Großmutter mit Tochter und Enkel: Anna selbdritt

Anna selbdritt, Nikolaikirche Stralsund, Ende 13. Jahrhundert (Foto: Klugschnaker)Im 13. Jahrhundert entwickelt sich vor allem in Deutschland eine besondere Form des Andachtsbildes: die Mutter Marias erscheint mit Maria und dem Jesuskind in einer Darstellung, der sogenannten Anna selbdritt. Das Wort selbdritt ist hierbei ein veralteter Ausdruck für zu dritt.

Entstanden ist das Andachtsbild aus der Annenverehrung, die aber im 13. Jahrhundert zunehmend durch die Marienverehrung ergänzt wird. Ausgangspunkt ist die allgemeine Anerkennung der jungfräulichen Empfängnis Mariens. Neben Deutschland findet sich die Anna selbdritt auch in den Niederlanden, aber auch in Spanien und Italien. Im 14. Jahrhundert gewinnt die Annenverehrung deutlich an Schwung, wobei oft eine Anna selbdritt im Mittelpunkt der Altäre steht.

Anna selbdritt, (Masaccio und) Masolino, 1525Anfangs wird Anna sitzend dargestellt, die Maria wie ein Attribut auf dem Schoß hält. Das Jesuskind kann dabei entweder auf Marias Arm oder auf dem anderen Arm seiner Großmutter sitzen. Dieser pryramidale Aufbau führt beinahe zwangsläufig dazu, dass Maria viel kleiner ist als ihre Mutter. Ein frühes Beispiel ist die überlebensgroße Skulptur in der Nikolaikirche in Stralsund vom Ende des 13. Jahrhunderts.

Später werden alle drei Figuren im natürlichen Größenverhältnis auch nebeneinander gestellt.

In Italien bevorzugen die Künstler der Renaissance das Aufeinandersitzen der Beteiligten, wobei die natürlichen Größenverhältnisse gewahrt bleiben. So soll die Generationenfolge betont werden.

Die Anna selbdritt kann um die beiden Ehemänner der Anna und der Maria – Joachim und Josef – erweitert sein und bildet dann den Kern einer sogenannten Heiligen Familie.

Nach dem 16. Jahrhundert wird die Anna selbdritt nur noch sehr selten dargestellt.

Bildnachweis: 12

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.