Sichere Verdammnis: Die sieben Todsünden

29. Mai 2007

Die sieben Todsünden (Mitte) und die vier letzten Dinge (außen), Hieronymus Bosch, um1450

Als der Mensch noch im Paradies lebte, war nicht nur die Welt noch in Ordnung, sondern der Mensch mit sich im Reinen. Nichts herrschte im Übermaß, alles war im Gleichgewicht, auch die Liebe des Menschen zu sich selbst, zu den Dingen und zu den anderen Kreaturen. Doch mit der Erbsünde kam die Begierde in den Menschen. Die Begierde des Fleisches führte zu Völlerei und Wolllust, die Begierde der Augen wurde zu Geiz und die Begierde des Geistes entwickelte sich zu Geltungssucht, geistiger Trägheit, Neid und Zorn. Sieben Begierden, die zu den Sieben Todsünden wurden, die eigentlich gar keine Sünden sind, sondern nur schlechte Charaktereigenschaften, oder Hauptlaster, die wiederum zu den Sünden führen.

Die sieben Hauptlaster in diesem Sinne sind:

  • Hochmut (zu Übermut, Eitelkeit, Stolz) – lat. Superbia
  • Geiz (zu Habgier, Habsucht) – lat. Avaritia
  • Neid (zu Missgunst, Eifersucht) – lat. Invidia
  • Zorn (zu Wut, Vergeltung, Rachsucht) – lat. Ira
  • Wolllust (zu Unkeuschheit) – lat. Luxuria
  • Völlerei (zu Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht) – lat. Gula
  • Trägheit des Herzens und des Geistes (zu Faulheit, Überdruss, Feigheit) – lat. Acedia.

Hochmut (Stolz), Holzschnitt nach Pieter Brueghel dem Älteren (1557)

Nach dem traditionellen katholischen Katechismus, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Mensch auch tatsächlich eine Todsünde begeht:

  1. Die Sünde muss schwerwiegende sein (Diebstahl, Ehebruch, Mord).
  2. Für den Sünder muss die Schwere der Sünde erkennbar sein.
  3. Der Sünder muss die Wahl haben, die Sünde zu begehen oder auch nicht.

Kleinere Sünden sind lässliche Sünden. Die Todsünden, insofern sie nicht gebeichtet, oder vollkommen bereut werden, führen zwangsläufig für die Seele zum ‚zweiten Tod’ und zur ewigen Verdammnis. Die schlimmsten Sünden werden aus Stolz begangen.

Neid, Fresco von Giotto di Bondone (1306)Lange Zeit wechselte die genaue Zusammensetzung der Todsünden-Liste. Erst im späteren Mittelalter wurden die Sünden endgültig festgelegt. Den sieben Todsünden werden oft sieben Kardinalstugenden gegenübergestellt.

Über die Todsünden wurde bereits im frühen Mittelalter diskutiert, unter anderem in den Schriften des bedeutenden Papstes Gregor des Großen (6. Jahrhundert). Quelle war wohl schon damals der erste Brief des Johannes (1 Johannes 2,16), der Bezug nimmt auf das erste Buch Mose (Genesis 3,6).

In der Kunst wurden vor allem im Mittelalter die Sieben Todsünden regelmäßig dargestellt. Dabei wurden die Sünden zumeist als Personen dargestellt, oft in nur einem Gemälde. Eine Sünde wurde in solchen Darstellungen also von einer Person symbolisiert. Ab dem 16. Jahrhundert thematisierten die Künstler die Todsünden auch in Einzeldarstellungen. Dabei konnten nun komplexere Szenen symbolisch für eine Todsünde stehen.

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