Ein großes Geheimnis: die Hofkirche in Dresden

Hofkirche, Dresden (Foto: Brundwijk)Noch während Arbeiter bereits die Baugrube aushoben, hielt der Auftrag- geber der Kirche, Kurfürsten Friedrich- August II. von Sachsen, den wahren Zweck der Arbeiten geheim. Er wollte auf keinen Fall, dass sein Volk zu früh von seinen Absichten erfuhr. Grund für die Heimlichkeiten war der Wunsch des Vaters des Kurfürsten, Friedrich-August I., König von Polen zu werden. Polnischer König konnte aber nur ein Katholik sein, weswegen Friedrich-August I. 1697 römischer Katholik wurde. Zuerst auch das heimlich, später öffentlich. Doch das nahm sein Volk dem Kurfürsten, der später unter dem Namen August II. tatsächlich König von Polen und der Starke genannt werden sollte, übel und es kam zu Protesten. Der König war jedoch klug genug, seinem Volk Religionsfreiheit zu gewähren, sodass er zu einem katholischen Herrscher in einem evangelischen Land wurde. Und obwohl es wohl Planungen dazu gab, ging August der Starke nicht soweit, die alte Hofkirche in Dresden durch einen Neubau zu ersetzen.

Das traute sich erst sein Sohn Friedrich-August II. (König August III. von Polen), obwohl auch er, wie gesagt, zunächst den Zorn seiner protestantischen Untertanen fürchtete und sein Vorhaben so lange als möglich geheim hielt.

Hofkirche, Dresden

Begonnen wurde mit dem Neubau der Hofkirche 1739. Die Kirche ist nicht geostet und gesellt sich harmonisch zum Schloss nebenan. Architekt war ein Italiener namens Gaetano Chiaveri, der einen Bau entwarf, der sich eindeutig an das römische Spätbarock des Francesco Borromini anlehnte, der berühmt für seine vor und zurückschwingenden Fassaden war. 1751 wurde die auch heute noch größte Kirche Sachsens der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht, allerdings erst 1755 fertiggestellt. Da war der Architekt aber schon nicht mehr in Dresden. Aus unbekannten Gründen verließ Gaetano Chiaveri bereits 1749 die Stadt.

Zuvor noch hatte ihm der Bildhauer Lorenzo Mattielli geholfen, aus der Hofkirche ein beeindruckendes Denkmal der Gegenreformation zu schaffen. Für die obere Ballustrade schuf Mattielli 74 Heiligenfiguren. Nach dem Fortgang Chiaveris wurde die Turmspitze schon in Formen des Rokoko ergänzt.

Hofkirche, Dresden, Inneres mit Blick auf Hauptaltar und Umgang auf der Empore

Auch im Inneren finden sich Rokoko-Ergänzungen, doch im Großen und Ganzen zeigt der Innenraum den Zustand, in dem Chiaveri ihn geplant hatte. Während der Bau außen deutlich prunkvoll ist, wurden im Innern nur wenige Zierelement verwandt. So finden sich keine Deckenfresken und kein farbiger Marmor. Prunkstücke sind die Kanzel des berühmten Dresdener Bildhauers Balthasar Permoser, die dieser noch für die alte Hofkirche gefertigt hatte, wobei der Schalldeckel erst später hinzugefügt wurde. Künstler des Schalldeckels war der Holzschnitzer Joseph Hackel, der auch den Orgelprospekt geschaffen hatte.

Die Orgel selbst ist ein Werk des Georg Silbermann aus der berühmten Orgelbauerfamilie und wurde zwischen 1750 und 1753 gebaut.

Den Hochaltar aus Marmor und Bronzeornamenten schufen die italienischen Brüder Aglio. Das über zehn Meter hohe Altargemälde, welches die Auferstehung Christi zeigt und von 1751 bis 1761 gemalt wurde, ist ein Werk des Dresdener Hofmalers Anton Raphael Meng.

Hofkirche, Dresden, Silbermann-Orgel mit Prospekt von Joseph Hackl (Rekonstruktion) Foto: Timo Sack

Unter der Kirche befindet sich eine Gruft der Wettiner. 49 Sarkophage und das Herzen August des Starken sind in ihr bestattet.

Während der Bombenangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 wurde die Kirche mehrfach durch Sprengbomben getroffen. Dabei stürzten das Dach und die Gewölbe ein. Bis 1965 waren die Wiederaufbaumaßnahmen abgeschlossen. Seit 1980 ist die Hofkirche Bischofskirche des Bistums Dresden-Meißen und heißt offiziell Kathedrale Sanctissimae Trinitatis.

So katholisch die sächsischen Kurfürsten und polnischen Könige auch sein wollten, haben sie sich nicht getraut ihre Sachsen mit katholischen Prozessionen zu verärgern. Dabei ist die Fronleichnams-Prozession durchaus eine Pflicht. Aus diesem Grund schuf Gaetano Chiaveri für die Hofkirche eine wirklich elegante Lösung. Er ließ in die Kirche rund um den Mittelraum auf einer Empore einen Prozessionsweg einbauen, auf dem die nötigen Prozessionen im Innern der Kirche absolviert werden konnten.

Hofkirche Dresden

Bildnachweis: 123 - 4

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