Finsteres Mittelalter: Ecclesia und Synagoge

26. Juni 2007

Synagoge, um 1230, Straßburger Münster (Foto: Rama)Eigentlich bedeuten beide Begriffe etwas Ähnliches, wenn nicht sogar das Gleiche. Das Wort ekklesía als Begriff für ‚die Kirche’ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie die Herausgerufene. Die alten Griechen nannten so ihre Volks- versammlungen oder auch den Versamm- lungsplatz. Schon Paulus hat die Gemeinschaft der Christen als ekklesía bezeichnet. So hat es sich auch in andere Sprachen überliefert. Während unser Wort Kirche aus dem Mittelhochdeutschen stammt, sagen zum Beispiel die Franzosen église. Das Wort Synagoge geht gleichfalls auf ein griechisches Wort zurück: synagogé. Auch dieser Begriff steht für Versammlung oder Versammlungsort. In der christlichen Kunst werden beide – die Ecclesia und die Synagoge – als Frauen dargestellt.

Die Ecclesia wird schon seit dem frühen Christentum dargestellt, wobei unterschieden wurde zwischen der Kirche, die sich aus den Beschnittenen, also den Juden gebildet hatte, und der Kirche, in der die Heiden, also die Nicht-Juden. zusammenkamen. Später, so ab dem 6. Jahrhundert, als diese Unterscheidung nicht mehr so wichtig war, stellten die Künstler die Ecclesia als eine Königin mit Krone und Zepter dar; aber immerhin als einheitliche Kirche.

In der karolingischen Kunst wurde die Ecclesia ein fester Bestandteil von Kreuzigungsdarstellungen. Dort steht sie mit Krone, aber auch Kreuzesfahne – dem Symbol des Sieges Christi über den Tod durch die Auferstehung – unter dem Kreuz und fängt in einem Kelch das Blut des Gekreuzigten auf. Sie versinnbildlicht das Sakrament, in welchem die Kirche der Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen ist.

Ecclesia, um 1230, Straßburger Münster (Foto: Rama)In der karolingischen Kunst beginnt man auch mit der Darstellung der Synagoge. Auch sie hat eine Krone, aber die fällt ihr vom Kopf. Zudem hat die Synagoge eine Augenbinde um, wird also als blind gezeigt. Die Synagoge steht hier für das „besiegte Judentum, das seinen Messias nicht erkannt hat“.

Im Mittelalter der Kreuzzüge und vor allem nach den Todeszügen der Pest, breitete sich überall in Europa der Hass auf die Juden aus. Dem christlichen Mob fielen unzählige Juden zum Opfer. In der Kunst der Mittelalters wird nun die Synagoge nicht mehr nur als Besiegte, sondern auch als Gedemütigte gezeigt. Sie hat eine zerbrochene Lanze oder Fahnenstange in der Hand, die Gesetzestafeln, also die 10 Gebote, fallen ihr aus der Hand. Ihre Augen sind verbunden. Hin und wieder wird die Synagoge auch mit dem spitzen Judenhut gezeigt, den im Mittelalter die Juden in Europa tragen mussten, damit sie jeder erkennen konnte.

Doch es gibt im Mittelalter auch freundlichere Darstellungen. Schließlich kann die Synagoge auch als Symbol für das Volk Israels und den Alten Bund gesehen werden. So zeigt die Skulptur am Straßburger Münster die Synagoge zwar blind und besiegt, jedoch nicht gebrochen. Doch eine Darstellung, mag sie noch so positiv sein, ohne, dass die Synagoge einen vermeintlichen Irrweg erkennt, war nicht möglich.

In Hochgotik wurde das Paar Ecclesia und Synagoge zu einen typischen Bestandteil der Programme von Skulpturenportalen der großen Kirchen und Kathedralen.

Bildnachweis: 1 - 2

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