Königlich: Westminster Abbey in London

14. August 2007

Westminster Abbey, Westfront (Foto: Nico-dk)Es gibt wenige Kirchen auf dieser Welt, die bekannter sind. Dem ent- sprechend gibt es auch wenige Kirchen, die öfter besucht werden. Westminster Abbey ist sicher einer der bekanntesten und meistbesuchten Kirchen der Welt. Ihrer Berühmtheit entspricht ihre Bedeutung. Seit 1066 sind in der Abteikirche von Westminster mit zwei Ausnahmen alle englischen Könige gekrönt worden. Über mehrere Jahrhunderte, bis 1760, fanden die englischen Könige in der Kirche auch ihr Grab.

Wie so oft stand am Anfang der Westminster Abbey – worauf auch der Name schließen lässt – eine Benediktinerabtei, die um 750 gegründet wurde. An ihrer Stelle ließ der König Edward der Bekenner (1042-1066) eine Kirche im normannisch-romanischen Stil errichten, die im Jahr 1065 vollendet war, was insofern bemerkenswert ist, dass die Normannen erst 1066 England eroberten. Der 1163 heilig gesprochene Edward wurde in diesem Jahr auch unter dem Hochaltar seiner Kirche begraben.

Rund 200 Jahre später riss man die normannische Kirche wieder ab. 1245 begannen unter König Heinrich III. die Bauarbeiten wie üblich am Chor. 1269 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Die neue Kirche reichte ungefähr bis zur heutigen Chorschranke, also ziemlich weit in das Langhaus hinein. Im Zentrum fand der Schrein für Edward den Bekenner seinen Platz.

Bis 1362 blieb die neue Kirche unvollendet. Danach baute man rund 150 Jahre am Westteil der Abteikirche. Die Kirche wirkt heute im Äußeren wie auch Inneren recht stileinheitlich. Das liegt daran, dass Langhaus trotz der Bauzeit, die sich bis zum Ende des Mittelalters hinzog, im selben Stil des 13. Jahrhunderts errichtet wurde Chor. Der Stil ist ein nicht ganz reiner, aber maßgeblich von der französischen Früh- bzw. Hochgotik beeinflusster Bau im Schema der französischen Kathedralgotik. Die Kirche ist eine Basilika mit Strebewerk, drei Schiffen, Querhaus und ursprünglich polygonalem Chorabschluss mit Chorkapellen. Die Aufbau im Innern ist dreigeschossig. Über den Mittelschiffarkaden befinden sich ein Triforium und der Obergaden mit Fenstern.

Westminster Abbey, Blick von Süden (Foto: Ed Sanders)

Das Langhaus wurde 1386 mit der Westfassade abgeschlossen. Das Strebewerk im Äußeren beeindruckt durch eine sehr strenge Gestaltung. Da es zudem sehr massiv gebaut wurde, war auch ein hohes Mittelschiff möglich. Zwar war die Westfassade Ende des 14. Jahrhunderts abgeschlossen worden, doch die Türme auf der Fassade kamen erst zwischen 1722 und 1745 hinzu. Einer der Architekten, wenn auch nicht der wichtigste, war der berühmte Christopher Wren, von dem auch die St. Pauls Cathedral in London stammt.

Im Innern fällt zunächst das große Fenster in der Westfassade auf. Die Glasmalereien des Westfensters stammen aus dem 18. Jahrhundert. Unterhalb des Westfenster befindet sich auch das Grab des unbekannten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.
Für eine gotische Kirche recht untypisch hängen von der Decke im Mittelschiff zahlreiche große kristallene Kronleuchter. Die Wölbung des Mittelschiffes entspricht nun nicht mehr der französischen Kathedralgotik: zu sehen ist ein spätgotisches, typisch englisches Fächergewölbe. In den Seitenschiffen allerdings findet sich noch ein typisches vierteiliges Kreuzrippengewölbe.

Das Mittelschiff endet nach Osten schon weit vor der Vierung an der Chorschranke von 1834. Der Chor selbst hat heute nur die Breite des Mittelschiffes. Früher war der ganze östliche Teil der Abteikirche den Mönchen vorbehalten. Im späten 18. Jahrhundert wurden alle diesbezüglichen Einrichtungen aus dem 13. Jahrhundert entfernt und durch einen kleineren Chor ersetzt, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederum durch das noch heute bestehende Modell ersetzt wurde. Im Innern zeigt der Chor den Stil der viktorianischen Gotik. Täglich wird im Chor eine Messe von einem Knabenchor gesungen, dessen Gründung vermutlich auf das 15. Jahrhundert zurückgeht.

