Mehr als der Reiter: der Bamberger Dom

4. Juni 2007

Bamberger Dom am Domplatz (Foto: Berthold Werner)

Es gibt erstaunlich wenige mittelalterliche Kirchen, die nicht zumindest einmal abgebrannt sind. Oft war ein solches zerstörerisches Feuer Anlass, die Kirche schöner, größer und – vor allem – im gerade vorherrschenden Stil der Zeit neu aufzubauen. Der Dom zu Bamberg brannte sogar zweimal ab. Nach dem ersten Mal wurde er noch notdürftig geflickt, nach dem zweiten Mal jedoch entschloss man sich zu einem Neubau.

Gegründet wurde der erste Bau durch Kaiser Heinrich II., den letzten ottonischen Kaiser. Allerdings erfolgte die Gründung der Kirche schon 1004 als Heinrich noch König war. Die Kaiserkrönung war erst 1014. Kurz nach der Grundsteinlegung, 1007, gründete der König auch noch das Bistum Bamberg, wofür er 1146 als einziger deutscher Kaiser heilig gesprochen wurde. Die Bedeutung, die Heinrich II. seiner Kirche und seinem Bistum zumaß, kann daran abgelesen werden, dass er Bamberg seiner Gemahlin Kunigunde als Witwensitz vermachte. Auch Kunigunde wurde heilig gesprochen, jedoch erst 1200. Beider Grab findet sich heute im Dom.

Bamberger Dom, Adams-Portal mit vier der sechs Figuren (Foto: Johannes Otto Först)Der erste Dom am Platz war bereits den Heiligen Petrus und Georg, sowie der Jungfrau Maria geweiht. Obwohl von der Kirche heute außer Resten einer Krypta nichts mehr erhalten ist, so weiß man doch, dass es sich um eine typische ottonische Basilika handelte, die allerdings nur mit zwei Türmen am Ostchor versehen war. Schon der ottonische Dom wurde über einer Kapelle errichtet, die nicht geostet, sondern, vermutlich dem Landschaftsrelief folgend, eher von Südwesten nach Nordosten gerichtet war. Alle Nachfolgerbauten orientierten sich an der ersten Kapelle.

Der sogenannte Heinrichs-Dom war mit 75 Metern Kantenlänge kleiner als vergleichbare Bauten in Mainz (116 Meter) und Speyer (134 Meter). Er hat ein Querhaus besessen und eine halbkreisförmige Apsis als Ostabschluss. 1081 brannte diese Kirche vollständig nieder, wurde bis 1085 aber wieder notdürftig hergestellt. Hundert Jahre später, 1185, brannte der Dom erneut ab. Diesmal entschlossen sich die Verantwortlichen für einen Neubau.

Treibenden Kraft war Bischof Eckbert von Andechs-Meranien, ein Bruder der heiligen Hedwig von Schlesien (von Andechs). Nach ihm wird dieser Bau Eckbert-Dom genannt. Der Abbruch des alten Domes begann im Osten und dort wie üblich auch der Neubau, diesmal im Stil der späten Romanik. Das gewählte Verfahren des gleichzeitigen Abrisses und Neubaus ermöglichte auch, die Steine des alten Domes beinahe nahtlos in den neuen einzubauen. Die Bauarbeiten am neuen Dom reichten von 1215 bis 1237.

Bamberger Dom, Chorschranke mit Propheten (Jonas mit Glatze) (Foto: Immanuel Giel)Wie nicht anders zu erwarten, begann zu der Zeit auch der Einfluss der französischen Gotik in Bamberg zu wirken. Ab 1220 wurde zunehmend im Stil der Gotik gebaut. Der Stilwechsel macht sich insbesondere in den Türmen bemerkbar. Während die Osttürme trotz späterer Veränderung noch eindeutig romanische Formen aufweisen, zeigen die jüngeren Westtürme schon hübsche Spitzbögen. Die Untergeschosse sind allerdings noch romanisch. Insgesamt sind die Westtürme beinahe eins zu eins Kopien der Türme der frühgotischen Kathedrale von Laon in Frankreich.

Die 1237 geweihte Kirche, die im Wesentlichen bis heute Bestand hat, ist eine von der Anlage her romanische Basilika mit je einem Chor im Westen und im Osten. Beide Chöre werden von je zwei Türmen flankiert. Der Grundriss der Kirche ist kreuzförmig, da im Westen ein Querschiff errichtet wurde. Üblich wäre allerdings ein Querschiff im Osten gewesen. Von Außen ist das Querschiff gut zu erkennen. Im Inneren wird das Querschiff durch den westlichen Hochchor in zwei fast quadratische Räume zerschnitten und tritt so raumwirkend kaum in Erscheinung.

Im Bereich des Westchores, der heute dem Klerus vorbehalten ist, steht nicht nur ein Chorgestühl von 1380 mit reich verzierten Wangen, sondern auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. In einem Sarkophag ruht der 1047 verstorbenen Papst Clemens II., der zunächst Bischof Suitger von Bamberg war, bevor er auf den Stuhl Petri gehoben wurde. Die ausdrucksstarken marmornen Reliefs des Sarkophag stammen aus dem 13. Jahrhundert und aus Italien.

