Grablege Otto des Großen: Magdeburger Dom

Westfassade des Magdeburger DomsOtto I. der Große war Sachse. Damit ist jetzt nicht das heutige Sachsen gemeint, das um Dresden und Leipzig, sondern eher das östliche Niedersachsen und vor allem das westliche Sachsen-Anhalt. Darum war es für Otto nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955, als er die Ungarn entgültig besiegt hatte, selbstverständlich, dass er sein Kloster zu Ehren des hl. Mauritius in seinem Heimatland stiftete. Als geeigneten Platz wählte er den Domberg im heutigen Magdeburg. Damals begann gleich hinter der Elbe, nach Osten, das Land der noch nicht unterworfenen Slawen. Die Wahl Magdeburgs, wo Otto auch eine Pfalz errichten ließ, deren Fundamente heute unter dem Domplatz verborgen liegen, war also auch eine, die unmissverständlich eine Botschaft nach Osten ausstrahlen sollte.

Die Dombauarbeiten noch vor Ottos Kaiserkrönung 962 in Rom. Da Otto sich auch als rechtmäßiger Nachfolger der römischen Kaiser verstand, wollte er seinen Dom nicht nur prächtig ausstatten, sondern ließ symbolträchtig antike Säulen aus Italien herbeischaffen, die im ottonischen Dom eingebaut wurden und heute noch im Chor zu sehen sind. Die Krypta des ersten Doms besteht ebenfalls heute noch. In ihr wurde die erste Frau Ottos, die Editha beigesetzt.

1207 zerstörte ein Feuer Dom, Kloster, Pfalz und Stadt. Nur zwei Jahre nach dem Brand begannen schon die Bauarbeiten für den neuen Dom – wie üblich – am Chor. Bauherr war Albrecht I. von Käfernburg, der weitgereist war und in Magdeburg vorsichtig die Gotik einführen sollte. Der gotische Einfluss nahm im Laufe der Jahre und des Baufortschrittes noch zu. Doch sollten Schwierigkeiten verschiedenster Art dazu führen, dass der Bau der Kirche insgesamt 300 Jahre dauerte. So kam es aus Geldmangel 1275 zunächst zu einem Baustopp, später wurde ein Erzbischof gelyncht Magdeburger Dom, Innenansicht Mittelschiff nach Ostenund die Stadt musste fünf Bußaltäre stiften, bis der Bann aufgehoben wurde. 1363 konnten endlich die Arbeiten am Langschiff abgeschlossen werden. Erzbischof Otto von Hessen weihte damals die Kirche nicht nur dem hl Mauritius sondern auch der hl. Katharina von Alexandria. Erst 1477 konnte der Bau der Türme fortgeführt werden. Bauherr war damals Erzbischof Ernst II. von Sachsen, der es schließlich auch erreichte, dass 1520 die Kirche fertiggestellt werden konnte, obwohl er selber schon 1513 starb. Der Magdeburger Dom ist damit eine der wenigen Großkirchen in Deutschland, deren Bau während der Epoche der Gotik noch abgeschlossen wurden.

Im Chorumgang ist die Gotik zwar schon zu erkennen, vor allem an den Kreuzrippengewölben, aber die Romanik ist noch präsent, vor allem in den dicken Mauern, den kleinen Fenstern und im räumlichen Eindruck. Gerade am Chor ist das Voranschreiten des gotischen Einflusses jedoch gut zu erkennen. Der Romanik am nächsten ist der unterste Bereich mit dem Umgang und den Chorkapellen. Umso höher der Chor aufstieg, desto gotischer wurde er. Schön ist das an den Fenstern zu erkennen, die zunächst noch klein und rundbögig, später größer und spitzbögig werden. Im Chorumgang befinden sich im Übrigen auch für Magdeburger Dom, hl. Moritz, um 1250Deutschland sehr untypische und nach Frankreich verweisende Skulpturen-Kapitelle, die Figurenszenen zeigen, aber auch florale Dekorelemente.

Der Magdeburger Dom ist reich an Kunstschätzen. So befinden sich im Chor zwei Skulpturen der beiden Dompatrone aus der Zeit um 1250. Die Figur des hl. Moritz oder Mauritius ist die älteste bekannte Darstellung eines Schwarzafrikaners in Europa. Im Chor ist auch der schlichte Sarkophag Otto des Großen, aufgestellt, der 973 im Dom bestattet wurde.

Im Schiff steht eine sechzehnseitige Bauform, die vermutlich früher einmal zu einem sogenannten Heiligen Grab gehört hat. In ihr sind die Figuren Otto I. und einer Frau aufgestellt, die um 1250 geschaffen wurden. Bei der Frauenfigur handelt es sich entweder um Ottos Frau Editha, oder – was wahrscheinlich ist, da die Frau auf der rechten Seite sitzt, die eigentlich dem Kaiser gebührt und somit als ranghöher dargestellt ist – um die Gottesmutter Maria. Beide können auch als Sinnbilder Jesu und der Kirche verstanden werden. Ursprünglich waren die Skulpturen vermutlich für den Bereich der Paradiespforte gedacht, vielleicht für eine für diesen Ort nicht untypische Gerichtsszene.

An der Paradiespforte befinden sich auch die berühmten klugen und törichten Jungfrauen. Berühmt sind sie vor allem für ihr Lächeln, das „Magdeburger Lächeln“, was natürlich nur die klugen Jungfrauen betrifft. Entstanden sind die Skulpturen gleichfalls um 1250.

Südlich des Domes befindet sich der Kreuzgang, der in seinen ältesten Teilen noch zur ottonischen Anlage gehört. Darum ist der Kreuzgang auch nicht rechteckig sondern trapezförmig. Die alte Anlage war Magdeburger Dom, Ansicht von Südennicht in der Ausrichtung des heutigen Domes gebaut, sondern etwas schräg dazu.

Heute ist der Dom eine evangelische Kirche. Die Reformation wurde nicht zuletzt durch den schwunghaften Ablasshandel ausgelöst, die der damalige Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, aufgezogen hatte. 1545 bis 1567 war der Dom geschlossen. 1567 fand der erste protestantische Gottesdienst statt.

Im 30jährigen Krieg, als die Truppen des katholischen Generals Tilly die Stadt plünderten, nieder brannten und die Bevölkerung massakrierten, überlebten im Dom 4.000 Menschen, die der Domprediger Reinhard Bake mit seinem Kniefall vor Tilly rettete.

Auch der Magdeburger Dom diente während der Napoleonischen Besetzung zwischen 1806 und 1814 als Pferdestall. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Westfassade schwer in Mitleidenschaft gezogen und die Orgel zerstört. Der alte Dachstuhl blieb aber erhalten. 1955 konnte der Dom jedoch wiedereröffnet werden.

Dom zu Magdeburg St. Mauritius und Katharinen

Bildnachweis: 1234

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