10 + 8 = christliche Zahlensymbolik
23. April 2007
Das Zisterzienser-Kloster in Fontenay im Burgund. Fenster in der Ostfassade, Fenster in der Westfront. Einfach nur ein paar Fenster? Wahrscheinlich nicht. Denn die Zisterzienser bevorzugten – zumindest zu Beginn ihrer Ordensgeschichte zwar Klöster ohne Bilder. Nur eine Madonnenstatue durfte den Kirchraum schmücken. Doch ganz auf Symbolik wollten die Mönche doch nicht verzichten. So bedienten sie sich einer ausgefeilten Zahlensymbolik. Die Fenster in Fontenay können also auch ‚gelesen’ werden.
Im Westen befinden sich insgesamt sieben Fenster in zwei Streifen mit einmal drei und einmal vier Öffnungen. Im Osten wird die Chorwand von sechs Fenstern in je zwei Streifen durchbrochen. Darüber befinden sich noch einmal fünf Fenster in einer Reihe.
Die entscheidenden Zahlen sind also: 3, 4, 5, 6 und 7.
Die 3 symbolisiert die Trinität, die Auferstehung Christi am dritten Tag, den dreiteiligen Kosmos (Himmel, Erde, Hölle) und die drei Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Die 3 ist die göttliche Zahl.
Die 4 hingegen steht als Zahl für die Welt. Sie symbolisiert die vier Evangelisten, die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft, für die Himmelsrichtungen, die Temperamente (Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker) und die Jahreszeiten. Gemeint sein können auch die vier Kirchenlehrer Augustinus, Ambrosius, Gregor und Hieronymus.
Die 5 steht für das Gesetz, welches Moses gegeben wurde und sich in seinen fünf alttestamentarischen Büchern, den fünf Büchern Mose, findet. Auch die fünf Wundmale Christi können gemeint sein, genauso wie die sieben klugen Jungfrauen aus dem Gleichnis.
Die 6 symbolisiert die Anzahl der Schöpfungstage ohne den Sonntag, kann aber auch für die sechs Altersstufen des Menschen stehen. Auch die sechs Zeitalter können gemeint sein, wobei mit der Geburt Christi das sechste Zeitalter begonnen haben soll. Sechs Ecken wiederum hat das Hexagramm, das Siegel Salomons. Die 6 ist aber auch die Symbolzahl des Unvollkommenen.
Die 7 hingegen steht für die Vollkommenheit, die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Freuden Mariens, die sieben Säulen der Weisheit, die sieben Augen des heiligen Lammes und natürlich die sieben Wochentage. Es gibt sieben Erzengel und das Vaterunser enthält sieben Bitten. Die 7 ist auch die Summe aus der göttlichen Zahl 3 und der irdischen Zahl 4 und alleine deshalb heilig.
Wenn jetzt noch alle Fenster der Ost- und der Westseite zusammengezählt werden, kommt die Zahl 18 dabei raus. Die 18 in griechischen Buchstaben geschrieben sieht so aus: IX. Das ist im allgemeinen die Abkürzung für Jesus Christus, wobei das X dem lateinischen Ch entspricht.
Und es gibt noch eine Deutungsmöglichkeit für die Zahlen: der Tagesablauf der Zisterzienser war durch einen strengen Tagesablauf geprägt. Die Messen zu ihren festen Stunden waren zahlreich. Dabei wurde bei den Zisterziensern sehr viel zum Gotteslob gesungen. Es wurde der gregorianische Gesang als zentrales Element jeder Messe gepflegt. Die Zahlen können also auch für die einzelnen Schritte in der Musik stehen: Terz, Quart, Quint, Sext und Septime.
Auch viele andere Zahlen haben eine Bedeutung.
So steht die 1 für Gott als absolute und unteilbare Einheit.
Die2 symbolisiert die Dualität und die Erfüllung: Dafür werden zwei Ereignisse gegenüber erstellt. Das Alte und das Neue Testament, die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel, Adam und Jesus. Das zweite ist die Erfüllung des ersten.
Die 8 steht für den Neuanfang, da es der erste neue Tag in der Woche, aber auch der erste Tag nach dem Siebentagewerk ist. So wird die Auferstehung Christi mit der 8 symbolisiert. Auch haben acht Menschen die Sintflut überlebt. Viele Taufbecken, vor allem die älteren, sind achteckig.
Die 10 repräsentiert die zehn Gebote, aber auch die – siehe oben – als griechisches X (Ch) Christus, so im Christus-Monogramm.
Die 12 steht für die zwölf Stämme Israels (gleich die zwölf Söhne Jakobs), die zwölf ‚kleinen’ Propheten des Alten Testaments und natürlich die zwölf Apostel des neuen Testaments.
Die 40 ist im Christentum, aber auch im Judentum, eine sehr wichtige Zahl. 40 Jahre wanderte das Volk Israels durch den Sinai. 40 Tage blieb Moses auf dem Berg. Jesus fastete 40 Tage in der Wüste. 40 Tage nach der Geburt war die Gebärende unrein. Am 40. Tag ging sie in den Tempel zur rituellen Reinigung. 40 Tage nach Weihnachten ging auch Maria in den Tempel. Daraus entstand das Fest Mariä Lichtmess. 40 Tage beträgt die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag. 40 Tage wandelte Jesus zwischen Auferstehung und Himmelfahrt auf Erden. Die 40 steht so zumeist für eine Zeit der Läuterung oder der Anbahnung göttlichen Handelns. Im Alten Testament kann die 40 aber einfach auch für ‚viele’ stehen.
Die große Bedeutung der 40 könnte daher kommen, dass zur Zeit der Entstehung der Bibeltexte 40 Jahre ungefähr die Zeitspanne einer menschlichen Generation betrug.
Von den höheren Zahlen, die oft einfach die schon genannten kleineren Zahlen symbolisieren, aus denen sie sich zusammensetzen, ist die 153 noch sehr interessant. 153 Fische befanden sich im Netz des Petrus, die er fing, als Jesus nach der Auferstehung zum See Genezareth kam. Man nimmt an, dass damals 153 Fischarten bekannt waren. Augustinus glaubte, das am Tag des Jüngsten Gerichts 153 Heilige von den Toten auferstehen würden. Die 153 ergibt sich wenn die Zahlen 1 bis 17 addiert werden und ist somit eine Dreieckszahl, und zwar die 17. 7 symbolisiert die Gaben des Heiligen Geistes und die Vollkommenheit; 10 die Gebote Gottes.
Und so weiter, und so fort …
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