Sechzehn vollplastische lebensgroße Kuh-Skulpturen schauen von den Türmen der Kathedrale. Man weiß wann die Viecher dahin gekommen sind – um 1200 – aber eigentlich nicht warum. Früher glaubte man, es seien Denkmäler für die Ochsen, die beim Bau der Kirche geholfen hätten. Heute gibt es welche, die glauben, mit den Ochsen könnten die Ochsen im Tempel Salomos gemeint sein, die im Buch der Könige des Alten Testamente erwähnt werden. Auf jeden Fall ist es ein origineller Schmuck für die Türme. Allerdings passt der Schmuck zu den Türmen, denn die sind selbst durchaus als originell bezeichnen, mit ihren von Galerien oder Fialen umstellten achteckigen Turmaufbauten.
Die Kathedrale von Laon gilt als eine der ältesten gotischen Kathedralen Frankreichs, obwohl sie fast schon am Überganz zur Hochgotik entstanden ist. Baubeginn für den Ostteil war 1155, also nur wenige Jahre nach dem Beginn der Gotik um 1140 in St. Denis. 1170 waren ein einfacher polygonaler Chor, die Apsis und Teile des Querschiffes abgeschlossen. In einer zweiten und dritten Phase folgten bis 1185 die Querhausportale, dann das vollständige Querhaus mit Vierung und Türmen und das Langhaus bis zum vierten Joch von Osten kommend. Bis dahin geschah also nichts ungewöhnliches.
Auch die Fertigstellung des Langschiffes und der Bau der Westfassade bis 1200 folgen dem gängigen Muster. Zwischen 1205 und 1220 jedoch erfolgte der Umbau des Chores zu einem englischen Chor. Der polygonale Chor wurde abgerissen. Der Chor selbst von drei auf sieben Joche verlängert und gerade abgeschlossen. Chor und Langschiff waren nun fast gleich lang. Um 1294 wurden im Inneren zwischen den Stützen noch 27 Kapellen eingebaut und 1697 mit Stein geschlossen.
Das Prunkstück der fünftürmigen Kathedrale ist die Westfassade. Sie wurde 1190 begonnen und geht weit über das hinaus, was in St. Denis am Anfang der Gotik stand. Auffällig an der Westfassade, dass alle Portale und Fenster wie tief in den Stein geschnitten zu sein scheinen. Dadurch wirkt die Fassade äußerst bewegt.
In der Portalzone selbst finden sich drei Portale, darüber eine Reihe Fenster und wiederum darüber eine große Rosette, die im Zentrum der Fassade steht. Die Rosette von Laon gilt als erste Fensterrosette der Kunstgeschichte. Rosetten finden sich an allen vier Enden der Kathedrale.
Die Türme über der Westfassade beginnen mit einem quadratischen Grundriss und werden dann in den Aufbauten achteckig und somit achtseitig weitergeführt. Auch diese Konstruktion taucht hier in Laon das erste Mal an einer Kirche auf. An jeder zweiten Seite der Turmaufbauten sind zweigeschossige Galerien oder Fialen angebracht, in denen die berühmten Kühe stehen. Durch die Galerien wirken die Türme auf eine charakteristische Art und Weise filigran. Vorbild könnte die Kathedrale von Tournai sehen, was aber nicht gesichert ist. Auf jeden Fall fand diese Bauweise viele Nachahmer, so auch in Deutschland, wo die Dome von Bamberg und Naumburg ähnlich gestaltete Türme aufweisen können.
Laon hat noch zwei Flankentürme am Querhaus und auf der Vierung einen Vierungsturm.
Auch das Innere der Kathedrale von Laon weist Besonderheiten auf. So werden die Mittelschiffsarkaden nur von Säulen und nicht mehr, wie in der etwas älteren Kirche von Noyon (begonnen 1157) von Pfeilern und Säulen im rhythmischen Wechsel getragen.
Der Wandaufbau der Kathedrale ist typisch frühgotisch und somit viergeschossig. Zusätzlich zu den Arkaden, dem Triforium und dem Lichtgaden kommt noch ein Emporengeschoss. Die Empore ist nicht nur ein Relikt aus der Romanik sondern ihr kommen auch statische Aufgaben zu, da das Strebewerk sich in der Frühgotik erst zu entwickeln begann. Das früheste Strebewerk ist für die Jahre zwischen 1160 und 1180 beschrieben.
Die Säulen verfügen als Säulen natürlich über keine Dienstbündel. Jene beginnen erst über den Kapitellen der Säulen und reichen von dort bis in das Kreuzrippen- gewölbe. Dass der Lichtgaden noch orignal aus der Frühgotik stammt und nicht wie so oft später noch verändert wurde, zeigen die Fenster, die über keinerlei Maßwerk verfügen.
Das Gewölbe ist gleichfalls noch typisch frühgotisch sechsteilig, obwohl hier in Laon die zwei Joche, die ein sechsteiliges Gewölbe bilden nicht mehr zum Beispiel durch einen besonderen Gurtbogen hervorgehoben werden. Dies ist ein erster Schritt zu einem vierteiligen Gewölbe wie es in der Hochgotik modern werden sollte.
Die Kirche in Laon ist beinahe unbeschädigt durch alle Kriege gegangen, auch durch die letzten beiden. Allerdings hat die Inneneinrichtung gelitten und zwar insbesondere wie so viele französischen Kirche während der französischen Revolution.

