Auch der Augsburger Dom ist eine für deutsche Verhältnisse recht alte Kirchengründung. Der erste Bau geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Unter dem heutigen Dom wurden sogar Fundamente eines Gebäudes gefunden, welches wahrscheinlich einmal im 4. Jahrhundert gestanden hat. Ob es sich bei diesem Vorläuferbau jedoch um eine Kirche gehandelt hat, vermag bislang niemand zu sagen. Schriftliche Zeugnisse gibt es jedenfalls nicht.
994 brach der Westbau des Kirche zusammen, die 805 geweiht wurde. Der Westbau war ein typisches Element des karolingischen Kirchenbaus. 1065 wurde schließlich die ottonische Kirche geweiht, die heute noch den Kern des vorhandenen Gebäudes bildet und sich im Mittelschiff wiederfinden lässt. Die beiden Türme waren 1075 fertiggestellt. Sie bestehen heute noch und zeigen für die Romanik typische Lisenen und Rundbogenfriese. Aus der Romanik stammt auch die Ostkrypta aus dem 12. Jahrhundert.
Ab 1331 erweiterte man die Kirche im gotischen Stil. Aus dem Nebeneinander von romanischem Mittelschiff und gotischen Seitenschiffen ergibt sich ein interessanter Raumeindruck. Die Kirche ist ein fünfschiffige Basilika. Interessant ist, dass die Gewölbescheitel der gotischen Gewölbe, die dem ottonischen Mittelschiff aufgesetzt wurden, niedriger sind als die ursprüngliche flache Holzdecke.1356 wurde schließlich der Grundstein für den (Umgangs-)Chor gelegt, welcher 1431 vollendet war. Der Kreuzgang entstand ab 1470 im Stil der Spätgotik.
Im Laufe der Reformation wurden viele mittelalterliche Ausstattungsstücke zerstört. Während des Barock wurde der Augsburger Dom wie so viele Kirchenbauten im Stile der Zeit umgebaut (1655-1658). Doch auch dieser Stil fiel später in Ungnade. Im 19. Jahrhunderts mussten die barocken Einbauten einer neugotischen Rekonstruktion weichen. Auch viele Kunstwerke wurden im neugotischen Stil hinzugefügt, ergänzt durch original mittelalterliche Ankäufe aus anderen Kirchen. 1934 entschied man sich wieder für einen noch gotischeren Zustand als den neugotischen und entfernte einen Teil der Zutaten des 19. Jahrhunderts. Der Zweite Weltkrieg verschonte den Dom weitestgehend. Nur die barocke Marienkapelle und der Kreuzgang wurden beschädigt.
Das gotische Südportal aus der Zeit um 1356 zeigt reichen Figurenschmuck, der allerdings größtenteils in späterer Zeit erneuert werden musste. Bemerkenswerteste Ausstattungsstücke sind die fünf romanischen Glasmalereien in den Obergadenfenstern der südlichen Mittelschiffswand, die alttestamentarische Propheten darstellen. Die Fenster sind 2,20m hoch. Der Moses ist wahrscheinlich eine Nachschöpfung aus dem 15. Jahrhundert. Über den Seitenschiffen finden sich noch gemalte Friese aus dem 11. Jahrhundert mit teilweise figürlichen Darstellungen (Personen in römischer Kleidung), sowie Ornamenten und Vögeln. Sehenswert ist auch die Ausstattung der barocken Marienkapelle, die 1720/21 geschaffen wurde.


