Kirche und Gläubige: die Kreuzigungsgruppe

7. April 2007

Kreuzigung(sgruppe), Meister des Mailänder Stundenbuches, um 1430-1434 – die Kreuzigung ist vorüber, Jesus ist Tod, die Hohepriester und die Menge begibt sich wieder nach Jerusalem; zurück bleibt eine ‚Kreuzigungsgruppe’ mit Maria und Johannes in der klassischen AnordnungFür die Kirchen entscheidend war eine Episode aus dem Evangelium des Johannes. Nach Kapitel 19 (Verse 26 und 27) sah der am Kreuz hängende Jesus seine Mutter und seinen Lieblingsjünger Johannes unter dem Kreuz stehen. Zu Maria sagt er, Johannes sei von nun an ihr Sohn. Zu Johannes sagt er, Maria sei von nun an seine Mutter. In der kirchlichen Tradition steht Maria dabei als Symbol für die (Mutter) Kirche; Johannes wiederum steht als Symbol für den Gläubigen oder die Gemeinde der Gläubigen. Jesus hat am Kreuz also kurz vor seinem Tode Gläubige und Kirche in eine untrennbare Mutter-Sohn-Beziehung gestellt.

Das ist einer der Gründe, warum Kreuzigungsgruppen sehr häufig dargestellt wurden. Die Darstellung kann auch um die Kreuze mit den beiden Verbrechern Gestas und Dismas ergänzt sein, sowie dem römischen Soldaten Longinus, der mit seiner Lanze Jesus in die Seite sticht, um zu überprüfen, ob er schon tot ist. Am Fuß des Kreuzes findet sich sehr oft ein Schädel und manchmal noch ein paar Knochen. Zum einen soll damit das biblische Wort ‚Golgatha’, was Schädelstätte heißt, begründet werden, zum anderen handelt es sich bei dem Schädel um den des Adams. Der Kreuzestod Christi sühnt die Schuld des Adam beim Sündenfall.

Kreuzigungsgruppen werden nicht nur in Kirchen dargestellt, zum Beispiel auf Altarretabeln. Sie können auch riesengroß aus Stein an bedeutenden Punkten in der Landschaft stehen.

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