt. Auch begann man Portale und Fensterlaibungen mit Stufungen zu versehen. Eine wesentliche Entwicklung war im Inneren ein Laufgang über den Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiffen und der Obergadenwand, das sogenannte Triforium. Im Außenbau wurden als Entsprechung zum Triforium die Zwerggalerie, ein offener Arkadengang unterhalb des Daches, eingeführt. Als das früheste deutsche Beispiel für einer Zwerggalerie gilt jenes im Westbau des Trierer Dom von ca. 1050. Die Kölner Kirchen zeigen eine andere Entwicklung der frühen Romanik, die Ausgestaltung des Chorraumes als Dreikonchenanlage. Ein Beispiel ist St. Maria im Kapitol, welche ab ca. 1040 oder 1050 errichtet wurde.

Die meisten romanischen Bauten, die sich bis heute erhalten haben, stammen aus der Regierungszeit der Staufer, bzw. der Spätromanik. Zu ihnen gehören die großen Dome am Rhein und das Münster in Basel.

Bildnachweis: 1 - 2

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