Keine Wände mehr: Malerei der Früh- und Hochgotik

11. Juli 2007

Glasmalerei in der Kathedrale von Chartres, Thronende Marie mit dem Jesuskind, 1215 - 1240In der Romanik standen den Malern in den Kirchen große Mauerflächen für ihre Werke zu Verfügung. In der Gotik wurden die Wände allmählich aufgelöst. So stand die Malerei in der Gotik zunächst hinter der Skulptur zurück, auch wenn vereinzelt die verbleibenden Flächen, wie Gewölbe und Apsiden, ausgemalt wurden.

Eine Ausnahme bilden hier die Kirchen der Bettelorden. Die Franziskaner beispielsweise beließen auch in ihren gotischen Kirchen große Wandflächen, auf denen – wie zum Beispiel in San Francesco in Assisi - bedeutende Künstler wie Giotto oder Simone Martini ihre bedeutenden Werke hinterlassen konnten.

Zwar waren die Wände nun weg, aber durch die Auflösung der Wände entstand nicht einfach Nichts, sondern plötzlich gab es neue, große Flächen, die sich für so etwas ähnliches wie Malerei anboten: die Fenster. Mit der Gotik begann in Europa die große Blüte der Glasmalerei, die in Europa noch in der Zeit der Romanik, also um 1150, entstanden war. Die Glasmalerei löste in ihrer Bedeutung und in ihren Themen die romanischen Fresken beinahe ab. Durch die Glasmalereien wurde so die beabsichtigte Licht-Durchlässigkeit gotischer Kirchen zur Vollendung gebracht, auch wenn die Kirchenräume dadurch letztendlich wieder dunkler wurden.

Rosette in der Kathedrale von Chartres, 1215 - 1240 (Foto: Urban)Trotz der Wirren der Zeiten (insbesondere: französische Revolution) haben sich in vor allem Frankreich große Glasmalerei- zyklen erhalten. Berühmt sind die Fenster von Chartres, Amiens und der Saint Chapelle in Paris. In Deutschland blieben nur wenige vergleichbare Zyklen erhalten, so im Freiburger Münster, im Regensburger Dom und im Erfurter Dom. Bedeutend sind auch die Fenster in der Marienkirche in Frankfurt an der Oder. Frühe Glasmalereien finden sich in Deutschland in St. Kunibert in Köln (um 1220 bis 1230) und in der Bafüßerkirche in Erfurt (um 1228).

Gott als Weltenschöpfer, Codex Vindobonensis, um 1250Die Tafelmalerei – vor allem die Malerei von Altarbildern - war in den beiden ersten Phasen der Gotik noch ziemlich unterentwickelt. Sie sollte sich erst in der Spätgotik richtig entfalten. Grundvor- aussetzung war hier eine Änderung des Ritus. Bis ins 13. Jahrhundert wurde die Hostie so gezeigt, dass der Altar zwischen dem zeigenden Priester und der schauenden Gemeinde stand. So konnten auf den Altar natürlich keine großen Aufbauten errichtet werden, wie sie ein spätgotischer Flügelaltar nun mal darstellt. Erst als der Ritus so geändert wurde, dass der Altar im Rücken des die Hostie zeigenden Priesters stand, wurden größere Altaraufsätze möglich. Es ist also kein Wunder, dass aus der Zeit zwischen 1250 und 1300 nur sehr wenige Altarbilder überliefert sind.

Die Buchmalerei verlor in der Gotik zunächst an Bedeutung, gewann sie aber in der Spätgotik zurück, als es beim hohen Adel zum guten Ton gehörte, ein reich illustriertes Stundenbuch zu besitzen.

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