Die Orgel wurde ursprünglich 1730 eingerichtet, aber danach mehrfach verändert, das letzte Mal 1983. Zu den Organisten der Westminster Abbey zählen Orlando Gibbson und Henry Purcell.

Westminster Abbey, Portal im nördlichen Querschiff (Foto: Robert Swinney)Westlich des Chores – unterhalb der Vierung - befindet sich das Sanktuarium mit dem Hochaltar. Der Altar selbst stammt von 1867. Kunst- geschichtlich wertvoller ist der Boden vor dem Altar, der heute zumeist durch einen Teppich geschützt wird. Es handelt sich um ein Fußboden mit Steinmosaik in italienischer Cosmaten -Technik aus dem 13. Jahrhundert.

An der Stelle der Scheitelchorkapelle befindet sich heute die berühmte Kapelle Heinrich VII. Ursprünglich ließ der König die Kapelle 1503 für Heinrich VI. errichten, fand aber später darin selber sein Grab. Berühmt wurde die Kapelle für sein sehr schönes Fächergewölbe im Stil der englischen Spätgotik, dem Perpendicular Style. Das Fächergewölbe, im Mittelschiff der dreischiffigen Kapelle schon aufwendig, fand in den Seitenschiffen durch zusätzlich dekorative Bildhauerelemente seinen Vollendung. In den Seitenschiffen finden sich auch die Gräber mehrer Könige. So unter anderem in einem Sarkophag die Königinnen Elisabeth I. und deren Halbschwester Maria I., genannt die Blutige. Zu sehen ist auch das Grabmonument von Maria Queen of Scots, welches sogar noch größer ist, als das der Elisabeth I.

Östlich des Hochaltars befindet sich die Kapelle Edward des Bekenners. In ihm stehen die Reste seines Schreins, der nach der Reformation zerlegt und später unvollständig und falsch rekonstruiert, wieder zusammengesetzt wurde. In der Kapelle befindet sich auch der Krönungsstuhl der englischen Könige, in dem sich unter der Sitzfläche früher der Stone of Scone befand. Auf dem Stone of Scone wurden bis 1296 die schottischen König gekrönt, bis Edward I. den Stein nach London brachte. Als Zeichen der Versöhnung wurde der Stein 1993 nach Schottland zurückgegeben und befindet sich heute im Schloss von Edinburgh.

Westminster Abbey, Grabmal Heinrich III. (1216-1272), (Foto: Adrian Pingsto)ne

An den Seiten der Kapelle befinden sich die Sarkophage von fünf englischen Königen und vier Königinnen. Zu sehen ist so auch das Grab Heinrich V. (1412–1422), des Siegers der Schlacht bei Azincourt (1415). Beeindruckend auch das Grab mit der Liegefigur der Eleonore von Kastilien (1241-1290), der Gemahlin von Edward I.

Zwei 1936 entdeckte und freigelegte Wandmalereien aus dem späten 13. Jahrhundert haben sich im südlichen Querhaus erhalten. Zu sehen sind der auferstandene Christus mit dem ungläubigen Thomas und eine Darstellung des heiligen Christopherus.

Westminster Abbey, Grabmal Elisabeth I. und Fächergewölbe, Foto um 1885Im südlichen Querhaus befindet sich auch eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Westminster Abbey: das Poets Corner, oder die Dichterecke. Hier fanden zahlreiche englische Geistesgrößen ihr Grab, so neben anderen Geoffrey Chaucer, Charles Dickens, Rudyard Kipling, Thomas Hardy, Henry Purcell und auch ein Deutscher: Friedrich Händel. Zudem wurden in der Kirche auch zahlreiche weitere Berühmtheiten bestattet wie Isaac Newton, Charles Dickens, Ernest Rutherford, David Livingston, Laurence Olivier und anderen.

Neben dem mittelalterlichen Kreuzganz besteht auch noch das Kapitellhaus, welches um 1250 begonnen wurde. Es verfügt über einen achteckigen Grundriss mit einer Säule in der Mitte, welche das Dach trägt. Das Kapitelhaus von Westminster Abbey war nicht nur Versammlungsort des Klerus. Beginnend unter König Edward I. (1239-1307) bis zum Heinrich VIII. (1491-1547) traf sich hier das englische Unterhaus, das House of Commons.

Die Abteikirche gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Westminster Abbey

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