Lichtstrahlen oder Hörner: Die Tafeln des Gesetzes und das Goldene Kalb

Mose zerschmettert die Tafeln des Gesetzes, Rembrandt van Rijn, 1659Mose und das Volk Israels hatten Ägypten erst vor drei Monaten verlassen und schon allerhand durchlitten. Die Menschen hatten gehungert und gedürstet und jedes Mal war Gott gekommen und hatte seinem Volk geholfen. Schließlich erreichten die Hebräer die Wüste Sinai. Am gleichnamigen Berg schlugen die Israeliten ihr Lager auf und Mose bestieg den Berg.

Dort blieb er 40 Tage und 40 Nächte bis der Herr ihm zwei steinerne Tafeln gab, auf denen er mit dem eigenen Finger seine Gesetze geschrieben hatte. Die Tafeln waren die Urkunde für den Bund zwischen Gott und seinem Volk.

Doch das Volk war der Warterei leid geworden und hatte Aaron aufgefordert, für sie Götterfiguren zu fertigen, die dem Volk bei ihrer Wanderung vorangetragen werden sollten. Aaron sammelte Gold und goss daraus das berühmte „Kalb“. Die Menschen begannen zu feiern und das „Kalb“ anzubeten.

Mose mit den Tafeln des Gesetzes, Josepe di Ribera, 1638Als Mose nun vom Berg Sinai herunterstieg und die seinen von Sinnen sah, zerschmetterte er zornig die Tafeln, verbrannte das „Kalb“ auf der stelle und zertrat die Reste wütend zu Staub. Daraufhin beauftragte Gott Mose mit der Anfertigung eines neuen Satzes steinerner Tafeln, die er ihm anschließend auf dem Berg noch einmal für 40 Tage vorlegen musste. So geschah es und als Mose vom Berg stieg strahlte sein Haupt Licht aus, da er mit Gott geredet hatte.

In der Kunst ist Mose deshalb zumeist ganz gut zu erkennen. Er wird nämlich mit den Lichtstrahlen dargestellt, die von seinem Kopf abstrahlen. Meist sind es zwei Strahlenbündel, die aber manchmal auch wie „Hörner“ aussehen können. Das hat seinen Ursprung in einem Übersetzungsirrtum: Im Hebräischen steht das Wort qeren für den Lichtschein, die lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata, benutzt an gleicher Stelle die Begriffe cornuta facies, was als „gehörnte Stirn“ verstanden werden kann.

Zentrales Thema der Geschichte ist natürlich der Dekalog, also die Zehn Gebote, die Gott seinem Volk zum Bündnis mitgibt. Die Zehn Gebote sind zudem ein Sinnbild für das Alte Testament und den Alten Bund. Die Gebote sind aber auch eine wichtige Grundlage für die christlich-jüdische Ethik.

Mose mit Gesetzestafeln und

Das „Kalb“, eigentlich und korrekt ein Stier, wird zum Symbol und zur Warnung vor der Zügellosigkeit des Menschen.

Die Kunst stellte die Ereignisse in großen Zusammenstellungen oder in ihren einzelnen dramatischen Momenten dar.

Quelle: Exodus 19-20; 23; 34

Bildnachweis: 1 – 2 – 3

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