Wahrzeichen der Wachau: Stift Melk

Stift Melk, Stiftskirche und Altane

Erinnern Sie sich an den ‚Namen der Rose’, den philosophischen Mittelalterkrimi von Umberto Eco? Im Roman wird die Geschichte von einem jungen Novizen erzählt, der kurz vor seinem Tode in seinem Heimatkloster die Geschehnisse von seiner Reise mit dem weisen William von Baskerville ins Norditalienische aufschreibt. Adson von Melk war der Name des Erzählers und auch wenn das Kloster, aus dem Adson stammen sollte, heute so nicht mehr existiert, hat auch die literarische Figur zum Ruhme des Kloster beigetragen.

Als Kloster oder als Stift wurde Melk 1089 etabliert, als die ersten Benediktiner (deren Orden auch Adson entstammte) nach Melk in der österreichischen Wachau zogen. Zuvor war hier die Grablege des Geschlechts der Babenberger und der Aufbewahrungsort der Gebeine des heiligen Koloman, die seit 1014 am Ort aufbewahrt werden. 1122 wird das Stift direkt dem Papst unterstellt.

Stift Melk, Prälatenhof mit Blick auf Kuppel der Stiftskirche

Von einem Feuer im Jahre1297 kann sich das Stift das ganze 14. Jahrhundert über nicht erholen, auch wenn ein Notbetrieb aufrecht erhalten werden kann. 1362 stiftet Herzof Rudolf IV. dem Kloster einen Splitter vom Kreuz Christ, welches sich noch heute in einer sehr wertvollen Fassung befindet: dem sogenannten Melker Kreuz.

Auf dem Konzil von Konstanz (1414-19) wird beschlossen, das Melk Ausgangspunkt für eine Reform des Benediktinerordens werden soll, welche auch tatsächlich unter Abt Nikolaus Seyringer und der Melker Klosterreform vom Stift ausgeht. Melk wird ein kulturelles Zentrum.

Stift Melk, Stiftskirche, Inneres mit Hochaltar und Tambour (Foto: David Monniaux)

Nach der Reformation hat Melk im Jahre 1566 zeitweilig nur noch drei Priestermönche und steht kurz vor dem Ende. Nur kurze Zeit später wird das Stift zu einem Zentrum der Gegenreformation, wozu auch die Schule dient, die seit dem 12. Jahrhundert existiert und nach jesuitischem Vorbild umgebaut wird.

Unter dem Berthold Dietmayr, der dreißigjährig zum Abt gewählt worden ist, wird ein Neubau der Stiftskirche beschlossen. Nach ersten Probebauten ab 1702 wird der Beschluss auf das gesamte Kloster ausgedehnt und bis 1711 in einem erhaltenen Klosterplan niedergelegt. Baumeister für den Außenbau wird Jakob Prandtauer. Als

Innenarchitekt wird der Wiener Theatergestalter Antonio Beduzzi gewonnen; die Deckenfresken malt Johann Michael Rottmayr.

1736 sind Kirche und Kloster weitestgehend fertig, als ein Brand alle Dächer, die Türme und einige Repräsentationsräume zerstört. Doch schon 1746 kann die Kirche neu geweiht werden.

Unter dem Kaiser Joseph II. wird die theologische Lehranstalt im Stift geschlossen. Joseph II. möchte, dass alle Geistlichen, die in Österreich ausgebildet werden, in Wien und im Geiste der Aufklärung unterrichtet werden sollen.

Während der Revolution 18Stift Melk, Altar und Sarkophag des hl. Koloman (Foto: Georges Jansoone)48 verliert das Stift seine Grundherrschaft und damit seine wichtigste Einnahmequelle. Das 20. Jahrhundert bringt eine Kanalisation. Allerdings muss 1926 unter anderem eine Gutenberg-Bibel verkauft werden, um die Geld in die Kassen zu bringen. Den Zweiten Weltkrieg übersteht Melk unversehrt.

Das Stift Melk ist heute die größte Klosteranlage des österreichischen Barock. Die ganze Klosteranlage wirkt schlossartig. Die Hauptachse misst 320m. Der große Prälatenhof hinter dem Hauptportal ist trapezförmig auf die Kuppel der Stiftskirche ausgerichtet. Die Klostergebäude beherbergen das Klösterliche Museum, einen Trakt, der der ehemaligen Kaiserfamilie vorbehalten war und die berühmte Bibliothek. 100.000 Bände beinhaltet die Bibliothek, davon alleine 1.800 Handschriften aus dem 9. Jahrhundert. Zudem verfügt das Stift Melk über zwei Exemplare der Schedelschen Weltchronik vom Ende des 15. Jahrhunderts. 1997 wurden sogar Fragmente einer Abschrift des Nibelungenliedes aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Stiftskirche selbst ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht. Der Hochaltar der Kirche hat so auch als Thema den Abschied der beiden am Tage ihrer Hinrichtung. Die Kirche selbst besteht aus einem Saalbau mit Tonnengewölbe. Zudem findet sich eine Tambourkuppel, die 64m in die Höhe ragt. Die beiden 1738 vollendeten Türme zeigen

schon Anzeichen des Rokoko.

Stift Melk, Modell (Foto: G. Jansoone)

Das Innere der Stiftskirche wird prunkvoll und prächtig durch Stuck, Marmor und Blattgold beherrscht. Das Fresko des Langhauses zeigt den Triumphweg des hl. Benedikt, des Gründers der Benediktiner, in der Himmel. In den Seitenschiffen stehen zwei Altäre zu Ehren der des hl. Koloman und des hl. Benedikt. Am Altar des heiligen Koloman befindet sich ein Sarkophag mit den Gebeinen des Heiligen. Auch der Altar des hl. Benedikt ist aus Gründen der Symmetrie mit einem Sarkophag ausgestattet. Da der Sarkophag jedoch aus voller Absicht leer, wird in diesem Fall von einem Kenotaph gesprochen.

Stift Melk

Bildnachweis: 12345

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