In ferner, ferner Zukunft, im Jahre 2014, wird es die St. Michaliskirche in Hildesheim zu noch höheren Weihen führen: das Gotteshaus kommt stellvertretend für das Bundesland Niedersachsen auf eine 2-Euro-Münze. Herzlichen Glückwunsch! Verdient hat es die Kirche auf jeden Fall. Ist sie doch kunstgeschichtlich eine der bedeutendsten Kirchen Deutschlands.
Gründer von St. Michaelis war der berühmte Bischof Bernward von Hildesheim, der 1010 den Grundstein der neuen Kirchen legte. Bis 1020 wurde St. Michaelis als Klosterkirche für ein vom Abt gegründetes Benediktinerkloster erbaut. Für sich selbst beabsichtigte der Bischof die Westkrypta als letzte Ruhestätte und weihte die Kirche dem Erzengel Michael, der als Begleiter der Toten gilt. Erst 1033 wurde die Kirche vollständig geweiht. Nach einem Brand mussten bis 1186 fast alle Langhaussäulen ausgetauscht werden und wieder wurde St. Michaelis geweiht. Zwischen 1171 und 1190 entstanden die Kapitelle der Langhaussäulen. 1230 wurde schließlich das gleichfalls berühmte Deckengemälde angefertigt, 1250 der Kreuzgang erneuert.
Mit Einführung der Reformation wurde die Kirche evangelisch-lutherisch. Allerdings durften die Benediktiner bis 1803 das Kloster weiter nutzen und ihre Messen in der westlichen Bernwardskrypta feiern. Die Krypta ist auch heute noch eine katholische Kapelle. Der Zweite Weltkrieg brachte St. Michaelis die Zerstörung, doch der Wiederaufbau erfolgte bis 1957.
St. Michaelis wurde im ottonischen oder vorromanischen Stil erbaut. Typisch sind die Westapsis, die zwei Querschiffe, die beiden Vierungen und die zwei Vierungstürme plus vier weiteren Türme. Typisch ist auch, dass die einzelnen Bauformen – Quader, Würfel, Zylinder – wie nebeneinander gelegt wirken. In St. Michalis ist das gebundene System verwirklicht, wobei sich alle Bauteile nach dem Maß des Vierungsquadrates richten.
Im Innern der Basilika zeugt die Flachdecke von der ottonischen Bauzeit. Die Arkaden des Langhauses wurden im niedersächsischen Stützenwechsel – zwei Säulen, ein Pfeiler – angelegt, wobei zwischen zwei Pfeilern ein Joch zu sehen ist. Somit besteht das Langschiff aus vier Jochen. Die Fenster der Seitenschiffe haben Spitzbögen und sind Zeugen eines Umbaus während der Epoche der Gotik.
Das große Deckengemälde im Stil der Spätromanik zeigt die Wurzel Jesse, also die Abstammungsgeschichte Jesu. In einer von der byzantinschen Kunst beeinflussten, strengen hierarchischen und sehr farbigen Malerei finden sich auch Darstellungen von Propheten, Königen Israels und der Mutter Gottes, Maria.
Kunsthistorisch bedeutend ist die nördliche Chorschranke, die von 1194 bis 1197 geschaffen wurde. Farbige Stuckaturen, wie sie für die Zeit in Niedersachsen häufig vorkamen, zeigen auf der Außenseite unter anderem Heiligen-Figuren, aber auch viele Ornamente.
Seit 1985 findet sich St. Michaelis zusammen mit den nahen Dom auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
