Größer als der Dom: St. Katharinen in Brandenburg
1. August 2007Die Stadt Brandenburg war bis in den Anfang des letzten Jahrtausends hinein einer der wichtigsten Orte und Stützpunkte der slawischen Bevölkerung. Nach der Eroberung bauten die neuen Herren nicht nur ihre Festungen aus, sondern auch ihre Kirchen. Eine der ersten Kirchen war der Dom auf dem Domhügel. Doch Städte im Mittelalter wuchsen schnell und so kam bald außerhalb des Dombezirks eine Neustadt hinzu, die schon bald mit einer kleinen Kirche aus Feldsteinen geschmückt wurde.
Im Jahre 1395 war diese Feldsteinkirche dann entgültig zu klein geworden und musste einem Neubau Platz machen. Baumeister war ein Heinrich Brunsberg. Die Bauzeit war erstaunlich kurz. Bereits 1401 war die Kirche funktionstüchtig hergestellt und konnte der beliebten und berühmten heiligen Katharina von Alexandria, aber auch der nicht ganz so bekannten heiligen Amalberga geweiht werden. Die Kirche St. Katharinen übertrifft in ihren Ausmaßen sogar den Dom.
Die sehr stilreine spätgotische Hallenkirche mit drei Schiffen ist eines der Meisterwerke der norddeutschen Backsteingotik. Besonders im Außenbau findet man eine Vielzahl an Schmuckelementen, die zeigen, was im ausgehenden Mittelalter mit dem Werkstoff Backstein inzwischen alles möglich geworden war. So findet sich in den Rosetten reiches Maßwerk, aber auch figürlicher Schmuck am übrigen Gebäude.
St. Katharinen verfügt trotz den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges noch über den originalen spätmittelalterlichen Dachstuhl aus Holz. Von Traufe bis zum First ist das Dach der Kirche sogar Höher als das tragende Mauerwerk. Bis zum First ist die Kirche an dieser Stelle 38 Meter hoch. Der Turm ragt sogar noch höher hinaus. Bis zur Spitze misst das Bauwerk 72,5 Meter. Beim Turm handelt es sich allerdings nicht mehr um ein mittelalterliches Gebilde. Der alte Turm stürzte 1582 ein während eines Sturms ein. Dabei wurde auch die gesamte Westwand der Kirche und die an ihr hängende Orgel zerschlagen. Doch bereits 1592 war der Turm erneuert worden und verfügt seitdem über die charakteristische achteckige Haube mit der durchbrochenen Laterne.
Heute hat die Kirche St. Katharinen im Osten einen polygonalen Abschluss. Das war aber nicht immer so. Baufugen am Chor lassen erkennen, dass die Kirche ursprünglichen einen glatten Abschluss hatte, der später durch den schon erwähnten polygonalen Umgangschor ersetzt wurde.
Im Süden ist an die Kirche die Schöppenkapelle angebaut, die durch reiche Verzierungen überzeugt. Die Nordkapelle setzt den Trend, der schon in der Gesamtkirche begonnen wurde, konsequent fort und gilt in seinen Formen und seinem Schmuck als ein Höhepunkt der Backsteingotik.
Im Innern zeigt die Kirche gleichfalls eine typische spätgotische Prägung. Die Pfeiler sind schlicht und recht filigran. Die ganze Kirche umläuft eine Empore, die erst eingebaut wurde, als man die Kirche zu einer protestantischen Predigerkirche umfunktionierte.
An Ausstattungsstücken sind der achteckige Taufbrunnen von 1440 und ein Flügelaltar von 1474 besonders erwähnenswert.
Zu den Geschichten rund um die Kirche gehört auch die des toten Gustav Adolf, der während der Schlacht von Lützen am 16. November 1632 gefallen war. Der Leichnam, des Schwedenkönigs wurde im Dezember desselben Jahres für mehrere Tage in der Kirche St. Katharinen aufgebahrt. Man wartete auf die Witwe, die aus der Mark Brandenburg stammte und dem Leichnam ihres Gatten entgegenreiste.
Bildnachweis: 1 - 2
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