Das sieht ja aus wie eine Barockkirche, könnte der Betrachter ausrufen. Gebaut wurde Il Gesù aber schon zwischen 1568 und 1575 und steht noch am Übergang zwischen Renaissance und Barock. Architekt war Giacoma Barozzi da Vignola, der ein Werk schuf, welches Vorbild für unzählige Kirche vor allem der Jesuiten wurde.
Vom Typ her ist Il Gesù eine Wandpfeilerkirche. Im Grundriss sieht es aus wie eine dreischiffige Kirche, aber es ist nicht möglich (höchstens durch kleine Türchen) die “Seitenschiffe” längs zu laufen. Statt dessen befinden sich dort einzelne Kapellen, die jeweils durch das Mittelschiff zu erreichen sind.
Überwölbt ist die Kirche von einem Tonnengewölb e. Über der Vierung thront eine lichtdurchflutete Kuppel. Im Osten gibt es einen Chorraum und eine Apsis. Sogar ein Querschiff ist angedeutet.
Obwohl Il Gesù der Typus für die Jesuitenkirchen wurde, ist das Gestaltungsprinzip rund 100 Jahre älter und wurde erstmals mit der Kirche Sant’Andrea in Mantua verwirklicht. In der Kirche Il Gesù offenbart sich der Gedanke des Zentralbaus der Renaissance mit den Erfordernissen des Tridentinums, also des Konzils von Trient, welches zwischen 1553 und 1565 als Antwort auf die Reformation statt fand. Zu den für den Kirchenbau wichtigsten Beschlüssen gehörte zum einem, dass ein Hochaltar für das Altarsakrament eingeführt wurde, womit die Trennung durch den Lettner abgeschafft war. Zum anderen beschloss das Konzil die Bestuhlung der Kirche, was dazu führte, dass die Gläubigen mehr Platz brauchten. Auch deshalb erlebte nach der Renaissance das Langschiff oder der Langbau seine Renaissance (Wiedergeburt).

