Bildhübsch: Bildhauerkunst der Romanik

30. März 2007

Jüngstes Gericht - Saint Lazare, Autun - Gislebertus (1120-1134)Als den Zeitgenossen der Romanik ihre Architektur zu langweilig wurde, entwickelten sie die Bauskulptur (oder Bauplastik). Zuerst als Relief verwirklicht, wurden die Figuren und Ornamente im Laufe der Zeit immer voluminöser. Und so war den romanischen Bildhauern auch anders als ihren antiken Vorgängern nicht so sehr an der Darstellung menschlichen Körpern gelegen, sondern mehr daran, Volumen oder Masse zu erzeugen. Körperlichkeit statt Körper. Dabei war die Bildhauerkunst der salischen Epoche der Romanik formalistisch streng, strenger sogar noch als die der Ottonik. Erst in der staufischen Zeit (nach 1150) wurden die Figuren lebhafter und die Darstellungen variationsreicher und leiteten allmählich zur Gotik über.

Die früheste romanische Bildhauerwerke beschränkten sich also fast vollständig auf die Ausschmückung der Architektur. Während in Frankreich die Plastik auch im Außenbereich der Kirchen, so an Fassaden und an Portalen zum Tragen kam, fand die deutsche romanische Skulptur fast nur im Kircheninnern ihren Platz, so in Chorschranken und in Taufsteinen. Romanische Taufsteine gibt es in Deutschland noch in vielen überlieferten Exemplaren, da sie oft ihrer Zerstörung entkamen, indem sie einfach in andere Kirchen transportiert wurden, was bei größeren Kunstwerken naturgemäß schwieriger ist. Berühmt sind die romanischen Chorschranken aus der Liebfrauenkirche in Halberstadt. In lebensgroßer Darstellung sind hier Sitzfiguren der Muttergottes und einiger Apostel im Vollrelief aus der Zeit um 1200 bis 1210 zu sehen, zum Teil noch in originaler Bemalung.

War die Hochromanik vor allem eine Zeit der Reliefskulptur, so wurden doch einige größere Kultbilder vollplastisch ausgeführt. Als Beispiele sein die berühmte Imad-Madonna (um 1075, heute Diözesanmusem in Paderborn), der Alpirsbacher Lesepult (um 1140, heute Stadtkirche Freudenstadt) und der Erfurter Wolframleuchter (um 1160, im Erfurter Dom) genannt, denen die Herkunft aus dem Relief noch deutlich anzusehen sein scheint.

In Frankreich entwickelte sich die Bauskulptur meisterhaft. In Burgund pflegte man insbesondere die Kapitellskulptur, wobei beinahe vollplastische Darstellungen erreicht wurden. Ganze Bildprogramme finden sich auch heute noch auf den Säulen der romanischen Kirchen wie zum Beispiel in der Kirche Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay aus der Zeit zwischen 1125 und 1140. Der Meister Gislebertus (er hinterließ im Tympanon von Autun ein signiertes Werk) bediente sich eines ausgesprochen expressionistischen Stils mit großer Erzählfertigkeit. Berühmtestes Beispiel ist der schon erwähnte Tympanon mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts (1120-1134) über dem Westportal der Kirche Saint Lazare.

Während sich die Bauplastik im wesentlichen des Steins als Material bediente, kam bei der Anfertigung der größeren Kultbilder auch Holz zum Einsatz, welches in der Regel bemalt wurde. Aus Metall wurden nur Kleinkunstwerke gefertigt. Als Ausnahmen mögen die großen Radleuchter in Hildesheim und in dessen Nachahmung in Aachen genannt sein, die um 1061 (Hezilo-Leuchter im Dom zu Hildesheim) bzw. um 1165/70 (Barbarossaleuchter im Aachener Dom) entstanden. Eine berühmte metallene nichtsakrale Großplastik der Zeit ist der Braunschweiger Löwe (um 1166).

Dreikönigsschrein - Dom zu Köln - Nikolaus von Verdun (zugeschrieben) - (1196)

Zu Beginn der staufischen Epoche der Spätromanik entstanden im Rhein-Maas-Gebiet eine Reihe von Schreinen in meisterhafter Goldschmiedekunst. Zwei der Schreine, die im wesentlichen aus auf einem Holzkasten montierten, getriebenen Goldplatten bestehen, befinden sich im Aachener Dom: der Marienschrein (1220-39) und der bekannte Karlsschrein (um 1215), der die Gebeine Karls des Großen birgt. Der berühmteste, größte und auch älteste Schrein ist jedoch der Dreikönigsschrein in Köln, der – wie der Name schon sagt – die Gebeine der Heiligen Drei Könige beinhaltet. Der Dreikönigsschrein wird hauptsächlich dem bedeutenden Goldschmied Nikolaus von Verdun (1130 bis 1205) zugeschrieben, der . Im Jahr 1191 soll der Schrein fertiggestellt gewesen sein. Die Vorder- und Rückseite kamen bis 1206 bzw. bis 1225 hinzu.

In der staufischen Romanik entstanden auch zahlreiche kirchlichen Gerätschaften und einige Elfenbeinschnitzereien. Die Emaillekunst stand in hoher Blüte. In Halberstadt findet sich im Dom ein Beispiel für eine Triumphkreuzigungsgruppe, geschaffen zwischen 1210 und 1220, wie sie typisch für die Zeit war. Auch zahlreiche Bronzekruzifixe sind überliefert.

Bildnachweis: 1 - 2 - 3

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