Göttliche Weisheit: das Urteil des Salomo

23. Juli 2007

Das Urteil des Salomo, Elfenbeinschnitzerei von einem Bucheinband, 10. bis 11. JahrhundertDie Geschichte ist bekannt: zwei Dirnen treten vor Salomo und schildern ihm ihren Streit. Beide Frauen wohnen im selben Haus und haben innerhalb weniger Tage jede eine Kind zur Welt gebracht. Eines der Kinder starb bereits in der ersten Nacht. Eine der Dirnen wirft nun der anderen vor, das eigene Kind erdrückt und der das lebende Kind gestohlen zu haben. Die andere Dirne streitet das ab und behauptet, das lebende Kind sei ihr Kind. Salomo steht vor einem unlösbar scheinenden Dilemma.

Doch der König löst das Problem auf die berühmte Weise. Er lässt ein Schwert kommen und befiehlt das lebende Kind in zwei Hälften zu zerteilen. Beide Mütter könnten dann eine Hälfe haben.

Vor dem tödlichen Streich fleht eine der Frauen Salomo an, das Kind zu verschonen und es der anderen Frau zu geben. Die andere hingegen ermuntert Salomo noch zu seiner Tat. Das Kind solle ruhig zerteilt werden. So gehöre es wenigstens keiner der Frauen.

Salomo hat natürlich am Verhalten der Frauen sofort erkannt, wer die leibliche Mutter des Kindes ist. Und ganz Israel erfuhr von der Weisheit des Königs und wusste, dass sie von Gott kam.

Das Urteil des Salomo, Bleistift, Rötel und Pinselzeichnung in Grau, grau laviert und Gold gehöht, auf graugrünem Papier, J.G.Schadow, um 1839

In der Kunst wird die Szene häufig dargestellt; das Motiv kommt auch in anderen Kulturkreisen, sogar im altchinesischen vor. Oft wird die Szene im Zusammenhang mit einer Ermahnung der Regierenden gezeigt. Salomo gilt hier als Musterbeispiel eine weisen und vor allem gerechten Herrschers.

Quelle: 1 Könige 3,16-28

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