Männer mit Amphoren: Die vier Paradiesströme

Das Paradies, die vier Paradiesflüsse und die Paradiespforte, Meister der Predigten des Mönchs Johannes Kokkinobaphos, 12. Jahrhundert

Das Paradies ist ein Garten, der wie alle Gärten ordentlich Wasser braucht. Zu diesem Zwecke entspringt im Paradies aus einem Felsen ein Fluss, der den Garten bewässern soll. Doch dieser Fluss teilt sich schon im Paradies noch vier Mal in die berühmten vier Paradiesströme, die aus der heiligen Schrift alle namentlich bekannt sind. So umfließt der Fluss Pischon das Land Hawila und der Strom Gihon fließt um Äthiopien. Leider gibt es heute keine Flüsse mehr, die Pischon oder Gihon genannt werden, so dass gerätselt werden musste und muss, welche Flüsse gemeint sein könnten. Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Josephus (um 38 – 100 n.Chr.) identifizierte den Pischon als Ganges und den Gihon als Nil, doch die Zuschreibung ist selbstverständlich umstritten.

Die beiden übrigen Flüsse sind schon bekannter und können auch heute noch leicht zugeordnet werden. Es sind der Euphrat und der Tigris, die beide durch Babylonien fließen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass der Nil nicht deutlich namentlich im Alten Testament genannt wird, lässt und ließ einige Bibeldeuter darauf schließen, dass das Paradies irgendwo in Babylonien gelegen haben muss.

In den künstlerischen Darstellungen wurden die Flüsse oft den vier Himmelsrichtungen zugeordnet. Oft wurde den Strömen auch symbolische Bedeutungen zugemessen. So konnten die vier Ströme für die vier Kardinalstugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung) stehen, aber auch in der frühchristlichen Kunst für die vier Evangelisten. Dabei wurden die Flüsse keiner Himmelsrichtung und keinem Evangelisten zugeordnet, blieben als einzelner Fluss also ‚charakterlos’.

Ab dem Frühmittelalter wurden die Flüsse auch als Personen dargestellt, wobei darstellerischen Anleihen bei antiken (Fluss-)Göttern genommen wurde. So werden die Flüsse als Männer gezeigt, die Wasser aus einer großen Amphore gießen, was den Ursprung des jeweiligen Flusses symbolisieren sollte.

Die Darstellungen der vier Flüssen findet sich recht oft auf den (vier) Füßen von mittelalterlichen Taufbecken oder großen Leuchtern.

Quelle: Genesis 2,10; Offenbarung 22,1

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