Ein Wahrzeichen der Stadt: Stephansdom in Wien

Stefansdom von Norden mit Nordturm (rechts) und im Hintergrund dem Südturm (Foto: David Monniaux)Als 1683 vor Wien die Türken als Besiegte umkehren mussten, ließen sie insgesamt 300 Kanonen zurück. Aus 160 dieser Kanonen wurde 1711 eine über 20 Tonnen schwere Glocke gegossen, deren Klöppel allein schon 813 Kilogramm schwer ist. Das bronzene Schwer- gewicht ist die fünftgrößte Glocke der Welt, hängt in einem der beiden Türme des Stephansdoms in Wien und wird liebevoll Pummerin genannt. Der Name wird auf ihren sehr tiefen Läutton zurückgeführt. Touristen würden die berühmte Glocke vermutlich eher im bekannteren Südturm der Kirche vermuten, doch die Pummerin schwingt im weit niedrigeren Nordturm.


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An der Stelle des Stephansdoms befand sich im Frühmittelalter vermutliche ein Friedhof. Ansonsten liegt der Standort des Domes ein wenig außerhalb des alten Wiener Stadtzentrums. Seine Anfänge hat die Kirche im Jahre 1137 als Initiative des damaligen Bischofs von Passau, der in Wien eine von Passau, also von ihm, dominierte Kirche haben wollte. Bis dahin gab es nur Kirchen, die Salzburger Patronen – Rupert und Petrus – geweiht waren. Der Erzmärtyrer Stephanus jedoch war ein Patron Passaus.

Stephansdom, Westwerk mit teilweise romanischen Heidentürmen (Foto: Gryffindor)1147 war der romanische Kirchenbau bereits abge- schlossen, wie so oft perfekt nach Osten ausgerichtet. Schon diese erste Kirche war verhältnis- mäßig groß. Wahrscheinlich erstrebten bereits ihre Erbauer den Bischofstitel für die Neugründung. Wie so oft war jedoch auch dieser Bau durch die Stilgeschichte überholt, bevor der Mörtel überhaupt richtig trocken war. Darum musste die Kirche zwischen 1230 und 1245 einem spätromanischen Kirchenbau weichen. Von diesem Bau bestehen noch Teile des Westwerks, sowie die unteren Stockwerke zweier flankierenden Türme, die heute Heidentürme genannt werden, vermutlich weil antike, römische Steine für ihren Bau verwendet wurden. Das romanische Portal wird Riesentor genannt, wobei die Bezeichnung wahrscheinlich auf das mittelhochdeutsche Wort rise zurückgeht, was soviel wie sinken oder fallen bedeutet und darauf anspielt, dass das Portal typisch romanisch nach Innen trichterförmig gestaffelt ist.

Bis 1263 bekamen die Heidentürme ihr Obergeschoss. In diesem Jahr erfolgte auch die Weihe des zweiten Kirchenbaus. Von 1304 bis 1346 erfolgte dann unter den habsbur- gischen Herzögen Albrecht I. und Albrecht II. der Anbau eines neuen Chores, diesmal in gotischen Formen. Nach seinen Gründern wird der Chor auch Albertinischer Chor genannt.

Stephansdom, Tympanon des romanischen Riesenportals, Christus als Weltenherrscher (Foto: Gryffindor)

Ab 1359 schließlich ließ Herzog Rudolf IV. auch das Langhaus im gotischen Stil erneuern. Dabei wurde das neue Langhaus um das romanische herumgebaut und dieses erst im Anschluss abgerissen. Seit 1365 war der Stephansdom dann Sitz eines Domkapitels, welches zudem noch völlig unabhängig von Passau war. Allerdings war das noch nicht der erhoffte Bischofsstuhl. Trotzdem wurde dem Patrozinium des hl. Stephanus nun noch ein Allerheiligenpatrozinium hinzugefügt.

1433 wurde der Südturm vollendet; 1474 endlich auch das gotische Langhaus. Der Südturm ist über 134 Meter hoch und wird von einem quadratischen Grundriss zu einem achteckigen Helm geführt. Der Turm ist völlig freistehend. Dabei steht er nicht etwa am Westende der Kirche, sondern, fast wie ein romanischer Turm, südlich des Doms zwischen Langhaus und Chor. Der Grundstein für das nördlich Pendant wurde 1469 von Friedrich III. höchstpersönlich gelegt. Friedrich war von 1452 bis 1493 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Die Legende erzählt, dass für den Bau des Nordturms ein ganzer Jahrgang Wein als Bindemittel für den Mörtel verbraucht wurde.