Bamberger Dom, Bamberger Reiter (1. Hälfte 13. Jh) (Foto: Władysław Łoś)Auch der Ostchor ist als Hochchor ausgeführt worden und wurde nach längerem Zögern auch gewölbt. In der Apsis des Chores befindet sich ein Loch, das sogenannte Sonnenloch. Hier stand im Mittelalter die Reliquienbüste der heiligen Kunigunde. Durch das Loch sollte sich die Heiligkeit über die Stadt ergießen. Unterhalb des Ostchores befindet sich der älteste Teil des heutigen Domes, die Ostkrypta. In ihr ist unter anderem der Sarkophag des 1152 verstorbenen Konrad III. aufgestellt, den der Tod in Bamberg ereilte, als er gerade auf dem Weg nach Rom war, um sich dort zum Kaiser krönen zu lassen.

Bemerkenswert am Ostchor sind die Chorschranken, die mit Skulpturenreliefs versehen sind. Auf der Nordseite sind je Bildfeld zwei über Glaubenswahrheiten disputierenden Propheten, auf der Südseite Apostelpaare dargestellt. Während die Propheten das Alte Testament und den Alten Bund vertreten, symbolisieren die Apostel das Neue Testament und den Neuen Bund durch Jesus Christus. Von der ursprünglichen Bemalung ist fast nichts geblieben.

Bekanntestes Ausstattungsstück des Domes ist der Bamberger Reiter, der um 1230 geschaffen wurde. Er zeigt einen unbekannten König. Der über dem Kopf des Reiters befindliche Baldachin, der das Himmlische Jerusalem darstellt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich beim Reiter um einen heiligen König handelt. In Frage käme hier insbesondere der heilige Stephan von Ungarn.

Bamberger Dom, Fürstenportal (Foto: Immanuel Giel)

Berühmt ist auch das in der Werkstatt von Tilmann Riemschneider geschaffene marmorne Grabmal des heiligen Kaiserpaares. Beide Heilige sind oben auf als Liegefiguren zu sehen. Die Seiten schmücken Reliefs mit Legenden aus dem Heiligenleben beider Verstorbenen. Das Grabmal entstand zwischen 1499 und 1513.

In den Seitenschiffe des Doms haben sich mehrere spätmittelalterliche Altäre erhalten. Unter anderem steht dort der Riemenschneider-Altar, der mit verschiedenen Figuren besetzt ist, die zwar alle aus der Werkstatt Riemenschneiders stammen, aber niemals für diese Zusammenstellung geschaffen wurden. Ein weiterer bedeutender Altar ist der Veit-Stoss-Altar, der bis 1523 aus Lindenholz geschnitzt wurde. Im Zentrum der Darstellung steht eine Geburt Christi.

Südöstlich der Basilika befindet sich noch der Kreuzgang, indem heute teilweise das Diözesanmuseum untergebracht ist. Hier sind in der Andreaskapelle auch noch Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten.

Bamberger Dom, Veit-Stoss-Altar, zentrale Szene: Christi Geburt (Foto: Immanuel Giel)

Die Glasmalereien im Dom selbst wurden im Rahmen der Barockisierung nach dem Dreißigjährigen Krieg vollständig beseitigt. Doch auch aus dem Barock hat sich bis heute nur der vergoldete Kreuzalter im Westchor erhalten. Alle anderen Ausstattungsstücke wurde ab 1829 in einer von König Ludwig I. von Bayern angeschobenen Aktion, die damals ‚Purifizierung’ genannt wurde, wieder entfernt. Dabei wurden auch die letzten Reste der Bemalung entfernt, da man sich so im 19. Jahrhundert die ‚orginale’ Beschaffenheit einer mittelalterlichen Kirche vorstellte.

Schon 1766 wurde der Dachreiter auf dem Mittelschiff entfernt, die beiden Osttürme mit jeweils zwei Geschossen auf die Höhe der Westtürme aufgestockt und alle Türme mit den noch heute sichtbaren Turmhauben versehen.

Bedeutende Kunstwerke am Außenbau finden sich noch an den Portalen, auch wenn viele der Skulpturen heute durch Kopien ersetzt sind. Im Südwestturm befand sich einst der Haupteingang zum Dom. Dort ist das Adamsportal zu bewundern. Unter einem Rundbogen mit einem beeindruckenden und an normannische Bauten erinnernden Zickzack-Fries stehen im Gewände sechs Figuren, unter anderem das heilige Kaiserpaar und Adam und Eva. Die Bildhauerwerkstatt, in der die Figuren geschaffen wurden, stammte aus dem französichen Reims. Die Figuren wurden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts geschaffen.

Über dem Fürstenportal, welches direkt zum Domplatz führt, findet sich im Tympanon eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Rechts und links stehen Darstellungen der Ecclesia und der Synagoge.

Bamberger Dom

Bildnachweis: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6

Diesen Beitrag drucken