Einflüsse aus Böhmen, Italien und den Niederlanden: deutsche Malerei der Spätgotik
24. August 2007Erst spät in der Spätgotik entwickelte sich die Malerei. Waren in Deutschland durch die Wand auflösende Bauweise der Gotik die Wände für Wandmalereien weitestgehend weggefallen und wurden vor allem durch die Glasmalerei ersetzt, kam die Tafelmalerei hingegen erst spät auf. Trotzdem gelang in der Spätgotik endlich die Überwindung des Zackenstils, der so lange die stilistische Grenze zwischen Romanik und Gotik beherrscht hatte. Dabei ging auch die Malerei vom Initiationspunkt Prag und seiner höfischen Kultur aus. Der Zackenstil wurde hier vor allem durch die Übernahme italienischer, vor allem sienesischer Bildmotive, überwunden. Die Künstler begannen ihre Figuren in einem Bildraum anzuordnen, auch wenn der noch flach und ohne Perspektive war. Gemäß den Vorbildern aus Italien der Giotto-Zeit verwendeten die Künstler Farben die leuchtend waren.
Ein bedeutender Vertreter dieser Zeit war Konrad von Soest (um 1370 bis 1422), dessen sehr farbige Werke charakteristische überlange Figuren zeigen und insgesamt dem Stil der durch Italien geprägten Internationalen Gotik folgen. Andere Vertreter dieser Richtung waren der Meister Bertram (um1340-1415) und der Meister Franches (um 1380-nach 1430).
In Deutschland blieb es nicht bei der einfachen Übernahme der Internationalen Gotik. Vielmehr vermischten im Laufe der Zeit diese böhmischen Motive und Darstellungsweisen mit Stilen, die aus den Niederlanden kamen und dort die frühniederländische Malerei bestimmten, wie sie von Roger Campin, dem Meister von Flémalle und Jan von Eyck begründet wurde.
Gleichzeit zu den Niederländern entstand die Kölner Malschule, die von Stefan Lochner (um 1400 – nach 1453) begründet wurde. Auch die Kölner Malschule war von der böhmischen Hofkunst beeinflusst, was sich insbesondere an einer exquisiten Farbigkeit ablesen lässt. Das Hauptwerk Lochners, der Altar der Stadtpatrone im Kölner Dom (1440/45) zeigt Lachsrot, leuchtendes Grün und Rosa.
Der Altar der Stadtpatrone zeigt darüber hinaus eine Fülle an ornamentalen Details und realistischen Pflanzendarstellung, jedoch alles immer noch vor einem goldenen Hintergrund.
Das einzige nachgewiesene Werk von Lucas Moser, der Magdalenenaltar (1432) in der Pfarrkirche in Tiefenbronn hingegen lässt den Einfluss des Robert Campin erkennen. Was die singuläre Stellung des Altars in der deutschen Kunst jedoch ausmacht, ist die Tatsache, dass die Figuren in einer Meereslandschaft angeordnet sind, die den Hintergrund bilden. Erstmalig in der deutschen Kunst gibt es in einer Darstellung Tiefe und eine gestaffelte Architektur.
Ähnlich ist der Heilsspiegelaltar (um 1435) gestaltet, der von Konrad Witz (um 1400 – 1445/46) aus Rottweil geschaffen wurde. Hier sind die Figuren wie auf einer Bühne angeordnet. Dadurch entsteht schon eine beinahe realistische Darstellung. Bekannt wurde von Witz auch der Fischzug von 1444, wo die Figuren in einer schon beinahe der Renaissance entstammenden Landschaft bevölkern.
Eine Entwicklung, die die Kunst der nachfolgenden Jahrhunderte und Stilepochen maßgebliche beeinflussen sollte, war die Erfindung der Drucktechnik. Nicht nur geschriebene Werke konnten so vervielfältigt werden, sondern auch solche der bildenden Künste. Diese „erste Medienrevolution“ führe den Kupferstich und den Holzschnitt zu wichtigen Formen künstlerischen Ausdrucks. Martin Schongauer (um 1435 – 1491), der auch als Maler arbeitete, aber sicher als Stecher der bedeutendere Künstler war, schuf ein umfangreiches grafisches Werk, welches von Hans Memling und Rogier van der Weyden beeinflusst war und selber entscheidenden Einfluss auf die Kunst der größten deutschen Künstlers der Renaissance haben sollte: Albrecht Dürer.
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