Stephansdom, Hauptaltar1469 war Wien endlich auch Bistum geworden. 1511 sah man ein, dass der Nordturm zu groß konzipiert war und stellte die Arbeiten ein. Erst 1578 erhielt der Turm eine Renaissance- haube als eine Art Notdach. Auf die Renaissance folgte das Barock. 1647 wurde entsprechend des neuen Zeitgeschmacks die Innen- einrichtung des Stephansdom mit barocken Zutaten aufgefüllt.

Den größten Teil des Zweiten Weltkrieg überstand der Dom fast unbeschädigt. Erst in der Nacht zum 12. April 1945, dem Tag, an dem die Rote Armee Wien besetzen sollte, wurde der Kirche das Treiben österreichischer Plünderer zum Verhängnis. Jene legten nämlich Feuer in von ihnen beraubten Geschäften rund um den Dom. Durch Funkenflug fing das Dach Feuer und brannte vollständig nieder. Dabei wurde auch die große Orgel aus dem 19. Jahrhundert vernichtet. Das Feuer griff auf den Nordturm über und wütete dort solange, bis die Pummerin schließlich in die Tiefe stürzte und zerbarst. Bis 1952 war der Stephansdom jedoch wieder weitgehend hergestellt. Auch die berühmte Glocke wurde aus dem Material der alten neu gegossen.

Heute ist der Stephansdom eines, wenn nicht das Wahrzeichen der Stadt Wien. Dazu hat sicher auch das berühmte Dach beigetragen, welches mit über 300.000 verschie- denfarbigen Dachziegeln gedeckt ist. Vorherrschend ist ein Zickzack- und Rautenmuster, es finden sich aber auch die Wappen Wiens, Österreichs und Kaiser Franz I.

Stephansdom, Seitenschiff mit gotischem Gewölbe Bemerkens- wert am Außenbau ist weiterhin ein Portal, welches Primglöcklein-Tor genannt wird, da hier früher zur Prim geläutet wurde. Neben dem Tor befindet sich das angebliche Grabmal des Minnesänger Neidhards, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte und vermutlich auf dem Friedhof begraben wurde, der dereinst rund um den Stephansdom lag.

Das Langschiff zeigt sich heute als dreischiffige Halle. Das Mittelschiff führt nach Osten zum Chor und zum Hochaltar, eines bedeutenden Werkes des Frühbarock in Österreich von Tobias Pock. Dargestellt ist die Steinigung des hl. Stephanus und im Hintergrund weitere Heilige, was auf die Patrozinien der Kirche hinweist.

Im Südchor findet sich auch das Grabmal des Kaisers Friedrich III. Entstanden ist es von 1463 bis 1479 in der Werkstatt des Niclaes Gerhart von Leyden. Aus diesem Hause stammt vermutlich auch der Entwurf zur berühmten Kanzel des Domes, eines Meisterwerkes spätgotischer Plastik. Die Kanzel ist als eine stilisierte Blüte ausgeführt. Am Fuße befindet sich der bekannte Fenstergucker, welcher vielleicht ein Porträt des Anton Pilgrim ist, der 1515 in Wien starb. Anton Pilgrim, der lange als Schöpfer der Kanzel galt, war wahrscheinlich nur beteiligt, da sein Steinmetzzeichen auf der Kanzel zu finden ist. Ein sicheres Porträt des Anton Pilgrim findet sich jedoch am Fuss der alten Orgel.

Der Stephansdom verfügt noch über mehrere kleinere Kapellen. In der Savoyen-Kapelle befindet sich das Grabmal des Prinz Eugen, der 1736 starb und als Feldheer und Mäzen Großes geleistet hat. Der Prinz Eugen gilt heute vielen als der eigentliche Architekt der einstigen Großmachtsstellung Österreichs in Europa.

Stefansdom, Eine skurile Geschichte verbirgt sich noch hinter einem gotischen Schmerzenmann, eines Abbildes des gegeißelten Christus. Studenten sollen einst die Statue verspottet und das Leiden des Dargestellten bezweifelt haben. Daraufhin wurden die jungen Leute mit üblen Zahnschmerzen geschlagen, die erst abklangen, nachdem die Studenten Abbitte bei der Statue geleistet hatten. Seitdem wird die Figur als Zahnwehherrgott bezeichnet.

Stephansdom in Wien

Bildnachweis: 123456

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