Klein, aber sehr fein: San Carlo alle Quattro Fontane in Rom

1. Juni 2007

St. Carlo alle Quattro Fontane, Kuppel mit Kassettierung (Foto: G. Dallorto)

Bekanntlich ist Rom eine, wenn nicht die Stadt auf den sieben Hügeln. Einer von den Hügeln ist der Quirinal. Auf ihm steht nicht nur der Quirinals-Palast, der Amtssitz des italienischen Staatspräsidenten, sondern hier kreuzen sich auch zwei Straßen, die Via Quirinale und die Via delle Quattro Fontane. Der Name der zweiten Straße ist Programm. An jeder Häuserecke der Kreuzung befindet sich ein Brunnen. Aus den Brunnen sprudelt auch an heißen Sommertagen klares, frisches Wasser, welches aus den nahen Albanerbergen kommt. Es wird über teilweise uralte, noch aus römischer Zeit stammende Wasserleitungen zu vielen Brunnen und Fontänen in der ganzen Stadt geführt.

St. Carlo alle Quattro Fontane, Fassade (Foto: Erin Silversmith)Unweit von der Kreuzung findet der Besucher die anmutig nach vorne und nach hinten schwingende Fassade einer kleinen Barockkirche, die den vier Brunnen ihren Beinamen verdankt. Der schon erfahrene Rom-Besucher wird zugleich an den Baumeister Francesco Borromini denken, dem er schon so manches Mal auf seinen Wegen durch die Stadt begegnet ist und der für seine ‚schwingenden’ Barockfassaden bekannt ist. Und in der Tat: der große Baumeister und Widersacher des noch berühmteren Gian Lorenzo Bernini war Architekt der Kirche San Carlo delle Quattro Fontane, die von den Römern liebevoll wegen ihrer geringen Größe auch St. Carlino genannt wird.

Die 1638 bis 1641 gebaute Kirche ist wirklich nicht sehr groß. Sie ist dem 1584 verstorbenen und 1620 heilig gesprochenen Mailänder Kardinal und Kirchenreformer Carlo Borromeo geweiht. San Carlo delle Quttro Fontane wurde als Bestandteil des Konvents der Trinitarier gebaut. Die Trinitarier sind ein Mönchsorden, der während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert gegründet wurde und das Ziel verfolgte, kriegsgefangene Christen bei den Sarazenen frei zukaufen. Im 17. Jahrhundert wurde der Orden zu einem Bettelorden umgewandelt und widmet sich heute vor allem der Seelsorge und der Krankenpflege.

Die Fassade von San Carlo wurde erst mehr als 20 Jahre nach dem Kirchlein errichtet. Sie wurde 1665 begonnen und 1667, kurz nach dem Tod Francesco Borrominis, abgeschlossen.

St. Carlo alle Quattro Fontane, Inneres mit Säulen und Stukkaturen (Foto: Torvindus)

Der Innenraum ist ganz in Weiß und zurückhaltend, aber hübsch mit Stuck versehen worden. Das Kircheinnere zeigt die Formen des Hochbarocks. Dabei ist der Raum kompliziert aufgebaut. An einen länglichen, achteckigen Raum schließen jeweils gegenüberliegend zwei halbkreisförmige und zwei halbovale Apsiden an. An den Wänden stehen raumgliedernd sechzehn Säulen. Über dem achteckigen Raum erhebt sich eine längsovale Kuppel, auf der sich noch eine kleine Laterne befindet. Das Innere der Kuppel ist kassettiert. Die Kassetten sind sechs- und achteckig, sowie kreuzförmig.

Obwohl die Kirche sehr klein ist – angeblich würde sie spielend in einen der großen Vierungspfeiler des Petersdom passen – verfügt sie noch über zwei kleine Seitenkapellen und sogar über einen zweistöckigen Kreuzgang. Der Kreuzgang gehört aber eigentlich schon zum Konventgebäude der Trinitaner, indem sich auch eine Bibliothek befindet. Im Untergeschoss direkt unter der Kirche liegt noch eine hübsche Kapelle, auch sie entworfen vom unvergessenen Francesco Borromini.

Bildnachweis: 1 - 2 - 3

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