Im Großen und Ganzen können die Heiligen in zwei große Gruppen eingeteilt werden. Die eine Gruppe umfasst die frühchristlichen Märtyrer, der Leben im Dunkeln liegt, welches nur durch Legenden wenigstens teilweise erhellt wird. Die andere Gruppe wird durch die mittelalterlichen Heiligen gebildet, deren Wirken historisch gesicherter ist. Dabei sind in dieser Gruppe zum einen Ordensgründer oder Ordensheilige oft zu finden, aber häufig auch Prinzessinnen, Königinen oder sonstige Töchter aus gutem Hause.
Eine der bekanntesten und beliebtesten mittelalterlichen Heiligen Deutschlands ist die hl. Elisabeth von Thüringen. Sie war Tochter von König Andreas II. von Ungarn und dessen Gemahlin Gertrud von Andechs. Elisabeths Geburtsort war 1207 Pressburg, das heutige Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Erzogen wurde die spätere Heilige gemeinsam mit ihrem zukünftigen Gemahl Ludwig IV., Landgraf von Thüringen, auf der Wartburg in Thüringen. Drei Kinder entsprangen der Ehe. Elisabeth war sehr großzügig, gab Almosen und stiftete Armenhospitale. In dieser Zeit wird auch die bekannte Rosenlegende geordnet. Das bescheidene Leben der Elisabeth befremdete zunehmend ihre Umgebung und auch ihren Gatten. Als dieser sie eines Tages auf dem Weg zu den Armen antraf, fragte er sie, was sie in dem Korb mit sich trage. Im Korb war Brot, aber als Ludwig ihn öffnete lagen Rosen darin. Ludwig IV., der später selbst heilig gesprochen werden sollte, starb 1227 während des Kreuzzuges unter Kaiser Friedrich II. an der Pest.
Dessen Bruder Heinrich verwies daraufhin die trauernde Witwe von der Wartburg. Elisabeth schlug daraufhin alle Angebote zu einer erneuten Heirat aus, zog in die Nähe ihres in der historischen Forschung nicht unumstrittenen Beichtvater Konrad von Marburg („bigott und machtgierig“) und trat den Franzikanern bei. Von da an lebte sie in
völliger Entbehrung im Dienste der Armen. Mit 24 Jahren starb sie in Marburg an Auszehrung.
Bereits 1235 wurde Elisabeth heilig gesprochen. Drei Jahre später, 1238 legten die Ritter des Deutschen Ordens in Marburg den Grundstein für die Kirche, die ihre Reliquien aufnehmen sollte. Gleichzeitig wurde die Elisabethkirche einer der frühesten Kirchen in Deutschland die rein im aus Frankreich kommenden gotischen Stil errichtet wurden.
In der Kunst wird Elisabeth von Thüringen zumeist während der Fürsorge gezeigt. Ihre Attribute sind Brot und eine Kanne Wasser für die Armen. Manchmal wird sie mit einer Krone als Prinzessin abgebildet, manchmal im Habitat der Franziskanerinnen. Gelegentlich wird auch das Rosenwunder gezeigt.
Gedenktag (in Deutschland) ist der 19. November.
Patronin von Thüringen und Hessen, des Deutschen Ordens, der Caritasvereinigungen; der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken, unschuldig Verfolgten, Notleidenden; der Bäcker und Spitzenklöpplerinnen
