Ein Stern soll aufgehen: Bileam und sein Esel
2. Juni 2007Märchen waren schon immer beliebt. Besonders auch die, in denen sprechende Tiere vorkommen. In der biblischen Erzählung von Bileam spricht sogar ein Esel. Bileam war ein Seher. Er war von Balak, dem König von Moab, gerufen worden. Balak wollte von Bileam, dass dieser gegen fürstliche Bezahlung das Volk Israels verfluche, welches in den Steppen Moabs lagerte, denn Balak fürchtete die Israeliten. Doch Bileam weigerte sich zunächst. Erst als Balak seine Aufforderung mit Nachdruck wiederholte, bestieg Bileam seinen Esel – nach andere Überlieferung eine Eselin – und machte sich auf den Weg zum König der Moabiter.
Unterwegs begegnete Bileam und seinem Esel jedoch ein Engel des Herren mit einem Schwert in der Hand, der beiden den Weg verstellte. Der Esel konnte den Engel sehen und ging vor dem Boten Gottes auf die Knie. Für Bileam jedoch blieb der Engel unsichtbar und so wunderte er sich über das störrische Verhalten seines Reittieres. Als der Esel auch nach guter Zusprache nicht seinen Weg fortsetzen wollte, begann Bileam das Tier mit einem Stock zu züchtigen.
Da sprach Gott durch den Esel zu dem Seher und fragte, warum er ihn schlage. Dann öffnete der Herr Bileam die Augen, sodass auch er den Engel mit dem Schwert sehen konnte. Der Engel wiederum befahl Bileam von nun an nur noch die Dinge zu sagen, die er ihm vorgeben würde.
Bei Balak angekommen, forderte Bileam auf Geheiß des Engels den König auf, Altäre für Brandopfer zu bauen. Sobald die Altäre fertig waren, verfluchte Bileam nicht, wie von Balak erwartet, die Israeliten, sondern segnete sie mit vier Segens- sprüchen. Bedeutend ist besonders der vierte Spruch, indem Bileam prophezeite, dass „ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen wird“. Die jüdische Überlieferung deutet diese Weissagung als eine Vorankündigung des König Davids; das Christentum sieht in dem Spruch einen Hinweis auf das Kommen Jesu Christi. In letzterer Deutung wäre der Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Jesu folgten, der Stern aus der Prophezeiung des Bileams.
In der frühen christlichen Kunst werden vor allem Bileam und der Stern gezeigt. Ab dem 15. Jahrhundert wird zumeist der Esel gezeigt, wie er vor dem Engel mit dem Schwert auf die Knie geht, von Bileam gezüchtigt wird und zu ihm spricht. Die Bedeutung der Geschichte verschoben die Künstler also von der Prophezeiung hin zum Märchen.
Quelle: Numeri 22-24
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