Gründonnerstag: der Altar

5. April 2007

Hochaltar der Marienkirche in Krakau, Veit Stoß, 1477-1489: Schnitzaltar und Flügelaltar, das Hauptbild zeigt Maria Himmelfahrt, die Flügel Szenen aus dem MarienlebenAm Gründonnerstag feiert die Christenheit die Einsetzung eines ihrer zentralen Sakramente. Es ist der Jahrestag des Ereignisses, welches dem Karfreitag vorausging: das letzte Abendmahl. In der katholischen Kirche wird das Abendmahl oder die ganze Messe auch als Eucharistie bezeichnet. Das Sakrament der Eucharistie ist das Altarsakrament.

Für die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ist das Abendmahl von zentraler Bedeutung, auch um die Unterschiede zwischen beiden Konfessionen herauszustellen.

Bereits vor dem Christentum gab es Altäre. Sie waren Orte, an dem Gottheiten verehrt und auf denen den Gottheiten Opfer dargebracht werden konnten.

Am christlichen Altar wird dem Opfer Jesu gedacht, welches er am Kreuz für die Menschheit erbrachte. Mit dem Abendmahl vergegenwärtigen sich die Christen dieses heilbringenden Opfers und gedenken seiner. Während des Abendmahls ist Christus tatsächlich gegenwärtig. Wie und welcher Form ist unter den Konfessionen umstritten.

Da der Altar an das letzte Abendmahl erinnert, wird er auch als Mensa, bzw. Tisch bezeichnet. Somit erinnert der Altar oder der Tisch an die gleichberechtigte Gemeinschaft um Jesu Christi und der Gläubigen.

Zentraler Altar eine katholischen Kirche ist der Hauptaltar, der auch unter der Bezeichnung Hochaltar geführt wird. Bis zum 2. Vatikanischen Konzil stand der Hauptaltar im Mittelschiff stirnseitig in der Apsis. In Kirchen, die über einem Märtyrergrab errichtet wurden, konnte der Hauptaltar auch über dem Grab stehen.

spätmittelalterlicher Elisabethaltar in der Elisabethkathedrale in Kosice, Slowakei - das Zentralbild besteht aus geschnitzten Figuren. Die Flügel beinhalten insgesamt über 40 Gemälde. Oben auf dem Retabel befindet sich ein prachtvolles Gesprenge.Seit frühester Zeit wurden in Kirchen neben dem Hauptaltar noch Nebenaltäre eingerichtet. Besonders in reichen Bürgerstätten stifteten die Bürger oder die Zünfte Altäre, an denen von eigens zu diesem Zweck angestellten Priestern täglich die Messe für das Heil der Bürgersfamilie oder der Stifter gelesen wurde. Die Johanniskirche in Lüneburg kannte im 15. Jahrhundert über 100 solcher Priesterstellen und ebenso viele Altäre.

Zunächst wurden die Nebenaltäre in Seitenapsiden und dann in die Kapellen des Kapellenkranzes gestellt. Später, als deren Zahl nicht mehr ausreichte, wurden auch an die Seitenschiffe Kapellen angebaut. Besonders auch in Klöstern mit vielen Mönchen bedurfte es vieler Altäre, da jeder ‚echte’ Mönch ein geweihter Priester war (Priestermönche) und jeden Tag eine Messe lesen musste.

In Klosterkirchen oder in Kirchen, die einen Lettner hatten, war der Hauptaltar durch die Laien natürlich nicht einsehbar. Deshalb wurde auf die Laienseite des Lettners ein Laienaltar gesetzt, der stets dem heiligen Kreuz geweiht war und deshalb auch Kreuzaltar genannt wurde. Da der Lettner oft den Chor abschloss und somit unmittelbar vor oder in der Vierung, stand der Kreuzaltar gleichfalls oft in der Vierung.

