Eine hübsche Ruine: das Kloster Chorin
31. Mai 2007
Im Jahr 1258 be- schlossen zwei Brüder, Johann und Otto, ihr Erbe zu teilen. Das Erbe ihres Vaters – die Mark Branden- burg – beherr- schten beide schon seit 1220, aber nun wollte Otto III. von Branden- burg sein eigenes kleines Reich, nicht zuletzt, weil er ich Hoffnung auf die deutsche Königskrone machte. Obwohl Otto zwei Jahre jünger war als sein Bruder Johann I. von Bran- denburg, bekam er nicht nur die Hälfte der Mark, sondern auch das Kloster Lehnin, die Grablege der Familie der Askanier, zu denen beide Brüder gehörten. Also musste für den johannschen Zweig der Askanier ein neues Kloster errichtet werden und da sich die Zisterzienser in Lehnin bereits bewährt hatten, wurden sie auch mit der Gründung eines neuen Klosters für Johann I. und dessen Nachfahren beauftragt.
Die Gründung des neuen Klosters erfolgte gleichfalls 1258, und zwar in Mariensee in der heutigen Schorfheide. Schon 1272 beschlossen die Mönche jedoch den Umzug des Klosters. Offensichtlich hatte sich der erste Standort als wenig geeignet erwiesen. Am neuen Ort, nur wenige Kilometer vom alten entfernt, begannen die Zisterzienser mit einem zweiten Bau. Im Jahre 1334 erfolgte die Weihe des Hochaltars und die Klosterkirche war zu der Zeit wohl vollendet.
Der Stifter Johann I. war allerdings schon 1266 verstorben. Seine Gebeine wurden jedoch nach Chorin umgebettet. Er und seine beiden Nachfolger sowie mehrere Angehörige fanden ihre letzte Ruhestätte in der Klosterkirche in Chorin. Damit war 1319 die johannsche Linie der Askanier aber bereits wieder erloschen. Auch der Orden der Zisterzienser befand sich zu dieser Zeit schon im Niedergang. Nichts desto trotz konnte das Kloster Chorin seinen Reichtum waren und sogar mehren, indem es geschickt mit seinen Ländereien und Pfründen haushaltete.
Das Ende des Klosters als Kloster begann dann 1539, als Kurfürst Joachim II. zum Protestantismus übertrat. 1542 wurde das Kloster geschlossen und zu einer kurfürstlichen Domäne, also einer Art staatlichen, landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt.
Den Dreißigjährigen Krieg beinahe unbeschadet überstanden, wurde dem Kloster eine Schule zum Verhängnis, die für einige Jahrezehnte im Kloster untergekommen war. Um das Dach der Schule auszubessern, holten sich die Betreiber die fehlenden Dachsteine einfach vom Kirchendach der Klosterkirche. Anfang des 18. Jahrhunderts schließlich stürzte das ohne Dach ungeschützte Gewölbe der Klosterkirche ein. 70 Jahre später bekam die Kircheruine ein Notdach, 1817 begannen auf Anregung Karl Friedrich Schinkels einige dürftige Sicherungsmaßnahmen, aber erste 1180 bis 1890 erfolgte eine grundlegender Renovierung.
Heute sind vom Kloster nur noch einige Hauptgebäude und Teile der Klosterkirche erhalten. Am westlichen erhaltenen Kreuzgangflügel schließt noch ein weitgehend erhaltenes Gebäude an, indem einst der Schlafsaal und der Speisesaal der sogenannten Konversen untergebracht war. Konversen waren keine echten Mönche, sondern dem Status nach Laien. Bei den Zisterziensern konnten ursprünglich nur Adlige echte Priestermönche werden. Niederen Ständen war es allerdings möglich, Gott als Arbeiter oder Laienmönche zu dienen. Der tägliche liturgische Zeitplan der Konversen war dementsprechend gegenüber dem der Priestermönche sehr ausgedünnt. Allerdings durften die Konversen nicht in die Klausur, also den Aufenthaltsbereich der Mönche. In der Klosterkirche war ihnen der Laienchor im Westen der Kirche vorbehalten. In den Ostchor durften wiederum nur die Mönche. Die viel gerühmte Aufbautätigkeit der Zisterzienserklöster – die Klöster waren in der Regel wirtschaftliche und handwerkliche Musterbetriebe für die ganze Region, in der sie standen – war also vor allem das Werk der Konversen.
Doch nicht nur die Konversen waren Laien, sondern auch die fürstlichen Stifter. Im Laienflügel befindet sich auch ein Saal, der Fürstensaal genannt wird. Vom Fürstensaal konnten die Fürsten auch die Empore erreichen, die ursprünglich einmal im Westteil der Klosterkirche eingebaut gewesen war.
Auch der östliche Kreuzgangflügel hat sich erhalten. An den Gang schließen heute noch der erhaltene Schlafsaal der echten Mönche, der Kapitellsaal und der Sprechsaal an. Der letztere Raum war der einzige, indem die Mönche sprechen durften. Hier holten sie sich auch ihre Anweisungen ab. Außerhalb dieses Ensembles haben sich noch das ehemalige Abthaus und die vermutliche Brauererei erhalten.
Hauptgebäude und Bezugspunkt der ganzen Anlage ist jedoch die Klosterkirche. Die gotische Kirche wurde über dem Grundriss eines Kreuzes errichtet. Ursprünglich war die Kirche eine dreischiffige Basilika. Heute fehlt jedoch das komplette südliche Seitenschiff. Vor dem Chor im Osten ist ein einschiffiges Querhaus eingezogen, welches zum ältesten Teil der ganzen Anlage gehört. Der Chor ist einschiffig, endet in einem 7/12-Schluss und hat die Breite des Mittelschiffes. Nördlich und südlich des Chores bestanden früher je eine Kapelle, die sich jedoch nicht erhalten haben.
Unter anderem anhand der Farbe der Ziegelsteine lässt sich erkennen, dass während der Fertigstellung der Kirche die Pläne geändert wurden. Im Osten, dem wie üblich älteren Teil, sind die Steine anders gefärbt und auch von anderer Größe als im Westteil.
Ursprünglich waren alle Fenster und auch die Arkaden im Kreuzgang mit hochgotischem Maßwerk versehen. Erhalten haben sich davon Reste im Obergaden des Langhauses. Im Langhaus sind auch die Kapitelle der Säulen interessant. Einige sind schlicht, andere mit detailliertem Laubwerk versehen. Überall in der Kirche sieht man noch die Ansätze für das ehemalige, eingestürzte Gewölbe.
Die Klosterkirche ist perfekt nach Osten orientiert. Der Westabschluss ist flach. Von Außen kann man den hübschen Westgiebel betrachten, der geschickt in seiner Gestaltung die Organisation der Basilika aufnimmt. Der Westgiebel ist ein Zeugnis für die Möglichkeiten, die das Baumaterial Ziegelstein auch im Dekor bot. Zugleich wurde mit dem aufwendigen Portal das Verbot gebeugt, welches den Zisterziensern untersagte, große Turmfassaden im Westen zu errichten. Prunk sollte vermieden werden. Die Klosterkirche in Chorin hat einen für die Zisterzienser typischen kleinen Turm, der als Reiter auf dem Dach über der Vierung sitzt, jedoch aus dem 19. Jahrhundert stammt.
Heute ist das Kloster Chorin ein beliebtes Ausflugsziel für die Berliner und bietet vor allem im Sommer viele gut besuchte Veranstaltungen zu Musik und Theater.
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