Uralt: St. Emmeram in Regensburg

St. Emmeram, Mittelschiff mit Blick gen Osten (Foto: DALIBRI / S. Kormann)

Die früheste Nachricht von eine Kirche stammt aus der Jahrhundertwende vom 7. zum 8. Jahrhundert. Der bayerische Herzog Theodo ließ die Gebeine des heiligen Emmeram, der erst kürzlich bei Helfendorf den Märtyrertod erlitten hatte, in seine Residenzstadt Regensburg bringen und dort beisetzen. Sein Grab fand der Heilige in einem Kirchlein namens Georgskirche, welches höchstwahrscheinlich noch aus spätrömischer Zeit stammte und dessen Lage wohl an der Stelle des heutigen südlichen Nebenchors der bestehenden Kirche, dem sogenannten Georgenchor, zu suchen ist. Schon bald setzte eine umfangreiche Wallfahrt zu den Reliquien ein. Auch entstand unmittelbar zum Heiligengrab eine Benediktinerabtei, die recht bedeutend war. Der Bischof des 739 entstandenen Bistums Regensburg war bis 975 zugleich Abt des Benediktinerklosters St. Emmeram.

Die immer weiter zunehmenden Wallfahrtsströme machten im 8. Jahrhundert einen Neubau nötig, der im karolingischen Stil entstand. Dabei wanderte das Grab des hl. Emmerams ins Zentrum einer stilepochentypischen Ringkrypta, die sich unter der Hauptapsis im Osten der Kirche auch heute noch befindet. In der Tat besteht auch die heutige Kirche St. Emmeram im Kern noch aus dem karolingischen Bau und ist somit eine der ältesten, überlieferten Kirchenbauten Süddeutschlands.

Auch die karolingische Kirche erfuhr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Änderungen und Erweiterungen. Schon 980 wurde östlich der Ringkrypta eine weitere Krypta eingebaut, die heute das Grab des hl. Ramwold birgt, der Anfang des 11. Jahrhunderts starb.

Im 11. Jahrhundert ließ der Abt Regimward einschneidende Änderungen vornehmen. 1049 wurde die Westmauer abgerissen und an gleicher Stelle ein Westquerhaus in ottonischem oder frühromanischen Stil angefügt. Für die Zeit typisch, kam auch noch ein Westchor hinzu, der sogenannte Dionysius-Chor. Unter dem Chor gibt es auch eine Westkrypta, die Wolfgangskrypta. 1052 wird der Bau von Papst Leo IX. höchstpersönlich geweiht. Die Bedeutung des Klosters lässt sich auch daran erkennen, dass bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts alle Regensburger Bischöfe in St. Emmeram bestattet wurden.

St. Emmeram, ??? (Foto: btr)

1166 zerstört dann ein Großfeuer weite Teile des Klosters. Der Wiederaufbau ließ den Grundriss unverändert. Zu dieser Zeit wurden die Seitenschiffe eingewölbt und es entstand die nur teilweise erhaltene Vorhalle im Nordwesten, durch die man auch heute noch die Kirche betritt.

1250 entsteht das heute noch bestehende gotische Außentor. Ab 1295 wird das ganze Kloster dem Kaiser direkt unterstellt, es wird reichsunmittelbar. 1575 beginnen die Bauarbeiten am freistehenden Turm, auf Italienisch klingend Campanile genannt. Der Turmbau ist kein Neubau, vielmehr wird ein älterer Turm aus dem 10. Jahrhundert neu ummantelt. Der Turmabschluss stammt aus dem Jahre 1777.

1642 zerstört ein weiteres Feuer das Kirchendach und die Einrichtung der Kirche. Dafür kommt 1661 eine farbige Holzkassettendecke in die Kirche, die sich allerdings nur im Westchor und im Westquerschiff bis heute erhalten hat.

Das 18. Jahrhundert war für das Kloster das blühendste. Eine ganze Reihe von tüchtigen Äbten führte nun das Kloster und machte es zu einer bedeutenden Kulturstätte, wichtige Wissenschaftler gingen ein und aus. Ab 1732 wurden die Äbte auf Veranlassung Kaiser Karl VI sogar Reichsfürsten.

Im 18. Jahrhundert initiierte Abt Anselm Godin folgenschwere Umbauten an der Klosterkirche. Zwischen 1731 und 1733 gestalteten die Asam-Brüder aus München unter Konsultation des Architekten Johann Michael Prunner die Kirche weitestgehend im Stil des Frührokoko um. Besonders das Mittelschiff und der Ostchor waren von den Arbeiten betroffen. In beiden Bereichen wurde ein Lattengewölbe eingebaut, welches mit reichem Stuck und Deckengemälden versehen wurde.

St. Emmeram, Vorhalle (Foto: btr)

Im Osten wird auch die alte Hauptapsis abgerissen und durch einen Bau ersetzt, der auf den Außenmauern der darunter liegenden Ringkrypta errichtet ist. Die neue Apsis ist durch eine Wand vom Mittelschiff getrennt. Hier entstand eine neue Sakristei und darüber ein Winterchor für die Mönche.