Schneeberg, St. Wolfgang, Flügelaltar, Lucas Cranach der Ältere, 1532-1539: nach der 1. Wandlung. In der Predella ist das Abendmahl abgebildet.Mit den Liturgiereformen des 2. Vatikanischen Konzils, welches Mitte der 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts statt fand, wurde auch die Empfehlung beschlossen, dass die Geistlichen die Gottesdienste nicht mehr in Latein und mit dem Rücken zu den Gläubigen, sondern in der jeweiligen Muttersprache und zu den Gläubigen hingewendet halten sollten. Zudem wurde die Einrichtung von sogenannten Volksaltären angeregt, die zwischen dem Pfarrer oder Priester und den Gläubigen stehen sollte. In katholischen Kirchen finden sich seit dieser Zeit neben dem alten in der Apis stehenden Hochaltar (dem ehemaligen Hauptaltar) noch ein neuer Volksaltar (der neue Hauptaltar), der zumeist nur aus einem mehr oder minder aufwendig gestalteten Tisch besteht. Da auch viele mittelalterliche Kirchen nachträgliche mit einem Volksaltar ausgestattet wurden, mussten in der Regel neue künstlerische Ausdrucksformen gefunden werden, damit sich der Volksaltar in das gewachsene Ensemble aus Architektur und Kunstwerken oft vieler Jahrhunderte harmonisch einfügt, aber trotzdem einen Akzent setzt. Dabei sind sehr oft sehenswerte und interessante Lösungen erreicht worden.

In den evangelischen Kirchen hat der Altar bzw. die Mensa nicht die gleiche Bedeutung. Im evangelischen Gottesdienst gilt die besondere Beachtung weniger dem Altargeschehen, sondern mehr dem verkündeten Evangelium, also der Kanzel und dem Lied der Gemeinde, also der Orgel. In evangelischen Kirchen steht der Altar zumeist hinter dem Pfarrer oder der Pfarrerin.

mittelalterliches Altarretabel in St. Knut, Odense (DK): zu sehen sind das Leben und die Passion Christi in einem Schnitzaltar. Im Zentrum befindet sich eine Kreuzigungsszene.Da das Wort im evangelischen Glauben eine hohe Bedeutung hat, kann die Kanzel in einigen Kirchen, vor allem in Dorfkirchen, direkt mittig über der Mensa an der Wand sitzen. In solchen Fällen spricht man von einem Kanzelaltar.

 

Der Altartisch selber kann neben dem eigentlichen Tisch noch durch zusätzliche Elemente bereichert sein. Im Mittelalter, genauer in der Romanik, kam der Trend auf, entweder auf den Tisch oder auf einem Aufbau direkt hinter dem Tisch eine Schauwand zu setzen, die Retabel genannt wird. Die Retabel kann zusätzlich noch auf einem Fuß stehen, der ein Bild oder Schnitzkunst beinhaltet und als Predella bezeichnet wird. Oft wird seitdem auch die Gesamtheit von Altartisch und Retabel im Begriff Altar zusammengefasst.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Altaraufbauten immer aufwändiger und größer. In der Gotik reichte dann nicht mehr nur ein Bild im Retabel, sondern es wurden Flügel rechts und links angebracht, die auch Bilder trugen. Diesen Typ Altar nennt man Flügelaltar. Spätgotische Flügelaltäre können auch aus mehreren Flügeln bestehen, die zu besonderen Anlässen aufgeklappt werden konnten. So gab es eine Alltagsseite, die oft nur bemalt war. Über mehrere ‚Wandlungen’ gelangte man schließlich zum zentralen Mittelbild, welches sehr oft aus vielfigurigen Szenen besteht, die entweder gemalt oder öfter noch aus Holz geschnitzt wurden. Solche Flügelaltäre werden Wandelaltäre genannt.

Baldachin über dem Papstaltar in St. Peter in Rom, Gian Lorenzo Bernini, 1633In der Gotik wurden oben auf die Retabeln oftmals noch kunstvolle Architekturaufbauten als Maßwerkschnitzerei aus Holz aufgesetzt. Diese nennt man Gesprenge.

Gleichfalls in der Romanik wurde auch das Antependium erfunden. Im Gegensatz zum Altarretabel steht das Antependium nicht hinten auf oder hinter dem Altartisch, sondern wird unten an der vorderen Altartischkante befestigt und befindet sich somit auf Beinhöhe der vor dem Altar Stehenden. Ein berühmtes Antependium ist das Pala D’Oro („Goldenes Altarbild“) aus dem 11. Jahrhundert im Aachener Dom.

Über dem Altar kann noch ein Dach, ein Baldachin errichtet worden sein, wie zum Beispiel der berühmte riesengroße Baldachin von Gian Lorenzo Bernini über dem Hauptaltar des Petersdoms. Das Wort Baldachin kommt aus dem Italienischen (baldacco) und gibt die Bezeichnung für ‚Bagdad’ wieder, wo im Mittelalter die feinsten, golddurchwirketen Seidenstoffe herkamen, aus denen wiederum Baldachine angefertigt werden konnten. Die Baldachine über den Altären kamen schon in frühchristlicher Zeit in Mode. Sie werden auch Ziborium oder Tabernakel genannt.

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