Nach der Apokalypse ein neues Paradies: das himmlische Jerusalem
6. Mai 2007Gemäß der Offenbarung des Johannes, der Apokalypse also, wird nach dem Jüngsten Gericht auf Erden eine neue Stadt entstehen: das neue Jerusalem oder auch das himmlische Jerusalem. Die Stadt wird nach dem siegreichen Endkampf Gut gegen Böse, oder Gott gegen den Teufel, aus dem Himmel hernieder fahren. Auch Paulus spricht in seinen Briefen an drei Stellen von der neuen Stadt.
Im Kapitel 21 der Offenbarung wird das himmlische Jerusalem sehr detailliert beschrieben: sie soll von quadratischem Grundriss sein und von gleißendem Licht erstrahlen. An jeder Kantenlänge gibt es drei Tore. Auf jedem Tor steht ein Engel (also insgesamt 12) und ist jeweils der Name eines Stammes Israels angebracht. Genau 12.000 Stadien soll der Umfang der neuen Stadt sein. Das wären dann (bei 185 Metern für ein Stadium) 2.220 Kilometer. Es ist umstritten, wie ernst die Zahlen genommen werden sollen. Auch die 144 Ellen, die die Stadtmauer hoch sein soll (cirka 65 Meter), könnte wie alle Zahlenangaben etwas mit christlicher Zahlenmystik zu tun haben. So ist etwa die Höhe der Mauer 3 x 4 x 12. Wobei die drei für eine sehr große Gewissheit steht, die vier für alle vier Himmelsrichtungen und damit die gesamte Erde und die zwölf für die zwölf Stämme und damit das ganze Volk Israel stehen.
Die recht genauen biblischen Angaben sind wohl der Grund dafür, dass auch die Darstellungen des himmlischen Jerusalems in der Kunst oft sehr detailfreudig ausgefallen sind. Die neue Stadt findet sich so oft in Zyklen zum Jüngsten Gericht wieder. Zumeist ist die Stadt an den hohen Mauern mit den (nicht immer zwölf) Türmen zu erkennen.
Nicht nur in Wandgemälden oder Fresken wurde vom Früh- bis zum ausgehenden Mittelalter das himmlische Jerusalem dargestellt. Es findet sich auch auf Sarkophagen, an Portalen, Kapitellen, in Miniaturen, aber auch in Gegenständen des Kunsthandwerks. Besonders die Goldschmiedekunst hat viele Darstellungen in Form von Kandelabern, Lüstern, Weihrauchgefäßen und anderen Kleinoden hinterlassen.
Auch der Grundriss vieler Gotteshäuser, so auch der alles bestimmende Maßstab der quadratischen Vierung im gebundenen System romanischer Kirchen, ist ein Einfluss, den die neutestamentarischen Beschreibungen des himmlischen Jerusalems auf die Architektur hatten. Sogar die ‚Ostung’ vieler mittelalterlicher Kirchen, also die peinlich genaue Ausrichtung der Kirchenbauten in West-Ost-Richtung, wobei der Chor im Osten steht, soll auf die Lage des alten, aber vor allem des neuen Jerusalems im Osten (des Westen) zurückzuführen sein.
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