Die klösterliche Herrlichkeit war 1803 schon wieder beendet. St. Emmeram kam zum Fürstentum Regensburg, welches 1810 in Bayern aufging. 1810 endete die Klostergeschichte als Kloster vollständig, den es wurde aufgelöst. St. Emmeram wurde zu einer einfachen Pfarrkirche. Die nicht mehr benötigten Klostergebäude und der Kreuzgang aus dem 11. bis 14. Jahrhundert wurden 1812 den Fürsten von Thurn und Taxis übergeben, in deren Eigentum sich die Gebäude auch heute noch befinden.

Heute ist die Kirche St. Emmeram eine dreischiffige Basilika. Sie verfügt über den schon erwähnten, rechteckigen Westchor. Im Norden des Westchores befindet sich noch die kleine Magdalenenkapelle aus dem 11. Jahrhundert.

Die Maße des Mittelschiffes werden noch vom Bau des 8. Jahrhunderts bestimmt, auch wenn die Rokoko-Ausstattung das ursprüngliche Gebäude höchstens noch erahnen lässt.

Die Kirche ist reich mit Kunstwerken ausgestattet. Schon am Nischenportal, der von der Vorhalle ins nördliche Seitenschiff und ins Querhaus führt, befinden sich die ältesten, erhaltenen Skulpturen Süddeutschlands. In Reliefs sind in der Mitte der thronenden Christus und an den Seiten der hl. Dionysius und der hl. Emmeram dargestellt. Nischenportal und Reliefs sind frühromanisch und stammen aus den Jahren 1049 bis 1052.

Das Westquerhaus und der Westchor haben noch am ehesten das Gesicht der Zeit vor den Asams bewahrt. Hier ist auch noch die Kassettendecke erhalten. Unter dem Westchor befindet sich die Wolfgangkrypta, in der der heilige Wolfgang hat seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der hl. Wolfgang ist einer der Patrone Bayerns. In der Wolfgangskrypta befindet sich auch der sogenannte Heinrichsstuhl, eine steinerne Kathedra aus dem 10., 11. oder 12. Jahrhundert.

Zurück zum Frührokoko-Teil: das Deckengemälde über dem Hauptchor zeigt den heiligen Benedikt, den Gründer des Benediktinerordens. Das Hauptfresko über dem Mittelschiff stellt das legendäre Martyrium Regensburger Christen in der Frühzeit dar. Im Zentrum der hl. Emmeram mit seinem Attribut, einer Leiter. Das Gemälde ist von Cosmas Damian Asam signiert worden und stammt aus der Umbauzeit, also den Jahren 1731 bis 1733.

Die Stuckaturen wiederum stammen von Egid Quirin Asam, dem Bruder des Malers. Er veränderte auch den wuchtigen Hochalter der Kirche, den ein Bruder Wolf 1669 geschaffen hat. Das Altarblatt zeigt den Tod des heiligen Emmerams. Unter der Mensa des Altars befindet sich der Emmerams-Schrein aus der Zeit um 1440.

Die Kirche St. Emmeram verfügt neben reichen Kunstschätzen auch noch über einige bedeutende Gräber. Im südlichen Seitenschiff haben die Regensburger Bischöfe ihre letzte Ruhestätte gefunden. Im Hauptchor ist durch eine barocke Inschrift das Grab Kaiser Arnulfs gekennzeichnet, der 899gestorben ist und von St. Emmeram so begeistert war, dass er sich ganz in die Nähe der Kirche wohl sogar eine Pfalz hat bauen lassen. Neben Arnulf befindet sich das Grab des Königs Ludwig das Kind, der 911 gestorben ist. Im nördlichen Seitengang ist die Grabplatte der seeligen Königin Hemma zu betrachten, die 876 starb und Gemahlin Ludwig des Deutschen war. Die Grabplatte stammt aus dem Jahr 1280.

Zwischen 1731 und 1733 wurde auch die Orgel eingebaut, die im Durchgangsbogen zwischen Mittelschiff und Westquerhaus und Westchor steht. Durch die Orgel wird die Kirche somit in zwei optische Räume geteilt: den Rokoko-Teil im Osten und den älteren Teil im Westen der Orgel.

An der Trennmauer zwischen nördlichem Nebenchor und dem Hauptchor wurden 1951 die Reste eines Pfeilers freigelegt, der aus Haustein besteht und eindeutig zur Kirche des 8. Jahrhunderts zählt. Der Pfeiler ist rund sechs Meter hoch und besteht aus Steinen, die vormals in römischen Bauten Verwendung fanden, also sogenannte Spolien.

Eine Besonderheit findet sich noch an der inneren Mauer der Ringkrypta. Hier hat sich eine ornamentale Wandmalerei erhalten, die teilweise freigelegt wurde und aus dem 8. Jahrhundert stammt.

St. Emmeram war wohl immer eine reine Klosterkirche. Laien hatten somit keinen Zutritt. Für die „Leut“ wurde direkt an das nördlichen Seitenschiff von St. Emmeram eine Leutkirche angebaut, die auch heute noch besteht. Die Pfarrkirche St. Rupert stammt aus dem 11. bis 12. Jahrhundert und hat nur das Mittelschiff und ein nördliches Seitenschiff. Obwohl St. Rupert aus der Romanik stammt, hat die Kirche heute ein spätgotisches Gepräge.

St. Emmeram

Bildnachweis: 123

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