Ein Heilmittel: Die eherne Schlange

22. Mai 2007

Die eherne Schlange, Michelangelo Buonarotti, Deckenfresko zur Schöpfungsgeschichte in der Sixtinischen Kapelle, 15ß8-12

40 Jahre Marsch durch die Wüste sind eine Lange Zeit. Da ist es kein Wunder, dass das Volk Israels immer wieder murrt und aufbegehrt. Dieses Mal jedoch hat der Herr beschlossen, seinem Volk das Gemurre nicht ungestraft durchgehen zu lassen. Er lässt Schlangen, die laut dem Alten Testament „brennen“, unter die Israeliten fallen. Die Schlangen beißen die Menschen und viele müssen sterben.

Jetzt bereuen die Hebräer ihre Verzagtheit bitterlich und Mose fleht Gott um ein Heilmittel gegen die Schlangen an. Der Herr gibt Mose den Auftrag, er solle sich eine Schlange machen und sie an einer Fahnenstange aufhängen und ergänzt: „Jeder, der gebissen wird, soll am Leben bleiben, wenn er die Schlange ansieht.“

Mose macht eine ‚Schlange’ aus Kupfer und hängt sie an einem gut sichtbaren Ort wie befohlen an einer Fahnenstange auf. Alle Menschen, die gebissen werden und die kupferne Schlange anblicken, bleiben von da an am Leben.

Die Hebräer bewahrten die eherne Schlange bis 750 vor Christus. Sie wird noch einmal im 2. Buch der Könige, Kapitel 18, Vers 4 erwähnt. Auf Hebräisch wird die Schlange Nechustan genannt.

Das Christentum betrachtet die eherne Schlange als Vorbild für den Kreuzestod Christi. Jesus Christus stirbt zwar am Kreuz, doch er wird durch das Kreuz auch erhöht, im tatsächlichen wie im sinnbildlichen Sinne.

Die eherne Schlange wird in den Darstellungen fast immer auf einem T-Kreuz befestigt gezeigt. Im Laufe der Jahrhunderte ist in der Kunst zu beobachten, wie sich der Schwerpunkt des Dargestellten verschiebt. Steht zu Beginn die Erhöhung der Schlange im Zentrum des Geschehens, wenden sich die Künstler seit der Renaissance mehr dem heilsgeschichtlichen Aspekt zu und setzen die leidenden, aber auch geheilten Hebräer in den Vordergrund ihrer Darstellungen.

Quelle: Numeri 21,4-9

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