Eigentlich hieß der Mann Wynfreth. Obwohl er später der ‚Apostel der Deutschen’ geheißen werden sollte, stammte Wynfreth, wie der Name schon nahe legt, nicht aus Deutschland, sondern aus England. Wynfreth wurde um 673 in dem Weiler Credition im heutigen Wessex in eine vornehme Familie geboren. Seine Erziehung genoss der Knabe in den Benediktinerklöstern in Exeter und in Nursling, welches damals noch Nhutscelle hieß. Im Alter von 30 Jahren lehrte Wynfreth Grammatik und Dichtung und erhielt die Priesterweihe. Kurz darauf nahm der junge Priester seine Missionstätigkeit auf, wobei es ihn ins ostfränkische Reich und dessen Randgebiete zog.
716 missionierte Wynfreth erstmals bei den Friesen, scheiterte aber am Widerstand des friesischen Herzogs Radbod. Daraufhin kehrte er zunächst nach Nursling zurück, wo man ihn zum Abt wählte. 718 verließ Wynfreth jedoch England für immer. Zunächst unternahm er eine Pilgerreise nach Rom. Dort erhielt er vom Papst Gregor II. nicht nur einen persönlichen Missionsauftrag, sondern auch einen neuen Namen: Bonifatius, was soviel heißt wie der Wohltäter.
Erneut ging Bonifatius zu den Friesen. Diesmal arbeitete er mit einem anderen Engländer namens Willibrod zusammen, der auch dereinst als Heiliger verehrt werden sollte. Insgesamt war die Ausgangs- situation günstiger als bei der ersten Friesenmission, den Radbod war gestorben. Doch die beiden Missionare verstritten sich und so trennten sie sich 721. Bonifatius ging darauf hin in die Gebiete der heutigen Länder Thüringen, Hessen und Bayern.
Der Missionar war ein Zeitgenosse Karl Martells, der an der Missionstätigkeit interessiert war und Bonifatius förderte. 723 stellte er ihm einen Schutzbrief aus. Bonifatius war auch nicht allein in den heidnischen Gebieten unterwegs, sondern wurde von einem Tross begleitet, zu dem Soldaten gehörten. So reiste die Truppe herum und Bonifatius gründete hier und dort Klöster.
In der Nähe des hessischen Geismar bei Fritzlar beging Bonifatius dann seine Tat, für die vor allem in der Nachwelt berühmt wurde. Dort stand eine der dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche. Die ließ Bonifatius umhauen. Dabei ging er wohl kein großes Risiko ein, da das Gebiet bereits von christianisierten Franken beherrscht wurde. Aus dem Holz der Eiche ließ Bonifatius eine Kapelle in Fritzlar bauen, an deren Stelle heute die Kirche St. Petri steht.
Von 738 bis 739 gründete Bonifatius mehrere Bistümer, so auch Eichstätt, Erfurt und Würzburg. Er selbst war inzwischen Missionserzbischof geworden und erhielt schließlich das Bistum Mainz, obwohl er sich mehr um das Bistum in Köln bemüht hatte.
Bonifatius war schon über 80 Jahre alt, als er ein weiteres Mal zur Friesen-Mission aufbrach. Warum er das tat, ist unbekannt. Manche Legende berichten, er hätte den Märtyrer-Tod gesucht. Sollte es so gewesen sein, so wurde sein Wunsch am 5. Juni 754 erfüllt. Gemeinsam mit bis zu 50 Begleitern wurde Bonifatius bei Dokkum in den Niederlanden von einem Trupp Friesen erschlagen.
Ob es sich tatsächlich um einen Märtyrertod handelt, also um einen Tod um des Glaubens, ist umstritten. Vielleicht waren die Friesen auch eher auf die Besitztümer der Missions- gesellschaft aus und vom Märtyrertod wäre so ein Raubmord geblieben. Vermutlich war es aber eine Mischung aus beiden Motiven.
Die sterblichen Überreste des Bonifatius gelangten über Mainz nach Fulda und wurden im dortigen Dom beigesetzt. Bis in die frühe Neuzeit beschränkte sich auch die Verehrung des ‚Märtyrers’ auf Fulda und Umgebung. Erst in der Neuzeit besann man sich auf Bonifatius als Apostel der Deutschen, als der er gleichermaßen von Katholiken und Protestanten verehrt wurde. In diesem Sinne gewann Bonifatius auch Bedeutung in der nationalen Sammlungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Erst 1855 gestatte Papst Pius IX. die Verehrung des Bonifatius als Heiligen.
Die Bedeutung des Heiligen für die Kirche ist umstritten. Vermutlich war er weniger Missionar, als ein Organisator kirchlicher Etablierung. Bedeutsam ist hierbei vor allem, dass er unter der Schirmherrschaft der fränkischen Herrscher die Bindung zur römischen Kirche und zum Papst festigte, was unter den Missionaren zu dieser Zeit noch keinesfalls selbstverständlich war.
Die Kunst stellt ihn als Bischof dar, hin und wieder mit Axt und Eiche. Auch Szenen aus seinem Leben kommen vor, besonders natürlich sein Tod bei den Friesen.
Tag: 5. Juni
Patron von England und Thüringen; der Bierbrauer, Feilenmacher und Schneider

