Normannisch: Kathedrale von Durham

Kathedrale von Durham, Laufgang unter den Fenstern im Obergaden (Foto: Soloist)

Vor drei Jahren haben die Hörer eines BBC-Senders die Kathedrale von Durham mit gehörigem Abstand zum beliebtesten Gebäude Englands gewählt. Das war der Ritterschlag für die vor über 900 Jahren begründete Kirche, die auf den schönen Namen The Cathedral of Christ, Blessed Mary the Virgin and St. Cuthbert of Durham hört. Auf jeden Fall ist die Kathedrale eines der bedeutendsten normannischen Bauwerke überhaupt. Kaum eine Kirche hat diesen Stil der Romanik so rein erhalten.

Errichtet wurde die zusammen mit dem Durham Castle auf einer Insel im Fluss Wear strategisch günstig liegende Kirche, um die Gebeine des hl. Cuthbert von Lindisfarne aufzunehmen, die 995 nach Durham gekommen sind. Das Grab des in England berühmten Heiligen befindet sich auch heute noch im Ostteil der Kirche.

Der Grundstein der Kathedrale wurde 1093 gelegt. Die Bauarbeiten begannen wie üblich im Chor, welcher dreischiffig angelegt wurde. Nur wenig später begannen die Arbeiten am Langschiff, welches ebenfalls dreischiffig werden sollte. Die Seitenschiffe des Langhauses waren dabei schon immer für eine Wölbung vorgesehen. Es wurde hier ein unechtes Kreuzrippengewölbe errichtet, dass heißt, dass die Rippen auf ein echtes Kreuzgratgewölbe nach der Wölbung zusätzlich aufgesetzt wurden. Die Einwölbung des südlichen Seitenschiffes erfolgte ab 1096. Gemeinsam mit St. Ambrogio in Mailand haben wir in Durham somit die ältesten Kreuzrippengewölbe überhaupt, auch wenn sie nicht ganz echt sind.

Kathedrale von Durham, gotisch: Vierungsturm, östliches Querhaus (links) (Foto: Steve F-E-Cameron)

Das Mittelschiff des Langhauses verfügt hingegen über ein echtes Kreuzgrippengewölbe. Angeblich wurde es 1130 abgeschlossen. Schon 1104 sollen allerdings die Kreuzrippengewölbe im Chor fertig gewesen sein. Somit wären die Kreuzrippengewölbe dort die ersten überhaupt, die über einem Mittelschiff bzw. über etwas so breitem, wie einem Mittelschiff, errichtet worden sind (Großgewölbe). Das Datum 1104 ist jedoch umstritten. Andere Überlegungen gehen davon aus, dass auch für Durham, wie allgemein üblich, zunächst nur eine hölzerne Flachdecke vorgesehen war. Erst nach der eigentlichen Erfindung des Kreuzrippengewölbes in Caen (Frankreich) im Jahre 1130 hätten sich die Bauherren zum Kreuzrippengewölbe auch in Durham entschlossen. Dafür spräche unter anderem, dass die anderen Gewölbeteile, wie Strebewerk, Dienste, Stützenwechsel und Konsolen sich nicht auf die Gliederung des Gewölbes bezögen. Auf jeden Fall wurde in England der nächste Bau mit Kreuzrippengewölbe erst zu Beginn der englischen Frühgotik (Early English, 1175-1260) gebaut.

Zwischen 1128 und 1133 erhielt das Langhaus einen dreiteiligen Obergaden mit Laufgang. Kathedrale von Durham, Blick ins Mittelschiff, Foto von 1890Die Stützen der Mittelschiffswände zeigen einen ausgeprägten Wechsel von Pfeilern und Säulen. Die Pfeiler sind reich profiliert. Über Pfeilern und Säulen befinden sich schlichte romanische Würfelkapitelle. Die Schäfte der Säulen sind reich mit Ornamenten versehen. Vorherrschend, wie an allen Bögen, Gurten und Rippen, ist das normannische Zickzackmuster, welches der Kirche ihren unverwechselbaren Charakter gibt, und auf arabische Vorbilder zurückgehen könnte.

1140 wird an die Kirche ein Kapitellhaus angefügt, welches gleichfalls mit Kreuzrippengewölben versehen ist. Um 1174 erfolgt im Westen der Anbau einer Vorhalle, einer sogenannten Galilea. Während der Gotik wurde auf die Galilea zwischen 1432 und 1435 noch die Lady Chapel aufgesetzt. In der Vorhalle befindet sich auch das Grab der heiligen Beda Venerabilis, deren Gebeine zusammen mit den des hl. Cuthbert nach Durham kamen.

1235 werden die romanisch-normannischen Gewölbe teilweise erneuert, so auch das Chorgewölbe, welches sich in der Ausprägung am Vorgänger orientiert. Zur gleichen Zeit wird die Vierung mit einem Sterngewölbe versehen.

Im 13. Jahrhundert fügte man einen östlichen Querhausarm der ‚Neun Altäre’ in die Gesamtanlage an. Gleichzeitig entstehen in der Westfassade ein großes Fenster und werden die Westtürme auf die heutige Höhe gebaut.

Kathedrale von Durham, Portal mit Zickzack-Muster (Foto: Immanuel Giel)Die Bauarbeiten am Vierungsturm begannen schließlich 1416 und waren 1474 noch nicht abgeschlossen. Eine damals aufgesetzte Spitze ist inzwischen wieder verschwunden.

Im Jahre 1650 erlebte die Kathedrale von Durham eines ihres dunkelsten Episoden. Während des englischen Bürgerkrieges war sie Gefangenlager für Krieggefangene aus dem recht nahen Schottland. 5.000 von ihnen sollen bereits auf dem Weg in die Haft oder in ihr selbst gestorben sein. Der Rest wurde nach Übersee deportiert, so auch nach Virginia.

Die Bischöfe von Durham waren einst sehr einflussreich und trugen bis ins 19. Jahrhundert den Titel eines Fürstbischofs. Noch heute ist der Bischof von Durham der vierthöchste Würdenträger der anglikanischen Kirche.

Gemeinsam mit dem Durham Castle gelangte die Kathedrale 1986 auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO.

Kathedrale von Durham

Bildnachweis: 123 - 4

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