Im Mittelalter schon fertig: Freiburger Münster

30. April 2007

Freiburger Münster, Wasserspeier (Foto: Michael Schmalenstroer)

Im beginnenden 13. Jahrhundert gewannen die Städte zunehmend Reichtum und Einfluss in deutschen Landen, nicht zuletzt im Südwesten des Reiches. Den Bürgern verlangte es in Folge nach Darstellung der eigenen Bedeutung. Sie wollten den Kaisern, Königen und hohen Geistlichen nicht mehr dabei zusehen, wie die eine größere und schönere Kirche nach der anderen zu errichten begannen. So entschied man sich auch in Freiburg zwischen 1210 und 1220 die ab 1120 recht kurz nach der Gründung der Stadt Freiburg begonnene Kirche durch einen Neubau im Stil der Spätromanik zu ersetzen. Allerdings war die Romanik zu der Zeit schon weitestgehend überholt, sodass ab 1230 die Kirche im gotischen Stil fortgeführt wurde. Spätromanische Reste sind heute das Querhaus und die Stümpfe der Chortürme.

Da Freiburg erst 1827 Bischofssitz wurde, waren natürlich weder die alte noch die neue Kirche ein Bischofskirche, weswegen vermutlich keine Doppelturmfassade, sondern nur ein einfacher Turm errichtet wurde. Die Bezeichnung „Münster“ ist erstmals für 1356 nachgewiesen und war wohl allgemein üblich, um eine große Kirche zu bezeichnen.

Nach dem Baustilwechsel von der Romanik zur Gotik wurde zunächst das Langhaus von Osten nach Westen in Angriff genommen. Im heutigen Bau ist ein kleiner Stilbruch zu beobachten. Die ersten Joche westlich des romanischen Querhauses (Vorbild: Baseler Münster) sind etwas anders proportioniert und die Fenster zeigen kein Maßwerk, ein Kennzeichen der Hochgotik. Das Freiburger Münster folgt dem Typus einer Basilika.

Der Turm in Freiburg ist für die deutsche Gotik eine Besonderheit. Als einziger derartiger Turm wurde er mitsamt der prachtvollen Haube bereits im Mittelalter vollendet und zwar bis 1330. Ein viereckiger Grundbau geht nach oben über in einen zwölfeckigen Aufsatz, der von einer achteckigen, luftigen Haube aus reinem Maßwerk gekrönt wird. Bis zur Spitze ist der Turm 116m hoch.

Als letztes wurde im Osten der Chor angefügt. Grundsteinlegung war 1354. Inklusive einer Baupause von rund 100 Jahren wurde der imStil der Spätgotik errichtet Chor 1513 vollendet.

Das Freiburger Münster ist berühmt für seine unzähligen, teils äußerst skurilen Wasserspeier.

Das aus der Zeit um 1300 stammenden Skulpturenprogramm am Portal im Westturm gilt als das umfangreichste der deutschen Gotik. Gezeigt werden das Jüngste Gericht (im Tympanon über dem Portal mit Christus als Richter im Zentrum), Szenen aus dem Leben Jesu und die Passion Christi. Zu finden sind auch die Propheten, viele Heilige, die klugen und die törichten Jungfrauen und sogar eine Darstellung des Fürsten der Welt.

Bedeutendste Ausstattungsstücke sind die gotischen Glasmalereien, der Hochaltar Hans Baldungs genannt Grien und ein Altar, gemalt von Hans Holbein dem Jüngeren.

Der Hochaltar Griens, gemalt von 1512 bis 1516, ist ein Flügelaltar und zeigt zur Weihnachtszeit Szenen rund um Christi Geburt und im Rest des Jahres eine Marienkrönung, die von den Aposteln umgeben ist. Auf der Rückseite findet sich eine Kreuzigungsszene.

Die Glasmalereien wurden von den Zünften gestiftet und tragen Zunftzeichen.

Den Zweiten Weltkrieg hat das Freiburger Münster weitestgehend unbeschadet überstanden, während die umstehenden Häuser während eine Bombenangriffes in Schutt und Asche fielen.

Freiburger Münster

Bildnachweis: 1 - 2 - 3

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