Ein Bau der Superlative. Sie gilt als viertgrößtes christliches Gotteshaus überhaupt. Auf die Plätze verweist die Kathedrale von Sevilla als größte Kirche im gotischen Stilalle anderen Kirchen der selben Stilepoche. Gebaut wurde die Kathedrale zwischen 1401 und 1519.
Sevilla, das römische Hispalis, wurde 712 von den Arabern erobert, nachdem schon zwei Konzile in der Stadt abgehalten wurden. Die Araber nannten die Provinz Išb?liya ( ??????? ), woraus sich auch der Name Sevilla ableitet.
1248 eroberte Ferdinand III. von Kastilien die Stadt im Rahmen der Reconquista von den Arabern zurück. Da daraufhin rund 300.000 Araber die Stadt verließen, ging die Wirtschaftskraft Sevillas zu Boden. Die Reconquista sollte erst 1492 mit dem Fall Cordobas enden.
Mit der gotischen Kathedrale wollten die spanischen Könige trotz allem ein machtvolles Zeichen ihre neugewonnen Herrschaft und des christlichen Glauben setzten. Deshalb wurde die Kathedrale Maria de la Sede auch nicht irgendwohin gebaut, sondern auf den Grundmauern der im 12. Jahrhundert errichteten Großen Moschee (Mezquita Mayor).
Im Innern begeistert die Raumwirkung und vor allem das Altar-Retabel, welches mit 220 Quadratmeter als größtes bestehendes Retabel gilt. Der Aufbau des Hochaltars wurde 1482 begonnen und erst 1564 vollendet. Erster Künstler war der Flame Pierre Dancart, der hier sein Lebenswerk schuf. Nach seinem Tod setzten andere Künstler das Werk fort. Das Retabel besteht aus 45 geschnitzten Holzbildern, die das Leben Jesu Christi wiedergeben.
Ein sehenswertes Ausstattungsstück ist auch ein Taufbecken aus dem 5. Jahrhundert, welches im Eingangsbereich der Kirche steht.
Die Capilla (Kapelle) Real, geschaffen im Stil der Renaissance zwischen 1551 und 1575, ist die Grabkapelle des schon erwähnten Ferdinand III., dessen Frau Beatrix und den Söhnen, unter ihnen Alfons X., dem die Stadt Sevilla ihr Stadtwappen verdankt.
In der Capilla de San Antonio ist unter anderem das von Murillo um 1547/48 geschaffene Gemälde Die Vision des hl. Antonio zu bewundern.
Seit 1902 steht in der Kirche auch ein Grabmal für Christoph Columbus, welches von vier Sargträgern getragen wird, die die vier spanischen Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra symbolisieren. Ob sich die Gebeine des Columbus wirklich in dem Sarkophag befinden, ist heftigst umstritten.
Neben der Kathedrale liegt der Kreuzgang, der den Patio de los Naranjos, den Orangenhof umgibt. Hof und Kreuzgang waren schon Bestandteile der Moschee.
Zur Moschee gehörte auch die Giralda, das Wahrzeichen der Stadt Sevilla. Heute ist die Giralda der Kirchturm der Kathedrale. Erbaut wurde der Turm um 1196 als Minarett für die wenige Jahre zuvor errichtete Moschee. Damals erreichte der Turm eine Höhe von rund 70 Metern und galt als dritthöchstes Gebäude der Welt nach den beiden höchsten Pyramiden in Ägypten. Zur Spitze der Giralda führt keine Treppe, sondern eine Rampe, deren lichte Höhe hoch genug ist, dass ein Reiter zu Pferde bis noch oben gelangen kann. Angeblich war es wichtig, schnell auf das Minarett zu gelangen, da von dort oben Nachrichten verkündet wurden. 1568 bekam die Giralda einen 38 Meter hohen Aufsatz im Stil der Renaissance, in dem 22 Glocken aufgehängt sind.
Kathedrale und Giralda kamen 1987 auf die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.


