Ein kleiner Sonderweg: deutsche Spätgotik
20. August 2007
Allgemein wird der Beginn der deutsche Spätgotik mit einem Trend und einem Ereignis in Verbindung gebracht. Der Trend zeichnete sich schon im ausgehenden 13. Jahrhundert allmählich ab und sollte sich im 14. Jahrhundert weiter verstärken. Die Städte wuchsen und gleichzeitig schrumpften die Feudalherren in ihrer Macht und mit ihnen das gesamte Feudalsystem.
Die norddeutschen Städte erstarkten zusammen mit der Hanse, einem Wirtschaftsverbund aufstrebender Städte rund um die Ostsee. In der Mitte und im Süden des Reiches gewannen die freien Reichsstädte an Einfluss. Gleichzeitig mit der Macht des Feudalsystems schwand auch die Macht des obersten Feudalherren, des römischen Kaisers. Während sich in Frankreich vor allem in Burgund und um Paris eine höfische Kultur und eine höfische Kunst entwickeln konnte, ging im „Herbst des Mittelalters“ in Deutschland ein Großteil der Entwicklung von den Städten aus.
Initial für eine Kunst des deutschen Spätmittelalters war jedoch auch ein Hof. Karl IV. aus dem Geschlecht der Luxemburger war der erste Kaiser, der eine echte Hauptstadt wählte: Prag. Kaiser von 1346 bis 1378 baute Karl Prag systematisch zu seiner Hauptstadt und einer europäischen Metropole von Rang aus. Allgemein wird als Beginn der Spätgotik auch das Jahr 1340 gesetzt.
Mit der Epoche Karl IV. verbindet sich auch das Ereignis, welches für Europa folgenschwer werden sollte. 1348 und 1349 zog die Pest über den ganzen Kontinent und tötete mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Von nun an sollte die Seuche periodisch wiederkehren neben anderem für eine neue Form der Frömmigkeit sorgen, die mehr vom einzelnen Gläubigen ausging, als bisher.
Die Spätgotik gab es zwar auch in anderen europäischen Ländern, mit Ausnahme vielleicht von Italien, wo ab 1420 die Renaissance ihre Blüte begann und die Gotik auch sonst nur in einer sehr eigenen Form gepflegt wurde. Die Spätgotik in Deutschland verbindet sich jedoch mit einer ganz besonderen Kirchenform, wie sie außerhalb Deutschlands kaum gebaut werden sollte: der Hallenkirche.
Bildnachweis: 1 - 2
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